Wo und warum wir Geschenke basteln

Werken ist das neue Yoga – und Selbermachen wieder angesagt. Die besten Orte, um kreativ zu werden.

Basteln ist schon lange nicht mehr nur etwas für Kinder und Rentner.

Basteln ist schon lange nicht mehr nur etwas für Kinder und Rentner. Bild: Andrea Zahler/Moira Jurt

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Es braucht nicht viel Fingerfertigkeit, um in dem «Winter-Wunder-Werkstatt»-Pavillon an der Europaallee eine Duftkerze herzustellen: Niko Dafkos und Paul Firmin, die eigens für einen Kerzen-Workshop aus London eingeflogen sind, halten einen längeren Vortrag über Düfte; für den praktischen Teil ist vieles vorbereitet.

So haben sie im Vorfeld Sojawachs geschmolzen und zwei Duftöle gemischt. Jetzt geht es nur noch darum, die präferierte Duftmischung und das Wachs zusammenzuschütten. Die Flüssigkeit kommt in ein kleines, braunes Glas, in dem sich bereits ein Docht befindet. Den haben alle selber mit einer Leimpistole auf dem Glasboden fixiert. Einen Tag später ist die getrocknete Kerze abholbereit – ein perfektes Geschenk, das nach Jasmin, Gardenien und Rosengeranien riecht.

Kurse sind schnell ausgebucht

Der Kurs von Niko und Paul, die in East London unter dem Namen Earl of East ein erfolgreiches Duftkerzenbusiness aufgebaut haben, fand Anfang November statt und war in Kürze ausverkauft – genauso wie die Zusatzkurse im Dezember. Auch das Adventskranzbasteln, das diese Woche im Pavillon an der Europaallee über die Bühne geht, war innerhalb weniger Stunden ausgebucht.

An der Europaallee wird gebastelt: Kurs im Rahmen der «Winter-Wunder-Werkstatt». Bild: Samuel Schalch

Der Pavillon ist nur einer von vielen Orten in der Stadt, wo Erwachsene etwas kreieren können. So gibt es kaum einen Adventsmarkt, wo man nicht Biberli oder Weihnachtskarten verzieren kann – die Lust zum Gestalten lässt sich im Wienachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz und auf dem Münsterhof ausleben. Selbst in der Do-it-Migros im Brunaupark kann man derzeit Stofftaschen bemalen, ein Holzfadenbild sticken oder ein Windlicht basteln; an der Creativa, die Anfang Monat in der Messe Zürich stattfand, standen die Leute für Bastelkurse Schlange.

Auch an Vernissagen und Feiern gehört Selbstgemachtes zunehmend zum guten Ton: Anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums der Zürcher Schuhdesignerin Stefi Talman am kommenden Samstag zeigen Designerinnen, wie aus Leder hochwertige Schlüsselanhänger entstehen.

Die «Handsgi» ist nicht mehr bieder

In einer Zeit, in denen sich austauschbare Geschenke mit wenigen Klicks bestellen lassen, ist Selbstgemachtes geschätzter denn je. Doch auch der Effekt des Bastelns, bei dem man wie ein kleines Kind oder bei einer Yogaübung die Zeit vergisst und in einen Flow kommt, findet immer mehr Anhängerinnen und Anhänger.

Braucht kein grosses Talent: selbst bedrucktes Geschenkpapier. Bild: Samuel Schalch

Natürlich wurde das Basteln nicht neu erfunden. Allerdings hat die globale Craft- und Do-it-yourself-Bewegung, die seit Jahren anhält und auch über Plattformen wie Pinterest und Instagram populär wurde, dafür gesorgt, dass die «Handsgi» heute nicht mehr bieder ist. Basteln ist heute die Antithese zur Massenware und ein privater Rückzugsort. Kaum ein Erwachsener, der nicht professionell künstlerisch tätig ist, nimmt sich heute noch Zeit, zu Hause mit Kartoffelstempeln zu experimentieren – die Ablenkung ist zu gross. Bevor man sich versieht, hat man Netflix eingeschaltet oder stundenlang per Whatsapp gechattet.

In den Kursen wird genau dieser Teufelskreis durchbrochen. «Ich erhalte regelmässig Rückmeldungen von Teilnehmern, die erzählen, dass sie seit langem wieder mal total entspannen und abschalten konnten», sagt Julie Egli. Sie zeigt in ihren Workshops, wie man Seifen oder Lipgloss selber macht – und sammelt auch mal die Handys ein, damit die Leute abtauchen können. Dass sich in einem intimen Rahmen ungestört Zeit verbringen lässt, kommt in dieser hektischen Vorweihnachtszeit einem Wellnesstag gleich.

Die besten Workshops


Winter-Wunder-Werkstatt

Ob Tontöpfe oder Porzellan bemalen, ein Fermentationskurs oder winterlichen Schmuck basteln – das Do-it-yourself-Programm im Pavillon auf dem Gustav-Gull-Platz ist breit. Von Montag bis Samstag und während der Sonntagsverkäufe steht tagsüber zudem ein Basteltisch mit viel Material bereit, an dem man kostenlos Geschenkpapier und Karten gestalten kann.

Diverse Kurse
Bis 22.12.
Gustav-Gull-Platz
www.europaallee.ch


Julie Egli

Unter dem Namen «Atelier Workshop» führt die Textildesignerin Julie Egli nicht nur zur Weihnachtszeit Kurse in ihrem privaten Studio durch. Ob Duftseifen, selbst gemachte Kosmetik oder Malen und Färben mit Markgemüse – dank ihrer fachkundigen Anleitung kommt man schnell in einen schöpferischen Flow.

19.12.: Lipgloss, Winter-Wunder-Werkstatt
19.1.20: Färben mit Gemüse, Studio Julie Egli
julieegli.com/collections/atelier-workshop

Gemeinschaftszentren

In den Zürcher Gemeinschaftszentren können sich nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene künstlerisch ausleben. Mit Kerzenziehen und Adventskranzbinden herrscht derzeit an den Wochenenden Hochbetrieb; beliebt sind auch verschiedene Töpfer- und Holzwerkstattkurse.

29.11.–1.12.: Kranzen im GZ Buchegg
29.11.: Kranzen und Kerzen ziehen im GZ Loogarten
www.gz-zh.ch

Offcut

Von Stoffen über Metallringe und Farben bis zu Schuhleisten: Dieser Materialladen hat alles, was das Kreativherz begehrt. Und das Beste: Alles war eigentlich für den Abfall bestimmt, denn sämtliche Materialien sind Reste, die hier wieder verkauft werden. Was man alles daraus gestalten kann, wird in regelmässigen Workshops gezeigt. Jetzt passend zu Weihnachten etwa kann man Geschenkpapier und Karten selbst gestalten.

9./10.12. (zweiteilig): Stempel- und Drucktechniken
Hohlstr. 418
www.offcut.ch/zh/de/aktuelles

Fabienne Morel

Sterne müssen nicht immer golden sein und Scherenschnitte alles andere als langweilig. Das beweist die Designerin Fabienne Morel mit ihren Sternen-Workshops: Aus hochwertigem Papier falten und schneiden Kursteilnehmer(innen) bunte Sterne, die als Objekt auch in der nächsten Adventszeit noch Freude bereiten.

4./5./10.12.: Sternen-Workshop im Showroom von Fabienne Morel
3.12.: Sternen-Workshop im Living Room, Sihlcity
www.fabiennemorel.com

Anna & Juan

Seit acht Jahren produzieren die beiden Designer Josefina Eliggi und Luzius Schnellmann pflanzlich und natürlich gefärbte Garne. Wie man diese färben oder verarbeiten kann – vom Stricken über Knüpfen bis zum Häkeln –, zeigen sie regelmässig (und nicht nur in der Vorweihnachtszeit) in Workshops für Anfänger bis Fortgeschrittene.

Bis 10.12.: Fäustlinge stricken, Pflanzlich färben: 7.12.
Siebdruck mit Naturfarben: 8.12.
www.annajuan.ch

Weihnachtsmärkte

Auf den Zürcher Weihnachtsmärkten wird heuer nicht nur Glühwein getrunken, sondern auch gebastelt: Auf dem Sechseläutenplatz können Erwachsene Biber verzieren, auf dem Münsterhof können Weihnachtskarten selber bedruckt werden.

14.12.: Biberli verzieren auf dem Wienachtsdorf
www.wienachtsdorf.ch/programm
15.12.: Karten-Siebdruck-Workshop auf dem Münsterhof
www.zuerich-weihnachtsmarkt.ch

Green Bubble

Wer kein Faible für Zimmerpflanzen hat oder sie schlicht zu langweilig findet, der kann sich auch einfach einen kleinen Garten anlegen – und zwar stadtwohnungsgerecht in einer Glasflasche (Lesen Sie hier das Interview mit der Macherin Mariska Beirne).

10.12.: Flaschengarten-Workshop «Fish Bubble Small»
Unterortstr. 5b 8804 Au ZH
www.greenbubble.ch/workshops

Erstellt: 30.11.2019, 10:57 Uhr

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