Das Landesmuseum zeigt die Weihnachtsshow von morgen

Hier wird die Fassade zur Leinwand: Junge Zürcher projizieren ein interaktives Videoformat auf die Mauern des historischen Gebäudes.

Die Projektionen passen sich der Oberfläche des Landesmuseums an.

Die Projektionen passen sich der Oberfläche des Landesmuseums an. Bild: Reto Oeschger

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Es ist ein Büro wie aus einem Bubentraum: In den verwinkelten Räumen im ersten Stock stapeln sich die Gadgets, in einer Ecke hängt ein Boxsack, der obligate Töggelikasten ist ebenfalls da, und eine Treppe gewährt einen privaten, direkten Zugang zur Bank, einer angesagten Beiz.

In diesem als Büro getarnten Spielplatz am Helvetiaplatz ist Yuki entstanden. Die einäugige Fantasiefigur wird in den nächsten Wochen auf die Mauern des Landes­museums projiziert – dies zum zweiten Mal nach der Premiere im letzten Jahr, die 50 000 Personen besucht haben. «Und wir erwarten diesmal noch mehr Leute», sagt Philippe Trawnika selbstbewusst.

Der 38-Jährige ist einer von vier Partnern bei Projektil; jener Firma, die Yuki zum Fliegen gebracht hat. Der BWL-Absolvent ist hier der Mann fürs Business – und für die knackigen Sätze. «Es wird eine Kick-Ass-Show. ­Grösser, vielfältiger und vor allem: interaktiv.» Nach den 25 Minuten, die Yukis intergalaktische Weihnacht illustrieren, wird ein Flipperkasten an die Wand projiziert. Mittels analogen Knöpfen können die Besucher dieses virtuelle Spielgerät dann bedienen. «Das ist der Next Step in diesem Medium», sagt Trawnika. Seine Augen leuchten. Er braucht es nicht auszusprechen. Es ist so schon klar, dass er und seine drei Kollegen bereits von noch Grösserem, noch mehr Interaktion träumen.

Das Landesmuseum leuchtet: Illarium 2017. YouTube/TICKETINO

In den verwinkelten Räumen von Projektil weht ein Hauch von Silicon Valley. Wie in der kalifornischen Tech-Hochburg wird auch hier im Kreis 4 enthusiastisch in die digitale Zukunft gedacht, gern in Superlativen gesprochen.

Wer das bisherige Schaffen dieser Zürcher Jungunternehmer begutachtet, bekommt eine Ahnung, wie das Publikum künftig unterhalten wird. Denn mit leistungsstarken Computern und hochauflösenden Projektoren der neusten Generation können heute Bilder in neue Dimensionen bewegt werden. So hat Projektil bereits die Taminaschlucht bei Bad Ragaz zur Leinwand gemacht, für die Leichtathletik-EM einst das Zürcher Opernhaus virtuell zerfallen lassen oder das Bundeshaus grossflächig mit Bildern bespielt.

Eine neue Technik

Die Zürcher Jungunternehmer setzen das fort, was Gerry Hofstetter bereits 2003 mit seinen leuchtenden Schweizer Kreuzen auf dem Bun­deshaus angestossen hatte. Doch im Gegensatz zum Lichtkünstler arbeitet die Zürcher Firma mit einer neuartigen Technik. Videomapping heisst diese.

«Es geht darum, dass die Struktur und Form der angestrahlten Oberfläche dreidimensional erfasst werden kann», sagt Kreativdirektor Roman Beranek, «so können die Bilder millimetergenau angepasst werden.» In Bezug auf die mit acht Beamern alimentierte Show im Landesmuseum heisst das zum Beispiel: Die im Neubau angebrachten runden Fenster sind Teil der Animation, auch kann die Silhouette des ganzen Gebäudes mitsamt Turm einberechnet werden.

Vorn die Show, hinten der Lichterpalast. Nach der Premiere im letzten Jahr soll die zweite Ausgabe laut den Machern noch heller scheinen.

Wenn Roman Beranek von den Möglichkeiten des Videomapping erzählt, von riesigen, multimedialen Shows in Kanada oder Japan, wird klar, dass diese Technik in den nächsten Jahrzehnten fürs Publikum visuell ganz neue Welten erschliessen wird. Dann reicht ein Tannenbaum mit brennenden Kerzen eben nicht mehr aus, die Massen zu unterhalten. Roman Beranek, selbst Familienvater, ist sich durchaus bewusst, dass gerade in der Vorweihnachtszeit Traditionen für viele Leute sehr wichtig sind. Aber der Designer sieht eben in diesem neuartigen Videoformat auch ein geeignetes Medium, um die alten Werte auf neue Weise zu vermitteln. «Für mich sind die Beamer so etwas wie die Kerzen der Neuzeit.»

Gut für Social Media

Wie gut diese Show im Rahmen des Events ­Illuminarium (siehe Box) in die Gegenwart passt, zeigt auch ein Blick in die diversen Social-Media-Kanäle. Yuki & Co. waren dort ein oft fotografiertes Sujet. Das ist wenig erstaunlich. Denn nur was leuchtet, spektakuläre Ausblicke generiert, erhält viele Likes auf Facebook oder Instagram. Dass ihre Shows «instagrammable» sind, geben die beiden Schöpfer von Yuki zu. «Das ist natürlich eine gute Werbung für uns», sagt Philippe Trawnika. Aber auf den kurzfristigen Effekt, für den diese schnelllebigen Kanäle eben auch stehen, wollen die beiden nicht vertrauen. Mit ihrer Firma Projektil, die vor zwei Jahren zur AG umgewandelt wurde, haben sie langfristige Ziele. Die Show im Landesmuseum soll dabei nur der Anfang einer Entwicklung sein, die in einem stadtweiten Lichtfestival münden soll. Vorbild ist dabei das Fête des Lumières im französischen Lyon. Während vier Tagen ziehen dort über 80 Installationen Hunderttausende ­Besucher in ihren Bann und generieren so für den Tourismusstandort einen Gewinn.

Zürich sei aber für etwas so Grosses im ­Moment nicht bereit, meint Trawnika. Will heissen: Noch denkt man hier zu klein. «Aber wir visieren dieses Ziel Step by Step an.» Das bedeutet: Während es nach der monatelangen Arbeit mit Yuki in den Tagen vor der Premiere nur noch um technische Details geht, designen die acht Festangestellten, verstärkt von unzähligen Freelancern, in ihren Büros am Helvetiaplatz bereits die nächste Show. Am 1. Februar des kommenden Jahres wird die Stadtzürcher Kirche St. Jakob bespielt. Auch hier: «Es wird gross, es wird hell.» So die Macher aus dem Hause Projektil. Ein Kick-Ass-Event eben.

Do 15.11. – So 30.12.
Landesmuseum Innenhof
Show von 17 Uhr bis 22 Uhr, Dauer 25 min
Gastronomie 17 Uhr bis Mitternacht
24. / 25.12. geschlossen
Eintritt Show Erwachsene 13 Franken, Kinder 5 Franken
www.illuminarium.ch

(Züritipp)

Erstellt: 16.11.2018, 19:06 Uhr

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