Dos und Don’ts für eine Reise in den Iran

Stephan Orth bereiste den Iran per Couchsurfing – obwohl das verboten ist. Nun erzählt er in Zürich von seinen Erfahrungen.

Fühlte sich im Iran sichtlich wohl: Stephan Orth (r.).

Fühlte sich im Iran sichtlich wohl: Stephan Orth (r.). Bild: Mina Esfandiari/zvg

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Stephan Orth interessierte sich mehr für die Menschen als für die Sehenswürdigkeiten im Iran – und entschied sich deshalb, nicht in Hotels abzusteigen, sondern bei Iranerinnen und Iranern, die ihre Couch zur Verfügung stellten. Seine Erfahrungen hielt er im Buch «Couchsurfing im Iran» fest, das 2017 erschien.

Im Iran erfuhr Orth, was Gastfreundschaft wirklich heisst. Etwa, als eine Gastgeberin bei ihrer Arbeit schwänzte und sich krankschreiben liess, nur um ihm und anderen Gästen die Kaluts-Wüstenregion bei Kerman zu zeigen. Einen Ort, den sie selber schon 20-mal besucht hatte. Eine Gastfreundschaft, die der Journalist, obwohl er über 70 Länder bereiste, noch nie erleben durfte.

Orth lernte die Tricks der Iraner kennen, mit denen sie die Sittenpolizei narrten. So zum Beispiel mit der App namens Gershad. Mit dieser melden Passanten für alle anderen User, wo gerade die Sittenpolizei unterwegs ist. Sehr praktisch, um Spazierrouten zu planen, wenn man weiss, dass das eigene Outfit nicht den Regeln entspricht. Denn nicht nur für Frauen gelten Kleidungspflichten, wie etwa Kopftuch und knielange Mäntel.

Auch Männer sollten keine Shorts, dafür aber langärmlige Oberteile tragen. Trotzdem: Man solle das Bild vom strenggläubigen Muslim vergessen, sagt Orth. In privaten Gesprächen stellte Stephan Orth fest, dass es viele gar nicht so genau nehmen mit der Staatsreligion und dass manche sogar den Islam ablehnen.

Das sollte man nicht tun im Iran:

  • Zebrastreifen vertrauen: Diese werden von den Autofahrern komplett ignoriert, was zu lebensgefährlichen Situationen führen kann.

  • Als Paar ohne Ehering reisen: Wer als nicht verheiratetes Paar unterwegs ist, kriegt in manchen Hotels kein Doppelzimmer. Und auch im Gespräch mit sehr konservativen Einheimischen kann das zu Irritationen führen. Deshalb: Für solche Situationen lieber «Eheringe» kaufen.

  • Taxifahrer nicht bezahlen: Hört sich selbstverständlich an, aber manchmal bieten die Fahrer das an und sagen: «Du bist jetzt mein Freund, für dich ist es gratis.» Doch das ist Taarof (siehe unten), man sollte aus Etikette-Gründen entschieden darauf bestehen, doch zu bezahlen.

  • Whatsapp verwenden: Mag sein, dass das in westlichen Ländern das Ding ist. Nun, im Iran ist Telegram das wichtigste Messenger-Programm, um mit Einheimischen in Kontakt zu bleiben. Wohl auch, weil dieser Dienst sicherere Kommunikation garantiert.

Und das empfiehlt Orth:

  • Taarof: Über diese besondere Form der Höflichkeit sollte man wirklich Bescheid wissen. Sie besagt unter anderem, dass man erst zwei- bis dreimal ablehnen sollte, wenn einem etwas angeboten wird. Erst danach kann man sicher sein, dass das Angebot ernst gemeint ist. So wollte mal jemand Stephan Orth einen 8000-Euro-Perserteppich schenken. Hätte er diesen einfach mitgenommen, wäre das ein Riesen-Fauxpas gewesen.

  • Bargeld dabeihaben: Hätte Orth dann dafür bezahlt, er hätte es in Cash tun müssen. Man sollte nämlich das gesamte Reisebudget in Euro oder Dollar dabei haben. Weil: Kreditkarten funktionieren nicht.

Mo, 9.12., 19.30 Uhr
Volkshaus
Stauffacherstr. 56/60
Ab 29 Franken
www.explora.ch

Erstellt: 09.12.2019, 15:38 Uhr

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