«Sprachbarrieren sind Teil des Stücks»

In «Restricted Area» treffen zwei Frauen unfreiwillig aufeinander. Ein Gespräch mit den beiden Schauspielerinnen über kulturelle Unterschiede und Frausein.

Ein Alarm zwingt die zwei Frauen zum Warten: Leila (Yousra Ammouri, l.) und Luzia (Meret Bodamer).

Ein Alarm zwingt die zwei Frauen zum Warten: Leila (Yousra Ammouri, l.) und Luzia (Meret Bodamer). Bild: Matthias Hillebrand-Gonzalez

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Liest man sich die Beschreibung zu “Restricted Area” durch, klingt es thematisch fast wie eine Presseschau der letzten Monate: Vorurteile gegenüber anderen Kulturen, Migration, Gender, Digitalisierung, Social Media…
Meret Bodamer: Ja, das Stück ist sehr zeitgenössisch, deshalb auch die aktuellen Themen wie Migration oder Emanzipation. Die Themen lagen schon länger in der Luft und deshalb auf der Hand, aber wir haben uns nicht bewusst für diese Themen entschieden, nur weil sie aktuell sind.

In «Restricted Area» geht es um zwei Frauen, die unfreiwillig auf engstem Raum zusammen sind. Beide sind aus anderen Kulturen. Wie finden die beiden zueinander?
Yousra Ammouri: Zuerst kommunizieren sie mittels Körpersprache, Meret Bodamers Charakter spricht zudem Deutsch, meiner Arabisch und am Ende sprechen sie zusammen Französisch. Am wichtigsten ist aber die nonverbale Kommunikation: Ich glaube, es gibt etwas wie eine menschliche Sprache, so dass sich Leute auch ohne Worte verstehen.

«Einige Zuschauer hier werden nicht alles verstehen und die in Tunis auch nicht.»Yousra Ammouri

Das Stück ist ein transkulturelles Projekt, das heisst es ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Zürcher Theater Maralam und dem Theater Mass’Art Tunis. Werden Sie das Stück in Tunesien identisch wie in Zürich zeigen?
M.B.: Nein, wir werden die Sprachen leicht anpassen.
Y.A.: Und trotzdem: Einige Zuschauer hier werden nicht alles verstehen und die in Tunis auch nicht. Aber genau diese Sprachbarriere und die kulturellen Unterschiede sind Teil des Stücks.

Welches waren denn die grössten Herausforderungen bei dieser transkulturellen Zusammenarbeit?
M.B.: Weil das Stück ein Mix aus Hier und Dort ist, mussten wir stets einen Mittelweg finden. Es wird in Zürich Zuschauer geben, die gewisse Passagen zu pathetisch finden, genauso wie es in Tunis Zuschauer geben wird, die Dinge kritisieren werden. Aber so ist das eben bei einem Kompromiss, wir können es nicht allen recht machen.

Wie im Stück sind auch Sie beide aus unterschiedlichen Kulturräumen, sie kannten sich vorher nicht.
Y.A.: Ich hatte zu Beginn grossen Respekt, weil ich dachte, ich würde nur schwer Anschluss finden. Aber das Theater hat eine universelle Sprache, ich verstand mich sofort mit dem Team. M.B.: Und wir sind auch einfach zwei junge Frauen, die sich neben der Bühne sehr gut verstehen, zusammen ausgehen und über Privates sprechen. Diese Verbindung hilft uns auf der Bühne.

«Viele der Diskussionen, die wir heute führen, wären vorher gar nicht möglich gewesen.»Yousra Ammouri

Das Stück wirft die Frage auf, was es heisst, eine Frau zu sein in einem bestimmten gesellschaftlichen Kontext. Was bedeutet es für Sie?
Y.A.: Seit dem Arabischen Frühling wird viel über Frauenrechte und die Stellung der Frau in der Gesellschaft diskutiert. Viele der Diskussionen, die wir heute führen, wären vorher gar nicht möglich gewesen.
M.B.: Klar, es sind ganz andere Themen, mit denen sich Frauen hier befassen. Sie stehen oft unter grossem Druck, weil wir so viele Möglichkeiten haben, einen guten Job finden und eine Familie haben sollten. Es ist auch hier nicht immer einfach, eine Frau zu sein.

Fabriktheater
Rote Fabrik, Seestr. 395
Do (Premiere)–Fr / Sa / Mi 20 Uhr, So 18 Uhr
Bis 27.10.
www.rotefabrik.ch

Erstellt: 17.10.2018, 16:56 Uhr

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