«Jemand zahlte sein Magazin mit einer Schallplatte»

Print Matters! sagt Adieu: Der High-End-Zeitschriften-Kiosk macht nach drei Jahren zu. Mitgründer Florian Schaffner blickt zurück.

Im Print Matters! hat es sich ausgeblättert.

Im Print Matters! hat es sich ausgeblättert.

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Welches sind die Gründe für das Ende?
Print Matters! ist im Sommer 2015 spontan entstanden, als ein Projekt während unseren Semesterferien. Während wir immer darauf hingearbeitet haben, dass Print Matters! auf finanziell eigenständige Beine zu stehen kommt, blieb es für uns dennoch ‹nur› bei einem Hobby und einer Leidenschaft. Die Leben von uns sechs Gründungsmitglieder haben sich nun gewandelt: Wir haben unsere Studien abgeschlossen, begannen zu arbeiten, eine von uns wanderte nach Paris aus – und die Zeit, die wir in Print Matters! stecken konnten, wurde je länger je knapper.

Welches waren rückblickend besonders gute Momente?
Die ersten Monate am Predigerplatz gehörten bestimmt dazu – weil alles neu war, weil wir so viel gutes Feedback kriegten. Zu den Highlights gehörten auch die Veranstaltungen, die wir über die Jahre organisierten: die Lesungen und natürlich auch die diversen Opening- und Closing Parties, die bei jedem Ortswechsel von Print Matters! anstanden. Da waren auch die kleineren, aber dennoch schönen Momente, wenn endlich die grosse Kartonschachtel mit den neuen Magazinen vor der Türe steht, auf die wir seit Wochen warteten.

Wir hatten Teenager und Pensionäre, Stadtzürcher und Touristen aus Japan bei uns im Store.Florian Schaffner, Mitgründer von Print Matters!

Ein spezieller Laden hat auch eine spezielle Kundschaft.
Da waren unzählige Gespräche mit Kunden im Laden, teilweise über Stunden. Wir hatten zu Beginn das Gefühl, wir hätten einen ziemlich guten Überblick über die Magazinwelt, und dennoch kriegten wir immer wieder Tipps zu Titeln, von denen wir noch nie gehört hatten. Wir hatten Teenager und Pensionäre, Stadtzürcher und Touristen aus Japan bei uns im Store. Jemand hatte mal kein Geld mehr auf dem Konto, und deshalb sein Magazin mit einer Schallplatte bezahlt. Auch die Besuche von Quartier-Ikone Dora Koster während unserer Zeit im Niederdorf werden wir nicht vergessen.

Gibt es eine Rangliste der beliebtesten Titel? Und welche gingen überhaupt nicht?
Klar gab es die Beliebten und die Exoten; Titel wie Apartamento, System, Kinfolk, 032c, The Gourmand, Gentlewoman oder Fantastic Man. Auch lokale Titel wie Migrant Journal oder Chreis Cheib, ein Fotoband zur Langstrasse, stiessen auf viel Interesse. Die exotischeren Titel Plant (Magazin für Pflanzen), Odiseo (Erotik) oder Candy mit einer fast-nackten Miley Cyrus auf dem Cover schauten sich zwar viele im Laden an, aber nur wenige wollten sie mit nach Hause nehmen.

Print steht nicht still.Florian Schaffner, Mitgründer Print Matters!

Hat Print immer noch Zukunft?
Klar, es bleibt ein relativ kleiner, in gewissem Sinne etwas elitärer Markt, und es ist nicht einfach, mit Magazinen nachhaltig Geld zu verdienen. Aber es steht definitiv nicht still.

Wohin müssen sich die Menschen jetzt wenden, für die Zeitschriften mehr als nur Kiosk sind?
In Zürich bleibt die Buchhandlung Material eine Anlaufstelle. Viele der Magazine können auch online bestellt werden – wenn man weiss, wonach man sucht. Auch QWSTION selbst wird eine Auswahl an Magazinen weiterführen, auch wenn wir nicht mehr da sein werden.

Do — ab 18 Uhr
Qwstion
Badenerstr. 156
Es gibt Hotdogs, Hot Toddys und Hot Tunes von DJ DasJan
www.printmatters.ch

(Züritipp)

Erstellt: 30.01.2019, 17:57 Uhr

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