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«Er war eine multiple Persönlichkeit»

Anlässlich einer neuen Tribute Show haben wir mit dem ehemaligen «Bravo»-Chefredaktor Alex Gernandt gesprochen, der Michael Jackson 16-mal getroffen hat.

Haben sich rund um den Globus getroffen: Michael Jackson und Alex Gernandt.
Haben sich rund um den Globus getroffen: Michael Jackson und Alex Gernandt.
Privat

Sie haben Michael Jackson als «Bravo»-Chefreporter von 1993 bis 1999 rund um die Welt begleitet.Welcher Moment hat Sie besonders berührt?

Das war beim Videodreh zu ­«Scream» in den Universal Studios im Mai 1995, zu dem ich exklusiv eingeladen worden war. Die fünf Minuten Film kosteten übrigens sieben Millionen Dollar. Nachts um halb eins durfte ich endlich in einer Pause in die Halle. Dort stand Jackson in seinem schwarzen Outfit. Als er mich sah, sagte er «Hi Alex!» Da zuckte ich zusammen, es war das erste Mal, dass er mich beim Namen nannte.

Vor Ihnen hatte Jackson nie Journalisten empfangen. Sie haben ihn insgesamt 16-mal getroffen. Haben Sie mit ihm auch über Privates gesprochen?

Es war ganz klar ein Geschäftsverhältnis, aber zur Begrüssung haben wir uns immer umarmt. Michael Jackson wollte bei jeder Begegnung die «Bravo»-Artikel über ihn Wort für Wort übersetzt haben. Auf diese Weise entstand ein Vertrauens­verhältnis. Ich kam ja von einer Fanzeitschrift und war kein investigativer Reporter.

Worum ging es sonst noch bei Ihren Treffen?

Ich habe ihn viel beobachtet und mit ihm über seine Arbeit gesprochen. Vor allem, als er in den Slums von Rio de Janeiro das Video zu «They Don’t Care About Us» gedreht hat. Michael wollte dort unbedingt hin, weil es ja ein sozialkritisches Lied ist. Der Gouverneur wollte verbieten, dass ein Weltstar die Elendsviertel auf die Bildschirme bringt. Rio hatte sich für Olympia beworben und konnte keine Negativpromotion gebrauchen. Aber Michaels Freund Pelé intervenierte beim Gouverneur.

Michael Jackson wird oft als Person zwischen Genie und Wahnsinn beschrieben. Wie haben Sie ihn erlebt?

Er war eine multiple Persönlichkeit. Auf der einen Seite war er wie ein Kind. Auf der anderen Seite war er ein knallharter Geschäftsmann. Viele denken an ihn als Marionette. Nein, er hat alles selbst bestimmt! Um seine Ideen umzusetzen, holte er sich die Besten: John Landis, Martin Scorsese, Steven Spielberg.

Wie schaffte er es, trotz des Rummels um ihn die anstrengenden Welttourneen zu bewältigen?

Jackson hatte einen eisernen Willen und war sehr, sehr ehrgeizig. Viele sehen in ihm eine fragile Figur. Das war er nicht! Er war 1 Meter 80 gross und sehr zäh. Das ist darauf zurückzuführen, dass sein Vater Joseph ihn militärisch gedrillt hat, weshalb er zu einem perfekten Entertainer wurde. Aber durch die Misshandlungen trug er seelische Schäden davon, die nicht zu übersehen waren.

Beat It! Di 26.2. / Mi 27.2. — 20 Uhr Halle 622 Therese-Giehse-Str. 10 Eintritt 82–117 Frankenwww.bymaag.ch

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