Wahn oder nicht Wahn?

Paranoide in der Uni und Irre am See: zwei Premieren im Rahmen der Festspiele Zürich, die sich lohnen.

Wer ist hier eigentlich wahnsinnig? Die Schauspieler des Opernvereins Zürich.

Wer ist hier eigentlich wahnsinnig? Die Schauspieler des Opernvereins Zürich. Bild: Remy Bourgeois

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ParanoidUniversität Zentrum
Rämistr. 71
Premiere: Mi 20 Uhr, bis 24.6.

Paranoiker überschwemmen das Internet mit ihren Thesen, und auch physisch ist der ein oder andere Verschwörungstheoretiker meist nicht weit. Aber warum wird unsere Welt immer wahnsinniger, und wie soll man sich dazu verhalten? Dieser Frage widmet sich das Stück «Paranoid». Die Menschen rund um Regisseur Tobias Bühlmann und seine Gruppe asuperheroscape sind Fachleute, wenns um komplexe gesellschaftspolitische Themen im schrägen Gewand geht. In der Absicht, ein theatrales Feuerwerk zu zünden, laden sie zum Abschluss der Festspiele in die Uni Zürich ein. Genauer: in den bombastischen Hörsaal KOH-B-10. Diese unglaubliche, 463-plätzige, leuchtgrün-korallfarbene Mischung aus «Bunker und Psycho-Disco», wie es Bühlmann nennt, passt optisch nämlich ganz wunderbar zum Thema.

I pazzi per progettoTheater im Seefeld
Seefeldstr. 91
Do/Di/Mi 20 Uhr, So 18 Uhr, bis 23.6.

Noch mal zur Erinnerung: Das diesjährige Doppelmotto der Festspiele ist «Schönheit/Wahnsinn». Der Opernverein Zürich und seine internationalen Nachwuchskünstler haben bei Gaetano Donizetti einen Anknüpfungspunkt gefunden. Kein Opernkomponist hat den Wahnsinn so häufig thematisiert wie Donizetti, der zum Ende seines Lebens selbst in ein Pariser Irrenhaus eingeliefert wurde. In Christian Seilers und Peter Bachmanns Neubearbeitung von «I pazzi per progetto» geht es nun um vermeintlich Irre, die sich, unterstützt von einem fünfköpfigen Salonorchester, gegenseitig Wahnsinn vorspielen respektive vorsingen, um ihre Ziele zu erreichen. Und sich und ihre Kunst vor der Aussenwelt zu schützen. Es ist ein tragikomisches Opernendspiel mit nachdenklichen Zwischentönen, das sich auch die Freiheit nimmt, weitere Donizetti-Werke anklingen zu lassen.

(Züritipp)

Erstellt: 14.06.2018, 09:16 Uhr

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