Die schönsten Friedhöfe der Stadt

Warum Zürichs Grabstätten die besseren Pärke sind und was man dort alles darf. Unsere Favoriten.

Am späteren Nachmittag ist das Licht am schönsten: Allee im Friedhof Sihlfeld.

Am späteren Nachmittag ist das Licht am schönsten: Allee im Friedhof Sihlfeld.

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Es gibt Leute, die kommen auf Friedhöfe nur für Beerdigungen oder wenn sie tot sind. Das ist schade. Denn dort, wo die Toten ruhen, ist so viel Stille, Platz und Natur wie nirgendwo sonst. Wer einmal für einen Spaziergang oder einen ruhigen Moment auf einem Bänkli diese Oasen entdeckt hat, wird die schönsten und grössten Pärke der Stadt nicht mehr missen wollen. Jetzt im Herbst, da sich die Bäume verfärben, lohnt sich ein Besuch in diesen intakten Lebensräumen für Pflanzen und Tiere mehr denn je.

In Zürich gibt es über 20 Friedhöfe; ein Grossteil davon wird von Grün Stadt Zürich gepflegt. Jeder hat seine Vorzüge. Beim Friedhof Hönggerberg ist es die Aussicht; beim Eichbühl die Landschaftsarchitektur; im Manegg ist der Baumbestand einzigartig; der Friedhof Enzenbühl hat eine hohe Dichte an toten Promis aus der Kulturszene. Die grösste Begräbnisstätte ist dank dem Friedhof-Forum auch für ihr kulturelles Programm bekannt. Ob Ausstellungen, Konzerte, Zen-Meditation oder Trauerstammtisch – die einzigartige Institution lockt ein breites Publikum auf den Friedhof Sihlfeld. (cs)

Friedhof NordheimNordheimstrasse 28, 8057 Zürich, mit der Buslinie 32 bis Birchdörfli

Man wünscht jenen, die sterben, nicht ohne Grund, dass sie in Frieden ruhen mögen. Denn unter den Lebenden geht es meistens sehr hektisch zu und her. Das wird nun schon im 32er-Bus deutlich, der am Morgen gestossen voll in Richtung Holzerhurd düst. Manche bereiten sich an diesem Herbstmorgen mental schon darauf vor, wieder alles zu geben, ordnen bereits den Tag im Kopf. Nur was wirklich zählt, darüber verliert man im vollen Trolley in der Regel nicht allzu viele Gedanken.

Was hilft? Vielleicht Aussteigen beim Birchdörfli, die Wehntalerstrasse kreuzen und rein in den grosszügig angelegten Friedhof Nordheim. Dort liegen nicht nur jene, die in Frieden ruhen, es wachsen auch Dutzende Bäume und Sträucher in allen Farben zwischen Leuchtgelb und Magenta. Man wandelt zwischen Hängebuche, japanischem Schnur- oder Urwald-Mammutbaum und hält einen Moment inne. Dann wieder hinunter an die Strasse, wieder rein in den Bus und zurück ins Leben. (dsa)

Selbst Honig wird in den intakten Pärken gewonnen: Friedhof Schwandenholz.

Friedhof SchwandenholzSeebacherstr. 130; Tram 14 bis Seebacherplatz,
mit Bus 29/75 bis Friedhof

Er liegt nur einen Steinwurf von unserer Wohnung entfernt, entsprechend viel Zeit verbringe ich dort. Besonders gross ist er nicht, es gibt keine prominenten Toten, und er liegt halt am Stadtrand. Ein Geheimtipp. Manchmal hört man die Kinder vom benachbarten Schulhaus Heumatt oder einen Traktor auf den umliegenden Feldern – und immer mal wieder rennt ein Fuchs zwischen den Grabreihen herum. (ggs)

Einfach mal sitzen und Sonne tanken: Gäste im Friedhof Hönggerberg.

Friedhof HönggerbergNotzenschürlistr. 30; Kleinbus 38 (alle 30 Minuten ab Meierhofplatz) bis Station Friedhof Hönggerberg

Unweit vom Eingang steht ein Wegweiser, der anzeigt, dass man in 4 Stunden 50 Minuten Baden erreicht. Aber warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute (sprich die stillvoll bepflanzte und mit sanft mäandrierenden Fusswegen durchzogene Friedhofsanlage) so nah liegt? Allein für den stupenden Ausblick, den man von der Hanglage auf die Stadt geniesst, müsste man eigentlich einen Stutz verlangen! (thw)

Friedhof EichbühlFriedhofstr. 94; erreichbar mit Tram 2 bis Lindenplatz; Bus 35 bis Friedhof oder mit Bus 31 bis Farbhof und wieder mit Bus 35

Als ich das erste Mal nach einem Spaziergang per Zufall auf diesem hügeligen Friedhof landete, merkte ich kaum, dass ich mich auf einer Grabstätte befinde: Ein grosser Teil besteht aus Naturwiesen und Feldern, Gräber muss man geradezu suchen. Wenn ich Sehnsucht nach Weite und Himmel habe, komme ich hierher; nicht zuletzt auch, um die Aussicht auf Altstetten zu geniessen. Betonelemente, darunter ein Sechzigerjahre- Pavillon, prägen die Parkgestaltung, die ich als Architektur-Nerd bewundere. Die Anlage gilt als eines der bedeutendsten Werke moderner schweizerischer Landschaftsarchitektur. (cs)

Friedhof FlunternZürichbergstr. 189; Tram 6 oder Trolleybus 39 und 751 bis Zoo, der
Eingang befindet sich unmittelbar neben der Haltestelle

Eine Phase der pubertären Selbstfindung brachte mich einst auf diesen Friedhof, genauer zum Grab von James Joyce. Ein Werk des irischen Schriftstellers hatte ich nie gelesen, aber die Ruhe, die sein Grabmal ausstrahlte, berührte meine noch zarte Seele. Wie die Figur mit verschränkten Beinen dasitzt, in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen ein Buch hält. Und auf welchem Friedhof hört man sonst das Schreien von Pfauen und fliegen einem Störche über den Kopf, wenn nicht hier, so nahe beim Zoo? (nia)

Friedhof ManeggThujastr. 60; Bus 72 bis Station Thujastrasse, dann wenige Minuten zu Fuss

«Nume nid gsprängt, aber gäng echly hü!» Dieses Motto gab mir Grossmueti mit auf den Lebensweg. «Schliesslich, das muss es doch auch geben, dass Worte anfangen zu schimmeln, oder?» Dank diesem Bonmot von Friedrich Glauser interessiert mich das Unmögliche meist mehr als das Mögliche. Sowohl der Schriftsteller als auch meine Grossmutter geniessen, etwa 200 Meter voneinander entfernt, auf dem Friedhof in Wollishofen ihre ewige Ruhe. Auch darum gehe ich gern in diese 122 Jahre alte Grabstätte, wenn ich, ein Buch und eine Thermoskanne voll Tee im Rucksack, im Herbst und Winter temporäre Ruhe suche. (thw)

Friedhof SihlfeldAemtlerstr. 151; Tram 2/3 bis Zypressenstrasse, Bus Nr. 72 bis Friedhof Sihlfeld oder Bus 33/72/83 oder
Tram 3 bis Altes Krematorium

Der grösste Friedhof der Stadt ist auch die grösste zusammenhängende Grünfläche der Innenstadt, als Naherholungszone sehr beliebt und voller Denkmäler. Das macht ihn zum Promi unter den Friedhöfen: An sonnigen Wochenenden herrscht, wenn sich die Leute mit Vitamin D versorgen, auf den Bänken geradezu Platzmangel. Mittlerweile wurde der Ort auch von Influencern und Hobbyfotografen entdeckt: Der schöne Baumbestand eignet sich offenbar perfekt als fotografischer Hintergrund. (cs)

Herbstlicher Glanz: Das Tor zum Friedhof Enzenbühl.

Friedhof Enzenbühl

Forchstr. 384; mit der Forchbahn bis Rehalp und ca. 2 Min. zurücklaufen oder mit Tram 11 direkt bis Friedhof Enzenbühl

Vor fünfzehn Jahren wurde hier ein Theaterstück aufgeführt. Der Tod trat auf, und dazu quakten die Frösche im Friedhofsteich. Vieles hab ich vergessen, diesen schönen Ort nie. Er wurde um 1900 als Erweiterung des gegenüberliegenden Friedhofs Rehalp angelegt. Im Herbst gehen einem hier im Park am Hang die Augen über: Wo Schriftsteller Urs Widmer, Schauspielerin Margrit Rainer, Kabarettist César Keiser und Künstler David Weiss ihre letzte Ruhe gefunden haben, leuchtet die Natur in allen Farbschattierungen zwischen Hellgelb und Dunkelviolett. Beim Spazierengehen blitzt manchmal der Zürichsee durchs Geäst, antike Grabsteine erzählen von vergangenen Zeiten, ein kalifornischer Mammutbaum von der Ewigkeit. (ish)

Friedhof UetlibergBorrweg 251; Bus 32 bis Friesenbergstrasse,
mit Kleinbus 73 weiter bis Friedhof Uetliberg

Der Friedhof ist auch Lebensraum – für Füchse, Dachse, Vögel, Rehe. Besonders Rehe fressen gern junge Rosentriebe und Stiefmütterchen von den Gräbern weg. «Wir bemühen uns, die Schäden so gut wie möglich zu beheben», schreibt die Verwaltung beim Eingang den Besucherinnen und Besuchern. Die Menschen sind aber keine Rehe. Sie suchen hier am Nordosthang des Uetlibergs einen Rückzugsort. Die Wege führen in weiten Bögen durchs Grün. Viele Bänkli mit Aussicht. Zwei Männer von der Kanalisation graben gerade ein Loch. Ein Laubbläser bläst. Alles wird hier vorbereitet für die Herbst/Winter-Saison. Auch für uns. Für später. (bu)

Erstellt: 30.10.2019, 14:15 Uhr

Dos & Don’ts

Ganz allgemein
Friedhöfe sind Orte der Trauer, der Besinnung und des Gedenkens.
Auch ein Freiraum für Ruhe. Erlaubt ist, was die Würde des Ortes nicht stört. Besucher sollen sich angemessen verhalten.

Joggen und Velofahren
Bitte nicht. Für sportliche Betätigungen sind Friedhöfe nicht der passende Ort. Da gibts andere Möglichkeiten. Generell gilt auch ein allgemeines Fahrverbot.

Picknicken
Okay ist: auf einem Bänkli etwas essen. Oder ein Nickerchen machen. Ausgedehnte Picknicks sind nicht erwünscht. Auf dem Friedhof Sihlfeld C kann im Bereich ohne Grabfelder die Picknickdecke ausgebreitet werden. Oder in Ruhe ein Buch gelesen werden.

Grillieren, Sonnenbaden
Nein. Nein. Nackte Oberkörper sind tabu. Auch Musik ist nicht erwünscht.

Hunde an die Leine?
Das kantonale Hundegesetz verbietet das Mitführen von Hunden. Und sonst zu Tieren: Wildtiere dürfen nicht gefüttert werden.

Rauchen
Ist erlaubt. Tötet aber. (bu)

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