Von Super Mario, einer Müllhalde und klassischem Ballett

Der schwedische Starchoreograf Fredrik Rydman hat den «Nussknacker» einer Verjüngungskur unterzogen. In Wien haben wir uns angeschaut, ob das funktioniert.

Wie man hier schön sehen kann trifft im neuen «Nussknacker» Ballett auf Streetdance.

Wie man hier schön sehen kann trifft im neuen «Nussknacker» Ballett auf Streetdance. Bild: Daniel Ohlsson

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Dann kam Super Mario: Eindrucksvoll turnte der russische Breakdancer Bruce Almighty über das mehrstöckige Gerüst auf der Bühne. Und auch Darth Vader hatte seinen Auftritt an diesem Abend im Wiener Museumsquartier.

Aber von vorn: Der schwedische Choreograf Fredrik Rydman hat dem Ballett «Der Nussknacker» ein Make-over verpasst. Die Show beginnt mit einer albtraumartigen Video-Ouvertüre, in der sich eine Frau im Krankenbett hin- und herwirft und Ärzte auf Rollschuhen performen. Diagnose: reiche Frau, kaputtes Herz.

Von der Geschichte sind in «The Nutcracker Reloaded» nur einzelne Themen übrig, zu Tschaikowskis Musik kommen treibende Hip-Hop- und Electro-Beats, neben Ballett wird Breakdance getanzt. Rydman versetzt klassische Stücke gern ins Heute; auch um auf das Desolate in der Welt hinzuweisen. In «Swanlake Reloaded», Rydmans «Schwanensee»-Version, waren die Schwäne koksende Prostituierte und Rotbart ihr Zuhälter.

Weil «Der Nussknacker» – heute als liebliches Weihnachtsballett bekannt – auf einer nicht halb so herzigen Erzählung von E. T. A. Hoffmann basiert, ist es durchaus legitim, das Ganze als düstere Parabel (auf Europas obdachlose Kinder) anzugehen. Bei Rydman klingt das so: Die kleine Clara (Ellen Lindblad) wird bei einem Unwetter von ihren bettelarmen Eltern getrennt. Sie findet Zuflucht auf einer Müllkippe, muss dort fortan mit einer Clique tütenschnüffelnder Kids leben und träumt von Super Mario und Darth Vader. Doch dann gerät Clara ins Visier des Organhändlers Drosselmeyer (stark: Johan Forsberg), der ihr nach dem reinen Herzen trachtet, um es der Patientin aus dem Anfangsvideo zu verkaufen.

Bis Clara zusammen mit ihrem Nussknacker (und späteren Prinzen) den Organhändler bezwingt und ihre Eltern wiederfindet, dauert es eine bildgewaltige Weltreise lang. Dazwischen wird auf hohem Niveau klassisch und modern getanzt, teilweise von ein und denselben Tänzerinnen und Tänzern. Weniger klar ist mitunter die Handlung. Das weiss auch Rydman und hat einen Erzähler dazu erfunden. Der stellt sich als Gesandter des schwedischen Kulturkonsulats vor und greift erklärend und zunehmend Chaos stiftend als tragischer Clown in den Verlauf des Geschehens ein.

Das führt dazu, dass zur komplexen Geschichte, zu den vielfältigen gestalterischen und tänzerischen Elementen noch eine Art Tragikomödie kommt, die da nicht recht reinpassen will. Vor allem, weil sie einen immer wieder rausreisst aus einem tänzerisch und visuell interessanten Abend, der in Wien heftig bejubelt wurde.

Di/Mi, 19.30 Uhr
Maag-Halle
Hardstr. 219, ww.nutcracker-reloaded.ch
Eintritt 70-100 Franken
Bis 3.6.

(Züritipp)

Erstellt: 16.05.2018, 14:06 Uhr

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