«Alle haben einen grünen Daumen»

Vor dem diesjährigen Kräuter- und Pflanzenmarkt hat uns Gärtnerin Bina Thürkauf Tipps zu Kauf und Pflege verraten.

Während des Marktes wird der Rieterpark noch grüner: Besucher am Kräuter- und Pflanzenmarkt.

Während des Marktes wird der Rieterpark noch grüner: Besucher am Kräuter- und Pflanzenmarkt. Bild: zvg

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Gibt es den grünen Daumen?
Ich behaupte, es gibt keinen nicht grünen Daumen. Es gibt vielleicht verschiedene Grüntöne. Aber alle haben einen grünen Daumen. Der ist angeboren. Grüner wird er, wenn man sich auf eine Pflanze einlässt. Man kann nichts erzwingen. Wenn eine Pflanze nicht zu einem passt, kann man machen, was man will. Wenn eine Pflanze dauernd eingeht, dann liegt das nicht am grünen Daumen, sondern daran, dass man nicht zusammenpasst.

Was sind gute Einsteigerpflanzen?
Wenn man sich gar nichts zutraut, sind zum Beispiel einjährige Kräuter oder einjährige Sommerblüher, die man auf dem Balkon haben kann, gut. Etwa Tagetes Orange Gem; Gewürztageten, die nicht sehr hoch werden, deren Blüten und Blätter man in den Salat geben kann. Viele haben bei Tageten zwar ein Trauma, aber ich empfehle immer, die erst mal zu testen. Und die meisten finden dann doch Geschmack daran.

«Im Garten ist es eher schwierig, eine Pflanze umzubringen.»Bina Thürkauf, Gärtnerin

Welche Anfängerfehler gibt es?
Zu viel giessen gehört sicher dazu. Gerade Zimmer- und Balkonpflanzen werden schnell mal ertränkt. Da sie dann übersättigt sind, sehen sie zwar straff aus, bekommen aber gelbe Blätter. Pflanzen sehen eigentlich so aus wie wir, wenn wir Durst haben: Dann hängt alles ein bisschen runter. Im Garten ist es eher schwierig, eine Pflanze umzubringen. Da sind dann eher andere dafür verantwortlich. Schnecken oder Mäuse etwa.

Von welchen Pflanzen raten Sie Anfängern ab?
Chillies sind eher für Fortgeschrittene. Ich persönlich finde die jetzt nicht so kompliziert, aber das liegt wohl daran, dass ich eine gute Beziehung zu ihnen habe. Pflanzen sind ein bisschen wie Haustiere. Sie sind Lebewesen. Da sollte man schon einen gewissen Respekt haben.

Welche Pflanzen und Kräuter sollten nach Ihrer Ansicht mehr gepflanzt werden?
Im ganzen Biodiversitätskontext sollten mehr Wildpflanzen angebaut werden. Wildstauden, heimische Gewächse. Ungefüllte Blüten, da diese Nektar anbieten. Der Standort spielt dabei auch immer eine Rolle. Etwas Einfacheres wäre der Wiesensalbei oder der anspruchsvollere Waldstorchschnabel.

«Ich bin nicht religiös, aber in sämtlichen Weltreligionen ist der Garten ein ganz wichtiger Teil.»Bina Thürkauf, Gärtnerin

Das bieten Sie am Markt auch an?
Nein. Das bringt eine andere Gärtnerei mit, die Stiftung Wildstaudengärtnerei Höfli. Wir bieten unter anderem Chillies, Feigen und spezielle Gewürze an.

Kakteen- und Pflanzenmärkte boomen. Warum eigentlich?
Die Verbindung zu Pflanzen ist etwas Uraltes. Ich bin nicht religiös, aber in sämtlichen Weltreligionen ist der Garten ein ganz wichtiger Teil. Also zum Beispiel der Garten Eden. Es ist ein ureigener Trieb, draussen zu sein und die Erde zu fühlen. Unsere Verbindung zum Boden ging ein wenig verloren, und die wird wohl wieder gesucht. Auch mir tut das gut, mit dem Boden und den Pflanzen zu arbeiten. Nicht nur Haustiere, auch Pflanzen tun einem gut. Und mit Urban Gardening sind auch ganz neue Felder erschlossen worden.

Welche Pflanzen und Kräuter sind momentan besonders angesagt?
Im Rahmen der Biodiversitätskampagne des Bundes sind wieder mehr Wildpflanzen angesagt. Aber auch zum Beispiel Feigen oder spezielle Gemüse. Man hat ein wenig genug von den ewig gleich runden, roten Salattomaten und will etwas Spezielleres versuchen. Gerade bei Tomaten kann man sich vor lauter Vielfalt nicht retten. Aber die sind vom Setzen her halt schon wieder ein bisschen vorbei.

Was kann man denn jetzt noch pflanzen?
Für die einjährigen Gemüsepflanzen wirds jetzt knapp. Aber alles andere geht noch problemlos, gerade auch, weils bis jetzt noch nicht so lange zu heiss war. Kürbisse etwa kann man noch stecken.

«Pflanzen sind Lebewesen. Die ticken zwar ein bisschen anders als wir, aber haben durchaus eine Wahrnehmung.»Bina Thürkauf, Gärtnerin

Gibt es Pflanzen, die man aus ökologischen Gründe nicht kaufen sollte?
Da will ich jetzt niemandem zu nahe treten. Aber zum Beispiel Moorbeetpflanzen (Rhododendren, Azaleen) finde ich eher ungeeignet. In der Schweiz ist dafür der Boden einfach nicht genug sauer. Schade ist es auch, wenn Leute sich grosse Zitrusgewächse anschaffen, die sie aber nicht überwintern können, und die dann zu einem Wegwerfartikel verkommen. Das ist nicht besonders ökologisch.

Ist es okay, etwa bei Ikea Pflanzen zu kaufen?
Meine ganz persönliche Sicht: Der Umgang mit den Pflanzen dort ist jetzt kein Vorzeigebeispiel.

Was halten Pflanzen denn eigentlich von Musik?
Pflanzen sind Lebewesen. Die ticken zwar ein bisschen anders als wir, aber haben durchaus eine Wahrnehmung. Wenn wir Winterpflanzen im Gewächshaus haben, wo kein Wind bläst, reagieren Pflanzen auf Berührung durchaus. Wenn ich mit der Hand über die Pflanzen fahre, habe ich wirklich das Gefühl, es gehe ihnen besser. Wegen der Musik: Die Gärtnerei zu beschallen, ist jetzt nicht ganz einfach, ohne die Nachbarschaft gegen uns aufzubringen.

Haben Sie einen Liebling in der Pflanzenwelt?
Ich habe fast nur Lieblinge. Besonders toll finde ich Feigen und die Blüten des Muskatellersalbeis.

Mo 10.6. — 10 bis 17 Uhr
Museum Rietberg
Gablerstr. 15
Eintritt frei
www.rietberg.ch

Erstellt: 07.06.2019, 18:14 Uhr

Bina Thürkauf

Bina Thürkauf ist Geschäftsführerin der Biogärtnerei am Hirtenweg in Riehen und nimmt am Pfingstmontag am Kräuter- und Pflanzenmarkt beim Museum Rietberg teil.

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