Frauen, lasst uns in Ruhe!

Keine Gender-Diskussionen, Bauch einziehen unnötig. In dieser Stadtoase kann Mann aufatmen und endlich zugeben: Er ist auch ein Opfer.

Die frauenfreie Zone im Schanzengraben ist ein Ort des Friedens.

Die frauenfreie Zone im Schanzengraben ist ein Ort des Friedens.

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Wer die Tür zur Männerbadi im Schanzengraben hinter sich schliesst, realisiert sofort: Hier ist alles anders. Der Lärm der Stadt ist gedämpft, das Licht gedimmt, die Bauchmuskulatur entspannt. Wegen Letzterer ist nun auch klar, dass die bisherige stromlinienförmige Körper-Silhouette längst vor allem eines ist: eine Willensleistung. Aber hier, in der ältesten Badi der Stadt, ist das alles egal. Bäuchlein oder nicht? Nerdig bleich oder Latinlover-Braun? Das interessiert hier niemanden. Denn keiner der Badegäste schaut auf, wenn ein Neuankömmling vorbeiwatschelt. Die meisten sitzen alleine an einem der langen Tische, in Zeitung, Handy oder Buch vertieft. Oder sie dösen. So wohltuend kann Ignoranz sein. Willkommen am für Männer entspanntesten Ort der Stadt.

Man wird nicht als Mann geboren, man wird dazu gemacht, sagte einst Simone de Beauvoir. Der Ausspruch der Feministenikone ist leicht abgeändert, zugegeben. Aber er stimmt trotzdem. Wir waren nicht schon immer diese ständig nach Macht strebenden Machos; diese egomanischen Pausenplatz-Bullys, die die neuste Gender-Study höchstens als Einwickelpapier für den Nose-to-Tail-Burger gebrauchen. Kurz: Wir sind nicht als Arschlöcher geboren.
Das zeigt sich hier, in der frauenfreien Zone. Hier, wo der Anspruch, dem anderen Geschlecht zu gefallen, wegfällt, der Testosteronspiegel tief ist, ist der Mann voll o. k. Er ist von genügsamem, ruhigem Wesen und kann – wenn man ihn um etwas Sonnencrème bietet – durchaus freundlich sein. Ansonsten gibt es keine Reibungspunkte, keine sinnfreien, überflüssigen Interaktionen. Die Männermeute im Flussbad verströmt schon eine fast irritierende zenartige Ruhe.

Braucht unsere Gesellschaft also mehr Geschlechtertrennung? Wer den Frieden im Schanzengraben sieht, kann darauf nur eine Antwort haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.08.2017, 15:27 Uhr

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