Wenn die Balkonpflanzen nicht wollen

Der «Züritipp» entdeckt die Stadt und versorgt Sie mit Nützlichem und Kuriosem. Diese Woche: Balkonpflanzen.

Ein Wasabi-Topf kostet ca. 10 Franken.

Ein Wasabi-Topf kostet ca. 10 Franken. Bild: iStock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Bonsai-Brombeerstrauch: tot. Der Rosmarin: tot. Der Bambus dito. Nicht viele Sachen auf dem Balkon haben den Winter überlebt. Dabei war es gar nicht so kalt. Am Klima kann es also nicht liegen. Vielleicht aber am Ort. So oder so: Etwas Neues muss her, schliesslich wollen wir es um uns blühend haben.

Das sind jedenfalls unsere privaten Urban-Gardening-Träume, und sie heissen: Rosen wie im Parc de Bagatelle zu Paris! Und dazu das ganze Gemüse aus seinem Küchengarten! Die Realität sah bisher ein bisschen anders aus. Nicht einmal die Feuerbohnen wollten auf dem Balkon blühen. Sie wuchsen einfach wie blöd in den Baum hinein. Der Baum im Innenhof ist überhaupt das Problem für den Traum von Rosen, Feuerbohnen und Co., denn er nimmt das ganze Licht. Was machen? Wir kamen letztes Jahr auf den Wasabi (im Bild).

Die Pflanze aus Japan, auch Wassermeerrettich genannt, liebt Schatten und Nässe. Ideale Voraussetzungen also. Und wirklich: Der Wasabi ist bei uns heimisch geworden. Er hat den Winter ohne Probleme überstanden. Und blüht gerade auf. Grosse Balkonpoesie verströmt die Pflanze natürlich nicht. Aber sie feiert jetzt gerade ein bisschen Auferstehung. (bu)


Mit den Kopfhörern im Kino

Wie und ob die App funktioniert: Kinoredaktor Gregor Schenker erklärt.

Leider kommt es in unseren Kinos immer häufiger vor, dass ein Film nur noch in der deutschen Synchronfassung läuft. Für Cinephile ist das ein Ärgernis. Da erscheint die App Soundfi als geniale Lösung: Man lädt sich die Tonspur in der Originalsprache auf das Handy und hört sie über die mit­gebrachten Kopfhörer. Entwickelt wurde die App in den USA. Sie verspricht eine speziell abgemischte Tonspur, die einem den Eindruck gibt, mittendrin zu sein, und dazu Umgebungsgeräusche wie das Popcornschmatzen des Sitznachbarn übertönt. Gedacht ist sie auch für Menschen, die keine der Sprachen sprechen, die im jeweiligen Kino angeboten werden. Ich testete Soundfi beim Stephen-King-Remake «Pet Sematary». Tatsächlich war das Hörerlebnis eindrücklich, allerdings ging das Gemeinschaftsgefühl verloren. Ein Horrorfilm macht nur halb so viel Spass, wenn man die Schreie der anderen Besucher nicht mitbekommt. Vor allem störte mich jedoch, dass ich zwar die englische Tonspur runtergeladen hatte, aber dennoch die deutschen Dialoge hörte, die im Saal liefen. Trotz Noise-Cancelling-Kopfhörer. Also doch keine Ideallösung für Cinephile.

www.soundfi.me
«Pet Sematary» mit Soundfi-Option: Abaton, Arena Sihlcity


«Glauben Sie, was in der Zeitung steht?»

Die Frau sass auf einer Bank am Bellevue. Zwei Stunden sitze sie bereits hier, und sie sei erstaunt, mit wie vielen Menschen sie schon ins Gespräch gekommen sei, sagt sie. Neben ihr aufgestellt waren beschriftete Tafeln. Im Studiengang Sozialpädagogik sei ihr aufgefallen, dass die Studenten keine Fragen mehr stellen würden. Ist das ein Generationending? Werden generell weniger Fragen gestellt? Darum sammle sie hier Fragen. Um rauszukriegen, ob wir überhaupt noch etwas wissen wollen. Ein Blick auf die Notizen, die bereits von Passanten auf die Tafeln geschrieben wurden, lässt tief in irdische und globale Sorgen blicken. Hier eine Auswahl: «Glauben Sie, was in der Zeitung steht?» – «Wie kann die Gesellschaft berufstätigen Eltern mehr Möglichkeiten geben?» – «Where is a shop where I can get a SIM-Card?» – «Warum passiert mir, gerade mir ein Ärztefehler?» – «Werden wir uns jemals sicher fühlen?» Das sind gute Fragen. Na ja, mal abgesehen von der Frage nach dem SIM-Karten-Shop. Aber sonst: Top-Denkanstösse! Ich hätte dann auch noch gern eine gestellt. Und da merkte ich, dass ich momentan gar keine habe. Ausser eine. Eine wichtige. Aber die fiel mir zu spät ein. Ich hätte für diesen Text nach dem Namen der Frau fragen sollen. (nia)


Die nervigste Warteschlange Zürichs

Bereits die Tür macht es einem nicht leicht. Schwer und gross ist sie. Wer also in die trendy Bäckerei am Helvetiaplatz reinwill, braucht zuerst einmal Kraft – und danach Selbstvertrauen. Denn unmittelbar dahinter drängelt sich meist ein Grüppchen hungriger Wartender, das den Neuankömmling mit stummer Antipathie anglotzt. Im Bereich zwischen Tür und Theke ist nämlich nicht viel Platz. Und jeder Neue zwingt die Gruppe, sich neu zu formieren. Ein Geschiebe, ein Geraschel ist das. Worte werden keine ausgetauscht. Selbst jene, die zuvor stoisch auf ihr iPhone gestarrt haben, müssen nun kurz aufschauen und Blickkontakt herstellen. Das sorgt besonders in der Früh, wenn alle müde und gestresst sind, für eine Atmosphäre, die man so auch schon mal in einem überfüllten, von Flugannullierungen geprägten Terminal erlebt hat. Während im Flughafen aber immerhin alle das Gleiche wollen, wollen im John Baker alle etwas anderes. Denn die auf wenigen Quadratmetern zusammengepferchte Zweckgemeinschaft hat ganz individuelle Wünsche. Chai Latte ohne Latte. Brötchen ohne Mehl. Und so weiter. Ich dagegen will nur ein einzelnes Früchtebrötchen. Es ist schlicht grossartig. Dafür lohnt sich diese Pein. (cix)


Überall häts Bärlauch dra

Jeden Frühling dasselbe: Bärlauch an und in allem, so weit das Supermarktregal reicht. Bärlauch im Hüttenkäse, in der Bratwurst, im Schnittsalat, manchmal, ich schwörs, läuft mir bei dem Anblick Peach Webers modifiziertes Pilzli-Lied nach («überall häts Bärlauch dra, Bärlauch dra, Bärlauch dra...»). Bestellt man beim Italiener nichts ahnend Spaghetti al pesto, kanns passieren, dass einem ungefragt die Bärlauchvariante serviert wird. Was soll das? Mag ja sein, dass Köche und Co. ihren Produkten den Winter austreiben wollen, indem sie das Grünzeug reinmischen. Bei mir aber kommt eher Frühlingsstimmung auf, wenn ich mich beim Lunch-Spaziergang an Primeli und Krokussen erfreuen kann, ohne dabei in ein Bärlauch-verseuchtes Sandwich zu beissen. Zumal das Kraut null geschmacklichen Mehrwert bringt: Ist nicht scharf, hat kaum Würze (schon gar nicht in den homöopathischen Dosen, in denen es meist daherkommt), und wenn es nach etwas riecht, dann nach Marketingstrategie. Die optische Aufpeppung der Speisen durch die grünen Sprenkel: geschenkt. Da macht der gute alte Schnittlauch einen besseren Job – und das ohne viel Tamtam. Sorry, Bärlauch, du bist entlarvt: als kulinarischer Wichtigtuer und geschmacklicher Rohrkrepierer. (psz)

(Züritipp)

Erstellt: 09.04.2019, 10:58 Uhr

Artikel zum Thema

Die nervigste Warteschlange Zürichs

Getestet Der «Züritipp» entdeckt für Sie die Stadt und versorgt Sie wöchentlich mit Nützlichem und Kuriosem. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Orientalische Note am Eurovision Song Contest

Sweet Home Manchmal ist gross grossartig

Die Welt in Bildern

Mühevoll geschmückt: Trachtler reiten mit ihren Pferden während des traditionellen Georgiritts zum «Ettendorfer Kircherl» in Bayern. (22. April 2019)
(Bild: Matthias Balk) Mehr...