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Hölle Halloween

Unser Redaktor hegt eine tiefe Abneigung gegenüber Halloween. Letztes Jahr hat er seinem Ärger Luft gemacht.

Solch ein Auftritt kostet allen Beteiligten Nerven und Zeit: verkleidete Kinder an Halloween.
Solch ein Auftritt kostet allen Beteiligten Nerven und Zeit: verkleidete Kinder an Halloween.
iStock

Keine Umschweife: Ich hasse Halloween so fest. Und ich habe meine Gründe dafür. Viele, viele Gründe. Aber wo beginnen, wenn einem vor Rage die Hände zittern?

Es fängt alleine schon bei dem Wort an: Halloween. Wie viele Male musste ich es nicht schon googeln, weil ich jedes Mal erneut unsicher war, ob es jetzt «Helloween» heisst und das was mit Hölle zu tun hat oder eben nicht. Ja, ich könnte es mir auch merken. Aber ich könnte mir auch die korrekte Aussprache des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull merken. Also, hat es was mit Hölle zu tun? Nein, aber mit dem englischen Wort «Hallow», und das bedeutet so viel wie ... wen interessiert das schon?

Der nächste Punkt. Natürlich findet Halloween auch dieses Mal mitten in der Woche statt. Man ist also bereits schon nicht schlecht von der Arbeit erschöpft, muss sich dann nach Hause beeilen, weil: die Kinder. Die wollen ja kostümiert werden.

Von wegen 3-Minuten-Kostüm

Hat man Glück, ist das teilnehmende Kind noch klein, die Wahl der Verkleidung noch anspruchslos. Der beneidenswerte Unwissende denkt sich, da reicht doch ein Bettlaken mit ausgeschnittenen Augenlöchern. Das hat man in drei Minuten. Nein! Denn nach dieser Handhabung steht das Kind zu Recht nach kürzester Zeit vor einem und bemängelt, dass das Tuch sich beim Gehen immer verschiebe, und es deshalb rein gar nichts durch die zu kleinen Löcher sehe.

Dabei ist der Stress nicht zu vergessen, dem das Kind ausgesetzt ist: Draussen versammeln sich ja bereits die anderen Gespenster und Vampire und könnten ja schon wo klingeln gehen und «dänn häts nüüt me für miiiiiich!». Also Bettlaken runter, Löcher grösser schneiden, Laken über Kind, ausprobieren.

– «Ich will jetzt uuusseee.» – «Wart, ich habs gleich. Jetzt noch mit einem Strick befestigen ...» – «Papa, das würgt!»

Von wegen drei Minuten.

Hat man Pech, ist das Kind schon älter, dann wünscht es sich, als Zombie-Stormtrooper durchs Quartier zu schlendern. Doch darüber soll wer anders berichten, in dieser Misere befinde ich mich noch nicht.

Geht raus, Kinder, raus in die finstere Nacht!

Kleiner Einschub: Das Geld, das man ausgibt. Für Süssigkeiten! Dann klingelts an der Tür, irgendwas von «Tricks or Schiis», Plastiksäcke, Rucksäcke, Einkaufstüten werden einem auf Hüfthöhe geöffnet hingestreckt, werden gefüllt, Türe zu, man dreht sich um, es klingelt, «Tricks or fiis» und so weiter. Warum bloss?

Nun, irgendwann ist das Unmögliche geschafft. Das Kind ist verkleidet und parat. Lasst den Spass beginnen. Nein! Das ganze Jahr durch erzählen wir den Kindern: «Schaut, dass ihr zusammen nach Hause kommt, wenn es dunkel ist. Lasst euch nicht in Gespräche mit Fremden ein. Nehmt nichts von ihnen an und geht auf keinen Fall mit ihnen mit.» Und an Halloween?

Ja, dann ist alles umgekehrt. Und zwar exakt umgekehrt: Geht raus, Kinder! Raus in die finstere Nacht. Ich weiss nicht, wohin, aber geht. Klingelt bei wildfremden Menschen an der Tür. Wenn niemand öffnet, geht zu einem anderen Fremden. Klingelt auch dort, und wenn die Türe dann geöffnet wird, von wem auch immer, dann fragt ihr den fremden Menschen nach Süssigkeiten! Was ist das für ein Brauch?

Ich lasse mir gerne den Vorwurf machen, ein Helikoptervater zu sein, aber bis jetzt habe ich meine Tochter, die doch schon weitere Sprünge wagt, als nur gerade bei Bekannten an der Strasse zu klingeln, stets begleitet.

Das Unheimlichste sind nicht die Kostümierten

Da lief sie also vor mir. Mit ihren Freundinnen. Und ich, in respektvollem Abstand von zwanzig Metern (der von den Kindern sehr geschätzt wurde), trottete hinterher. Dieses Bild war wohl das Unheimlichste: Das Bild von drei Mädchen, die lachten, sich gegenseitig die Beute in ihren Sammeltaschen zeigten, sich irgendwelche Süssigkeiten in den Mund stopften und hinter ihnen – dieser grosse, dünne Mann. Der ihnen überallhin folgte. Rauchend. Der, wenn die Mädchen sich nach ihm umblickten, so tat, als würde er nicht zu ihnen gehören. Der dann sein Handy hervorkramte, um mal wieder die Schreibweise von Halloween zu googeln.

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