40 Meter Hoffnung auf günstigen Wohnraum

Der «Züritipp» entdeckt die Stadt und versorgt Sie mit Nützlichem und Kuriosem. Diese Woche: Wohnungssuche.

Trotzen der Kälte: Wohnungssuchende in Zürich.

Trotzen der Kälte: Wohnungssuchende in Zürich. Bild: PD

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Kalt wars an diesem Freitag. Die Schlange der wartenden Menschen an der Forchstrasse war lang. Sehr lang. Eine Frau, wohl auf dem Heimweg, fragte mich: «Was ist denn hier los?» Meine Antwort: «Wohnungsbesichtigung.» Es handelte sich um eine Dreieinhalb- Zimmer-Wohnung. Für knapp 1500 Franken pro Monat. Das ist attraktiv. Für viele.

Es standen an: ein junger Mann mit einem blauen Auge und wohl sein zukünftiges WG-Gspäändli, ein älteres italienisches Ehepaar, eine Frau mit Baby im Kinderwagen, junge Frauen, Pärchen. Menschen aller Schichten, allen Alters, verschiedener Ethnien. Etwa 40 Meter Hoffnung auf günstigen Wohnraum. In der vorbeifahrenden Forchbahn erblickte ich eine Frau, die sich vor Schreck die Hand vors Gesicht hielt, als würde sie einen Unfall sehen. Ein Mann blieb stehen, betrachtete die Szenerie, ging kopfschüttelnd weiter und brummelte «Wahnsinn! Wahnsinn!» vor sich hin.

Yep: Wahnsinn. Das fand auch ich. Und natürlich wurde ich auch wütend, als mir beim Frieren die Aussage einer Architektin in den Sinn kam, die auf die Frage, warum sie nur so teure Wohnungen baue, antwortete, die Nachfrage danach sei halt so gross. Und jetzt meine Frage: ­Müssen Loftsucher eigentlich auch anstehen? (nia)


Mit dem Navi zielsicher durchs Museum

Am 6. November wurden zum siebten Mal die «Best of Swiss Apps» vergeben – und die Landesmuseum-App gewann dabei zwei Medaillen. Silber fürs Design, Gold für die Benutzerfreundlichkeit. Also hab ich sie mir aufs Handy geladen, bevor ich die Ausstellung «Indiennes» besuchte, um dort etwas über die Geschichte des Baumwollstoffes zu lernen.

Sehr nützlich ist schon mal die Weg­leitung – die App führt mich brav vom Empfang zu den Ausstellungs­räumen. Das Landes­museum hat ja doch etwas von einem grossen Labyrinth, und ich gebe zu, dass ich mich in den weitläufigen Hallen und Gängen schon verlaufen habe. Aber nicht mit der App: «Rechts abbiegen.» «Geradeaus.» «Gehen Sie die Treppe hoch ins 1. OG.» Und das alles bebildert. In der Ausstellung selbst dient die App als Audio­guide, womit man sich die 5 Franken spart, die das Museum für die Ausleihe seiner Geräte verlangt. Bei mir funktioniert das wunderbar. Allerdings spricht mich eine Besucherin an, die Probleme damit hat – auf ihrem Handy stürzt die App immer wieder ab. Ich kann ihr auch nicht helfen; sie muss auf eigene Faust durch die Ausstellung.

Die App «Landesmuseum» gibts gratis im Apple Store oder im Google Play Store


«Tessiner kann man überhaupt nicht schälen»

Letzte Woche hat meine Kollegin Isabel Hemmel an dieser Stelle über die Zubereitung von Marroni, die sie heiss liebt, geschrieben, und auch über den Winter, den sie recht blöd findet. Der Winter hat sich bis jetzt noch nicht gemeldet. Dafür aber Jürg Soldan aus Horgen, der Marroni-Experte par excellence, 45 Jahre im Geschäft. Und er legt am Telefon gleich los. Denn zu viel Blödsinn ist schon über Marroni geschrieben worden. Punkt 1: Kreuzfalsch sei es, die Marroni kreuzweise einzuschneiden, es reiche ein Schnitt auf der runden Seite gegen die Faser. Der Schnitt, das ist Punkt 2, dürfe nicht zu tief sein.

Nur die Tessiner Kastanien müsse man kreuzweise einschneiden, das helfe aber auch nichts: «Tessiner kann man überhaupt nicht schälen.» Punkt drei, das Wasser. Meine Nerven!, sagt Soldan. Denn am Anfang brauche es für das Braten von Marroni überhaupt kein Wasser und auch keine nassen Lappen, nur einen vorgeheizten Backofen. Das Wasser komme erst nach 15 Minuten dazu. Kurz die Backofentür auf, 3 dl Wasser rein, schnell die Backofentür wieder zu. Dann gelingts. Es gilt nur noch, gute Edelkastanien oder Marroni zu bekommen. Was natürlich wieder eine Geschichte für sich ist.


Der Winter ist nicht blöd mit Marroni

Es soll ja Menschen geben, die den Winter mögen. Meinetwegen könnte er wegbleiben. Ich werde an grauen Tagen depressiv, und Schnee brauche ich auch keinen. Das Einzige, was ich an der kalten Jahreszeit mag, ist die Verfügbarkeit von Marroni. Ich liebe diese sämigen Früchte der Edelkastanie. Und ich bereite sie am liebsten selbst zu, weil ich nichts mehr hasse, als wenn sich die braune Innenhaut nicht von der Frucht lösen lässt. Dann pult man ewig an den Kastanien herum und wirft sie dann doch am Ende frustriert fort.

Und egal wo ich sie bisher fixfertig gekauft habe, ich bin noch nie richtig glücklich geworden. Die Ausbeute in meiner eigenen Küche ist da grösser. Wichtig: Die Marroni im Laden einzeln auswählen, gross, glänzend und prall müssen sie sein. Zu Hause dann auf der gewölbten Seite kreuzweise einschneiden, tief genug, dass man die innere braune Haut erwischt, aber nicht zu tief, sonst brechen die Marroni später beim Schälen auseinander und man fängt wieder an herumzupulen.

Dann auf einem Backblech ausbreiten, anfeuchten und zusätzlich noch ein Schälchen mit Wasser in den bei 220 Grad vorgeheizten Backofen stellen. Die Marroni alle zehn Minuten aufs Neue mit Wasser beträufeln. Wenn sie nach etwa 25 Minuten fertig sind, vergesse sogar ich einen Abend lang, den Winter blöd zu finden. (ish)


Kürbisschnitzen leicht gemacht

Ich habe nicht nur zwei linke Hände. Es ist schlimmer. Sie sind fast schon wie zwei linke Füsse. So hielt sich die Begeisterung in Grenzen, als es an mir war, mit meinem Buben den Kürbis für Halloween zu schnitzen. Am meisten grauste es mir vor dem Aushöhlen.

Wie lange es dauert, das Fruchtfleisch einer Räbe zu entfernen, war mir bekannt. Umso grösser die Unlust bei einem ganzen Kürbis. Und dann noch Schnitzen! Hilfe! Dank Youtube lernen aber selbst Esel wie ich, wie das Prozedere vonstattengeht. Vor allem, und jetzt riskiere ich, mich als kompletten Webstübler zu outen, dass Kürbisse ja bereits hohl sind! Da war die Freude riesig. Die Kerne hatten mein Sohn und ich schnell entfernt und die Wände gut abgeschabt.

Natürlich schnitten wir den Deckel schräg ein (er fällt sonst in den Kürbis) und bohrten mit einer Ahle noch Luftlöcher rein. Alles ein Klacks, wenn man weiss, wie. Mein Junge hatte bereits ein Gesicht auf ein A4-Blatt gemalt, das übertrugen wir auf den Kürbis und schnitten Augen und Mund heraus. Jetzt noch das Kerzlein rein: tadah! Fertig ist das Grinsegesicht. Verzichten Sie also ruhig auf den normierten Kürbis mit Schnitzvorlage, der jetzt bei einem Grossverteiler im Angebot steht. Macht do-it-yourself alles mehr Spass!


Eiger, Mönch und Matterhorn sind Zürcher

Freie Sicht aufs Mittelmeer! Das ist ein alter Wunsch. Bisher standen die Glarner Alpen im Weg. Höch Hund, Druesberg, Bifertenstock, Tödi, Clariden, Chammliberg, Gross Schärhorn, Chaiserstock, Gross Windgällen: Das waren in Sachen Panorama von Zürich die höchsten der Gefühle – und so haben sich diese Berge auch ins Brotmesser Nr. 4 von Panoramaknife.ch eingeschnitten.

Von dieser Silhouette gilt es nun Abschied zu nehmen. Denn andere Berge drängen sich vor: willkommen Eiger, Mönch, Jungfrau und Matterhorn vor dem Zürcher Panorama! Fotomontage steht zwar in Klammern auf der Postkarte. Aber sie ist kein Einzelfall. In Teddy’s Souvenir-Shop am Limmatquai gibts ganz viele davon. Zürich sieht dort ins Berner Oberland. Und gleichzeitig auch ins Wallis. Man schielt auf die wahre Grösse.

Nun, es ist ganz praktisch, das ganze Swiss Panorama um sich zu haben. Schliesslich kaufen hier Touristen auch Kuhglocken und Kuckucksuhren im Shop, ohne dass Kühe oder Kuckucke am Limmatquai und in der Umgebung zu sehen wären. «Wollen Sie eine Briefmarke?», fragt der Verkäufer. Wir wollen aber ein bisschen Meer. Palmen anstatt Matterhorn wären auch schön. (bu)

Teddy's Souvenir-Shop, Postkarte 1.20 Franken


Radeln und schwitzen in Clubatmosphäre

An der Europaallee wird nicht nur geshoppt und gegessen; seit kurzem wird hier geradelt. «Open Ride» heisst das Fitnesskonzept im Indoor-Cycling-Studio, das die Moderatorin Eva Nidecker mit einer internationalen Crew in den letzten Monaten aufgebaut hat.

Wir sitzen während dieses 45-minütigen Kammerspiel-Ritts mit einem Dutzend ziemlich trainierter Menschen (vorwiegend Frauen) in einem dunklen Raum auf einem Velo. Die Füsse stecken in speziellen Schuhen, die an den Pedalen festgemacht sind, um die Handgelenke tragen wir Gewichte. Sound und Lichtshow erinnern an einen Club. Je pumpender der Beat, desto schneller tritt Instruktorin Nadia in die Pedale.

Manchmal fordert sie uns auf, aus dem Sattel zu steigen, uns nach links und rechts zu drehen oder die Arme zu heben – am besten natürlich im Takt. Das ist gar nicht so einfach, wenn man das vorgegebene Tempo nicht erreicht. Wenigstens ist es dunkel, so sieht Nadia nicht sofort, wenn wir schlappmachen. Etwa nach der Hälfte des Trainings kommen wir in einen Flow, sodass die Zeit schnell vergeht. Als das Licht angeht, haben zum Glück nicht nur wir einen roten Kopf und sind schweissüberströmt. (cs)

Open Ride, Europaallee 13, 8004 Zürich
www.openride.ch


Wir hatten mal diesen Kollegen auf der «Züritipp»-Redaktion, der erstens äusserst unterhaltsam war und zweitens, was die Kenntnis der deutschen Sprache anbelangt, bis ins Detail sattelfest. Und zwar derart, dass jemand ihm mal den Spitznamen «Ameisenficker» verpasste, was durchaus als Kompliment gemeint war. Item.

Seit besagter Kollege im wohlverdienten Ruhestand weilt, muss unsereiner, wenn sprachlich am Anschlag, den Duden zücken. Oder, wahlweise, auf jene wunderbare Alternative zurückgreifen, die ich unlängst entdeckt habe. Es existiert nämlich der Schweizerische Verein für die deutsche Sprache, dem man mailen kann mit sprachtechnischen Fragen (auch als beruflich Nichtschreibender, übrigens!).

Antwort gibts innerhalb von 48 Stunden, was zwar nicht ultraschnell ist, aber angesichts der Tatsache, dass dieser Service kostenlos ist, doch ein absolut faires Angebot. Ich schrieb neulich etwa: «Liebes Sprachauskunftsteam, muss es heissen ‹Sie hat einen Teil der Lehrer mit ausgebildet› oder ‹mitausgebildet›?» – Beides möglich, kams zurück. Samt Präzisierung (die wir hier aus Platzgründen nicht wiedergeben können). Zwar ganz ohne Ameisen und so, aber dennoch fundiert. (psz)

Anfragen an auskunft@sprachverein.ch; Antwort innert 2 Arbeitstagen.


Süsskartoffeln selbst geerntet

Herdöpfel sind gut, Sweet Potatoes sind besser: Ich mochte diese süsse Kartoffel, die zwar so heisst, aber mit ihrer gelben Kollegin nur entfernt verwandt ist, schon immer. Seit sie diesen Frühling auf meinem Balkon eingezogen ist, liebe ich sie. Aber von vorn: Im Mai kaufte ich einen Sprössling, pflanzte ihn in einen grossen Trog, goss regelmässig und wartete.

Während die zur selben Zeit eingetopften Herdöpfel nicht viel mehr als grüne Blätter hervorbrachten, begann das Süsskartoffelgrün schon bald aus seinem Topf zu wandern und sich am Balkongitter entlangzuranken, die Wand hoch und runter zu den Nachbarn. Im Sommer öffnete sich täglich an einer anderen Stelle einer der kleinen, mauvefarbenen Blütenkelche.

Noch nie war mein Balkon so schön. Dann, letzte Woche, war Erntezeit, das inzwischen gelbliche Grün musste ab, und mit «Überraschungsei»-Gefühl im Bauch durchwühlte ich die Erde: Eine seltsame rosa Knolle nach der anderen kam zum Vorschein. Knapp ein Kilo Süsskartoffeln, selbst angebaut! (Kartoffeln waren es gerade mal vier en miniature.) Jetzt muss das Gemüse zwei Wochen lang bei Zimmertemperatur lagern, damit sich die Stärke in Zucker verwandelt. Kein ­Problem, süsse Kartoffel, auf dich warte ich gern. (ish)


Vielen Dank liebe SBB. LOL.

«Mi 4. 9. 2019, Verbindung Zürich–Genf, ab 7.32 Uhr. Zug ist zu spät und komplett überfüllt. In der 1. Klasse sitzen die Leute auf der Treppe. Ich habe zu arbeiten und deshalb 1. Klasse gelöst – so ist an Arbeiten natürlich nicht zu denken.

Lausige Leistung, liebe SBB.» – «Sehr geehrter Herr S., danke für Ihre Rückmeldung. Wir nehmen jedes Anliegen ernst. Gerne beantworten wir Ihre Anfrage. Dafür benötigen wir noch eine Information: Konnten Sie die Reise auf einem Sitzplatz verbringen?

Freundliche Grüsse, Ihr SBB Kundendialog» – «Sie sind lustig. Erst dauerts eine Woche, bis eine Antwort kommt, und dann machen Sie aus mir einen Herrn. Aber gut: Nein, ich konnte NICHT sitzen. Ich hockte auf der Treppe und musste mich x-mal erheben, weil jemand aufs Klo musste.» – «Sehr geehrte Frau S., bitte entschuldigen Sie, dass wir Sie falsch angesprochen haben.

Das beruht auf ein (sic) Flüchtigkeitsfehler während der Adressenerfassung. Der IC1 708 fuhr am 4.9. in verkürzter Komposition. Statt ein (sic) IC 2000 11-teilig + 4-teiliges Modul fuhr ein neues neu (sic) IC 2000 8-teilig + 4-teiliges Modul. Gerne sende ich Ihnen 4 Promo-Code (sic) im Wert von 10 und 5 Franken. Die Codes sind nicht kumulierbar.» – «Macht total Sinn. LOL. Danke.» (psz)


Auf dem Sechseläutenplatz wird geplantscht

Kinder wollen in der Stadt nicht im Café sitzen. Auch keine Schaufenster anschauen. Und schon gar nicht ins Museum. Kinder wollen in der Stadt eigentlich gar nichts machen – ausser spielen. Und irgendwie weist ihnen ein GPS immer den Weg zum nächsten Spielplatz, vorbei an den Orten, wohin es die Erwachsenen eigentlich zöge.

So ein Hotspot ist das Wasserspiel auf dem Sechseläutenplatz, die 53 Düsen auf 30 Quadratmeter Beton machen mächtig viel Spass. An schönen Tagen will kein Kind von dort wieder weg. Die Eltern warten im Schatten. Und manche warten wohl ­stundenlang, bis ihr Kind vom Spielen mit dem Wasser endlich zurückkommt, pflotschnass natürlich. Gleich will das Kind aber wieder weiter, auf die andere Seite des Platzes, denn dort gibt es eine zweite Bühne. Junge Tänzerinnen und Tänzer produzieren sich vor dem Opernhaus.

Lautsprecher und Musik haben sie selber mitgebracht: «Silence» von They. «Sock It 2 Me». «90’Love». «Ante Up» (sagt uns Shazam). Die Kinder schauen ihnen aus der Distanz zu. Und können sich nicht lösen von diesem Streetdance. Was für Musik! Was für Bewegungen! Sie sehen ein Stück ihrer Zukunft. Dann kommt ein Mann vom Bernhard-Theater. Er sagt: Ruhe. Game over. (bu)


Nur ein sauberer Sneaker ist ein guter Sneaker

Sneaker Laundry? Eine Turnschuhwäscherei? Cool! Ich brachte mein momentanes Lieblingspaar, ein ­Modell aus Wildleder, nicht allzu dreckig, an einem Dienstag im Shop vorbei. Ich wählte Behandlung ­«Silber». Das heisst: Reinigung von leichter Verschmutzung, Schaft, Zwischensohle und Schuh­bändel, Imprägnierung und Desodorierung.

Kostet ­33 Franken. Geputzt wird ausschliesslich mit ökologischen Mitteln. Da trage niemand Handschuhe bei der Arbeit, meinte Miguel, der die Schuhe entgegennahm, und fügte hinzu, dass nach der Reinigung die Schuhe also problemlos von der Hauskatze oder einem Kleinkind angeknabbert werden dürfen. Freitag war Abholtermin. Ich war dann dort, der Laden aber geschlossen.

Nun, seien wir grosszügig und schreiben das dem Umstand zu, dass es den Service erst seit ein paar Wochen gibt. So machte ich telefonisch einen neuen Abholtermin ab, und dann klappte auch die Rückgabe meiner Schuhe. Das Ergebnis der Behandlung: Die Sneakers waren wohl dreckiger, als ich dachte. Denn ich erhielt sie in einem Zustand zurück, dass ich meinte, ich hätte ein neues Paar gekauft.

Pinroll, Forchstr. 31, 8032 Zürich
Der Shop ist ausserdem ein Reseller rarer Sneaker-Modelle


Wenn es im Restaurant buzzert

Buzzer. Schon nur dieses hart klingende Wort verheisst nichts Gutes. Gemeint ist das vibrierende Gerät, das nicht nur in Open-Air-Restaurants, sondern auch in immer mehr Indoorbeizen zum Einsatz kommt. Da bestellt man also in der Seebadi irgendeinen Salat, bekommt das Objekt in die Hand gedrückt, und ab diesem Moment ist man blockiert. Man unterhält sich zwar mit der Kollegin, kann aber ihren abenteuerlichen Ferienschilderungen aus Tel Aviv nicht mehr richtig folgen. Weil man nur noch das Ding fixiert ist, wartend, dass es endlich Bewegungen von sich gibt.

Oder hat die Frau an der Bar jetzt gesagt, es blinke nur? Der Zeitraum, wie lange es geht, bis der Buzzer buzzert, ist nicht abzuschätzen, weil kein Countdown, kein System zu erkennen ist und man nicht sieht, wann die anderen dran sind. Es könnte länger dauern. Trotzdem getraut man sich weder auf die Toilette noch ins Wasser. Endlich vibriert es. Aggressiv, ja böse fast, zittert der Buzzer. Und blinkt blau. Der Herzschlag: gestresst wie bei einem Handy-Anruf, den man nicht abnehmen will. Wenn das Ding wenigstens einen guten Song spielen würde! Wie viel entspannter ist da die Old-School-Lösung, wo nach der Bestellung der Name ausgerufen wird. Claudia! (cs)


Elefantenpark für 14 Monopoly-Dollar

Meine erste Mieteinnahme beläuft sich auf 14 Monopoly-Dollar: Ich bin stolze Besitzerin des Kaeng-Krachan-Elefantenparks. Doch kurz darauf besichtige ich die Fledermausrasse Grosses Mausohr und muss vier Monopoly-Mäuse wieder abdrücken. Und das ist erst der Anfang. Wir spielen das neue Monopoly Zoo Zürich. Obwohl diese hübsch bebilderte Variante statt über Strassen durch den hiesigen Tierpark führt, bin ich bald davon überzeugt, dass dieses Spiel etwas gegen mich hat. Während der Jüngste am Tisch, sobald er auf das Feld mit «Zeitungsmeldung» kommt und eine Karte vom «Tages-Anzeiger»-Stapel aufdecken darf, mit Geld beschenkt wird, heisst es über mich gleich zu Beginn: «Sie organisieren eine Weiterbildung, ­zahlen Sie 50 Dollar.»

Herzlichen Dank! Loyalität gegenüber der Angestellten, bitte! Im weiteren Verlauf des Abends besuche ich dann noch sehr regelmässig eines der vier Zoo-Restaurants, und weil der Herr mir gegenüber zwei davon besitzt, kostet mich das jedes Mal ebenfalls 50 Kröten. Wie im wahren Leben. Doch weil ich nie ganz bankrott bin und das Spiel sich zieht, müssen wir irgendwann aufhören. Gut, denke ich, morgen ist auch noch ein Tag. Da werde ich ausserdem meine Chefin fragen, was das mit den 50 Dollar sollte.

Monopoly Zoo Zürich, 69.90 Franken
z. B. über www.zoo.ch

Die drei ??? feiern Jubiläum

«Schreib etwas zur 200. Folge der Drei Fragezeichen – aber spoiler ja nichts, ich will sie auch noch hören!» Die Kollegin, die das sagte, ist um die 40, wie ich. Wieso sich erwachsene Frauen reinziehen, wie Minidetektive unrealistischen Bösewichten hinterherschnüffeln? Ganz einfach: Weil wir damit schon angefangen haben, als es in unseren Leben weder Steuererklärungen noch Nörgelchefs gab.

Drum löst Justus Jonas’ Rumschlaumeierei bei uns wohlige Sorglosigkeit aus wie die Glocke beim pawlowschen Hund den Sabber, und ists uns wurscht, wenn wir belächelt werden, weil wir abendelang über Lieblingsfolgen debattieren und Zitate runterrattern können. Denn wie sagte ein kluger Kopf einmal: Nichts ist so positiv besetzt wie die drei Fragezeichen, nicht einmal Fussball.

Ha! Aber wie ist sie nun, die Jubiläumsfolge? Fünf Stunden lang genau so, wie wir es mögen: voll nostalgischem Schmackes, Peilsendern und erzählerischem Hakenschlag. Blacky krächzt, Justus ächzt bei physischer Anstrengung und brilliert rheto- wie kombinatorisch. Dass es bei mir 15 Einschlafphasen plus zwei Putzsessions brauchte, um mich zur Schluss­melodie durchzuhören, werden Kenner als Pluspunkt werten. Und jetzt? Fang ich wieder von vorn an. Klarer Fall!


Einblick in die Welt der Festival-Taschen

Es gibt die Berlinale-Tasche. Die Viennale-Tasche. Die Cannes-Tasche. Jedes Filmfestival hat seine ­Tasche. So gibt es natürlich auch die Zurich-Film-Festival-Tasche, man spielt ja hier bei den Grossen mit.

Ich habe einst eine solche Tasche bekommen, lang ists her – und dann nie getragen, obwohl sie eigentlich sehr praktisch wäre. Alles passt rein, was man im ­Alltag braucht: Notizheft, iPad, Schreibzeug, im Notfall eine Flasche Wein. Und die Logos sehen gar nicht so schrecklich aus.

Das Problem: Es ist keine so gute Idee, sich mit einer solchen Tasche an bestimmten Orten zu zeigen, zum Beispiel am Festival von ­Locarno. Das Zurich Film Festival kommt dort nicht besonders gut an, auch unter den dortigen Zürchern. Lieber tragen sie Plastiksack.

In der Welt draussen ist aber Zurich ganz okay, wir machten den Test in einigen Städten. In Paris sprach uns in einem Kaufhaus ein eleganter Mann an: Aus Zürich? Und er sagte dann auch, Zürich sei für ihn die beste Stadt der Welt ­– neben Tokio. Wie zum Trotz gegen das aufkeimende Zürcher Hochgefühl riss später das Metro-Drehkreuz der Tasche den Tragriemen ab. (bu)


Die Mutprobe bestanden

Am Bellevue steht zurzeit ein Sprungturm im See – er wurde für das Zürifäscht aufgebaut, damit die Zürcher Wasser­springer ihre Fähigkeiten zeigen konnten. Danach wurde er auf 10 Meter zurückgebaut und für die Öffentlichkeit freigegeben.

Wer sich traut, kann noch bis zum Ende der Sommerferien einen Sprung wagen. So meldete ich mich todesmutig als Freiwilliger, um den Turm für den «Züritipp» zu testen. Und das, obwohl mir eigentlich schon das Dreimetersprungbrett aufregend genug ist. Vor Ort liess ich mich ins Wasser und schwamm zum Turm; ein Bademeister erklärte mir, ich solle ihm nach dem Sprung ein Zeichen geben, ob alles in Ordnung sei.

Ich kletterte hinauf zur Sprungfläche – und musste erst einmal warten, weil unten gerade ein Schwan vorbeischwamm. Den wollte ich ja nicht treffen. Dann aber war der Vogel aus der Gefahrenzone, und es galt ernst: Ich schloss die Augen, hielt die Nase zu und sprang. Eine elegante Figur machte ich nicht dabei. Nach einer gefühlten Ewigkeit in der Luft tauchte ich ein; es tat weniger weh, als ich befürchtet hatte. Einen zweiten Sprung ersparte ich mir trotzdem. (ggs)

Sprungturm am Bellevue neben der Quaibrücke
Offen bis am 18.8., täglich 12–20 Uhr bei guter Witterung


Sex sells – auch beim Glace

Zürich ist um eine Gelateria reicher. Die Oltner Manu­faktur Kalte Lust hat vor vier Wochen an der Kornhausbrücke den Laden Himu & Höll eröffnet. Eigentlich eine feine Sache: Ich bin vor mehr als 15 Jahren aus einer Stadt gekommen, in der die Menschen – zumin­dest in meiner Erinnerung – komplette Sommer in Eisdielen verbrachten.

Dementsprechend freue ich mich über jede zusätzliche Glace-Abgabestelle auf Stadtzürcher Boden. Ein netter Schwabe verkauft mir bei meinem Testbesuch eine hochprozentig-herbe Kugel «Turicum Mule» im Cornet für 3.50 Franken. Er offeriert mir sogar eine zweite, als die erste wegen des Gin-Gehalts nach einer Kostprobe zerfällt und das Cornet in Richtung Boden verlässt. Also, alles gut so weit, wäre da nicht die Werbung.

Über den Markennamen Kalte Lust kann man streiten. «Sex sells» bekanntlich bei noch viel absurderen Produkten als bei Glace. Wenn mich dann aber ein Schild zur Stammkundin machen möchte, auf dem «Leck mich doch … bitte immer wieder gerne» steht, dann überlege ich mir schon, ob ich nicht das nächste Mal lieber in den Supermarkt nebenan gehen und mir den Gin sowie das Gingerbier ungefroren kaufen sollte. (ish)


Die Abkühlung im Supermarkt

34 Grad am Dienstag, 37 Grad am Mittwoch, 35 Grad am Donnerstag. Ob im schlecht klimatisierten Grossraumbüro oder am eben noch ergatterten Schattenplatz in der Gartenbeiz gab es in den letzten Tagen nur ein Thema – die Hitze. Oder eher: wie man sie übersteht.

Nicht ganz ernst, aber gut gemeint: Ein Kollegeem­pfahl eine Erfrischung in der Migros – vor den Kühlregalen. Nur: Die Gestelle des Grossverteilers sind neuerdings mit Glastüren verschlossen, um Energie zu sparen. In Zeiten der globalen Erwärmung und der Klimademos ist das natürlich sehr zu begrüssen. Bei anderen Supermärkten wie Denner ist man noch nicht so weit – ein Glück in diesen Tagen.

Schon beim Betreten des Ladens schlägt der Konsumentin kühle Luft entgegen. Der Selbsttest ergab eindeutig: Die Kälteabstrahlung der Kühlregale ist hier so gross, dass der Hitzkopf innert kürzester Zeit abkühlt. Für eine schnelle (und trockene) ­Erfrischung besuchen Sie deshalb vorzugsweise die alten, nicht aufgerüsteten Energieschleudern. Und falls es, während Sie diese Zeilen lesen, gerade nur angenehm warm und nicht brütend heiss sein sollte – die nächste Hitzewelle kommt bestimmt.


Schwitzen im Theater

Wertet man ihn nicht als Zeichen der Erderwärmung, ist ein Sommerabend, an dem kurz vor 20 Uhr noch 30 Grad herrschen, eigentlich kein Grund zur Sorge. Ausser man hat Theaterkarten für den Schiffbau. Im Wissen darum, dass die Menschheit auch Wettschwitzen in der Sauna oder Wüstendurchwanderungen überleben kann, betrete ich tapfer die Halle.

Gegeben wird Alan Ayckbourns «Schöne Bescherungen», eine böse Komödie über den familiären Wahnsinn an den Weihnachtstagen. Eigentlich eine tolle Aufführung, wäre der zuständige Schiffbauarchitekt einst beim Umbau nicht von einer drohenden Eiszeit ausgegangen. Bald herrschen im Zuschauerraum nicht nur tropische Zustände, das Publikum muss dem (wirklich grossartigen) Ensemble auch noch dabei zusehen, wie es sich für Winterspaziergänge Wollmäntel überwirft oder in Strickpullovern den Christbaum schmückt.

Wie bei einem Horrorfilm versuche ich mir nicht vorzustellen, wie es wäre, wenn ich das, was ich sehe, selbst durchleiden müsste. Es gelingt mir knapp eineinhalb Stunden lang. Dann ringe ich, inzwischen der festen Überzeugung, selbst einen Ganzkörperstrickanzug zu tragen, mein schlechtes Gewissen nieder und verlasse schweissgebadet das Theater. – Zum ersten Mal in meinem Leben vor dem Ende einer Vorstellung. (ish)


Das Bellevue in 1000 Teilen, Teil 2

Dienstag: Puzzle. Mittwoch: Puzzle. Donnerstag: Puzzle. So sah unser Programm für den Abend aus. Die 1000 Teile des Bellevue-Puzzles nach dem Plakat von Emil Huber aus dem Jahr 1925 wollten eben wieder zum Bellevue zusammengesetzt werden. Wir berichteten letzte Woche vom Anfang, der ein Haufen auf dem Esstisch war.

Jetzt ging es weiter. Am Samstag war dann der Platz vor dem Grand Café Odeon komplett, samt den zwei Autos (die Räder!) und dem 10er-Tram. Das Schwierigste aber waren die Menschen. So richtig wollte nicht zusammenwachsen, was zusammengehört. Der Polizist, der den Verkehr regelt, hatte lange Zeit keinen Hut. Schon dachte man: Hoppla, vielleicht fehlt hier das Teil (es fehlte natürlich nicht). So wuchsen wir Stück für Stück über uns hinaus. Bis zur Fassade des Odeon-Hauses.

Dort: Fenster, Fenster, Fenster. Und: Säulen, Säulen, Säulen. Am Sonntag, es war halb eins in der Nacht, kapitulierten wir, weiter wollte es mit diesen Fenstern und Säulen nicht gehen. Dann fand sich aber ein passendes Teil. Und grad ein zweites. Bald schloss sich die letzte Lücke. Oh, sagten wir dann. Und waren glücklich. (bu)


Das Bellvue in 1000 Teilen, Teil 1

Das Puzzle ist von Orell Füssli, es zeigt das Bellevue in der Nacht. Emil Huber hat das Plakat 1925 für das Grand Café Odeon geschaffen: als ein Bild der mondänen Stadt. Man könnte das Bild etwa so beschreiben: Grosse Automobile gleiten über den Platz, an der Tramstation steht der Zehner, ein Polizist regelt den Verkehr.

Auf der Strasse streben elegante Frauen und Männer dem Odeon zu – das Haus scheint von innen heraus zu leuchten: Bar, Billard, Tea Room, alles eine Verheissung. Und so weiter und so fort bis zu den Türmen des Grossmünsters im Hintergrund. So könnte die Welt im Plakat aussehen. Aber da ist nur ein Haufen. Denn sie haben das Bellevue in 1000 Teile zerstückelt – und wir sind jetzt seit Samstag daran, das Bild wieder zusammenzusetzen. Vielleicht wars nicht die beste Idee, die Teile auf den Esstisch zu kippen.

Im Augenblick sind wir da ein bisschen blockiert. Dafür breitet sich das Bellevue aus. Zugegeben, sooo weit sind wir noch nicht gekommen. Es gibt schon kleine Inseln mit Bildfragmenten. Aber da ist noch ein Meer von ganz vielen Teilen. Jeder Anfang eines Puzzles ist eine Überforderung. Aber wir arbeiten daran, jede Nacht. Nächste Woche mehr. (bu)


Hilfe beim Veloschloss knacken

Vor ein paar Monaten wurde mein Velo geklaut. Mein Freund fand es kürzlich wieder – vor dem Langstrassenlokal Chilli’s. Dank blauer Sticker aus Japan, mit denen ich den Rahmen beklebt habe, ist es unverkennbar. Kurzerhand sicherte ich das Gefährt mit einem eigenen Schloss, damit der aktuelle Besitzer das Fahrrad nicht umparkieren konnte.

Nachts versuchte ich es mit der Hilfe eines Kollegen, der eine Brechstange besitzt, zu knacken. Im Zweifelsfall hätte ich beweisen können, dass das Fahrrad meins ist: Ich trug den Kaufbeleg mit passender Rahmennummer auf mir. Das Werkzeug war allerdings völlig ungeeignet, um das Kabelschloss zu öffnen. Also ging ich auf die Wache an der Militärstrasse. Dort sass ein gut gelaunter Polizist, der sich meines Bagatellfalls annahm. Klar könne man das Velo für mich knacken, sagte er.

Er schenkte mir nicht nur Kleber, auf denen Schäferhunde und flotte Velopolizisten zu sehen sind; er bot auch umgehend die Wasserschutzpolizei auf. Diese kam extra vom See angefahren, durchfräste das fremde Schloss mit einem wundersamen Gerät und liess mich mit kaputtem Licht nach Hause fahren. «Immer für euch im Einsatz», steht auf den Polizeiklebern. An diesem Abend hätte ich den Spruch unterschrieben.


Plötzlich wird der Ticketkauf ganz einfach

Kollege Nia ärgerte sich vergangene Woche an dieser Stelle über die SBB-Billettautomaten – und wir fühlten mit ihm. Wir wollen alle nur von A nach B. Zonen und Reisevorschläge sind uns allen zu viel. Genauso wie die momentane Werbekampagne der Bundesbahn, in der uns eine Frau mit ihrem altersweisen Blick klarmachen will, dass wir es seien, die sich kompliziert anstellten, respektive dass die SBB-App alle unsere Zonen- und Billettprobleme lösen könnte. Tut sie nicht.

Doch es gibt eine Lösung, und warum die SBB die nicht prominenter bewerben, ist uns schleierhaft. Seit wir die Fairtiq-App entdeckt haben, kommen wir beim Billettlösen nicht mehr ins Schwitzen. Zonenkenntnisse? Unwichtig. Bevor wir in den Zug steigen sliden wir in der App den Startknopf. Am Ziel jenen zum Stopp ? fertig ist die Hexerei. Strecke und Fahrpreis ermittelt Fairtiq selber.

Das dauert jeweils einen Moment, offensichtlich muss selbst ein Computerprogramm eine Weile rechnen, bis es die günstigste Billettvariante gefunden hat. Ein beruhigender Gedanke. Stolz erzählen wir davon Nia, der unsere fast schon enthusiastischen Ausführungen abrupt unterbricht. «Und wie zahle ich da?», fragt er. Natürlich mit der Kreditkarte. Nia sagt nur: «Habe ich keine.» Und wir darauf keine Antwort mehr. (ebi)


Geärgert: der SBB-Billettautomat

Ich habe keinen Plan von Geografie oder Orientierung. In den Ferien versuche ich mir jedes Mal zu merken, welche nahe gelegenen Städte ich besuchte oder in welchem Fluss ich badete. Das bleibt zwei Tage in meinem Hirn hängen und wird dann gelöscht oder von etwas Unbrauchbarem überschrieben. Schön wärs, wenn mich dieses Handicap nur bei der Weltenbummlerei behindern würde. Aber nein: Es bringt mich bereits an den Rand der Verzweiflung, wenn ich ein Ticket an einem Billettautomaten der SBB lösen möchte.

Sagen wir, ich will von A nach G. Hin und zurück. Da fragt mich der Automat: Wollen Sie gern via E und F nach G? Oder lieber über B und C? Sie können aber auch direkt nach G. Ich stehe vor dem Automaten und verstehe nur, wen wunderts, Bahnhof. Woher zum Gugger soll ich das wissen? Und natürlich werden verschiedene Preise angegeben. Sonst wäre das alles ja kein Problem. Aber ich möchte doch nicht wegen einer Preisdifferenz der verschiedenen Angebote von vielleicht 2.50 Franken eine Busse von 100 Franken bezahlen müssen. Und dann frage ich mich auch: Wie machen denn das Touristen? Angenommen, ein Einsiedler aus dem Yukon landet in Kloten: Wie kommt der bussenfrei nach Bern? Wohl via X und Y. (nia)


Unterwegs im Habitat der Influencerinnen

Hier wird um die Wette gestrampelt: der John Reed Fitness-Club.

Ich mache den Hamster auf dem Laufrad. Und natürlich guckt wieder mal kein Schwein: Bin wohl zu alt, zu wenig definiert. Lieber hält die Kamera von «10 vor 10» auf die Influencerinnen neben mir: Die haben wirklich Style. Für solche Menschen, die das Kosmopolitische auf der Brust tragen, ist der John Reed Club das natürliche Habitat. Gerade ist der Zürcher Ableger eröffnet worden, «die beeindruckende Glasfassade» ist, wie es heisst, hier ein Highlight. Aber John Reed ist noch viel mehr: «mehr Training, mehr Design, mehr Musik».

Die Beats aus dem hauseigenen Radio treiben die Menschen zu Höchstleistungen an. Und manchmal ist auch ein DJ vor Ort. Nun: Die Trainingsgeräte sind sehr okay. Wir haben Kraftübungen gemacht und sind auch auf dem Laufband gerannt. Die Instruktoren haben ein paar sehr hübsche Ideen gehabt, wie man sehr schnell ins Schwitzen kommt. Wir hätten hier auch Eisen stemmen können. Oder Pilates oder Ninja Power betreiben können. Im Club gibt es auch andere exotische Dinge. Wie Bücher. Eines trägt den Titel: «Kurze Darstellung des niederländischen Bankenwesens». Da kann man doch sagen: John Reed ist Fitness auch für den Kopf. (bu)


Ein unberührtes Fleckchen Zürich

Ich mag Friedhöfe. Nicht nur, weil ich gegenüber einem Friedhof aufgewachsen bin und als Kind mein Taschengeld mit dem Verkauf von Sträussen aus weggeschmissenen Grabblumen aufgebessert habe. Auch weil Friedhöfe in Städten bekanntlich zu den grössten Parkanlagen zählen und sich bestens zum Spazieren eignen. Am schönsten ist der Friedhof Eichbühl oberhalb von Altstetten. Selten habe ich in Zürich ein so unberührtes Fleckchen Erde gesehen. Weil der Friedhof nie die geplante Auslastung erreichte, muss man die Gräber fast suchen; über die Hälfte besteht aus Natur. Es gibt Wiesen, eine Baumallee, Spazierwege und eine grandiose Aussicht auf Zürich. Doch nicht nur die Grünfläche, auch die Landschaftsarchitektur ist einen Besuch wert: Sämtliche Mauern, Wegführungen und Gebäude, die in den Sechzigern errichtet wurden, bestehen aus Beton und haben eine eigene, starke Formensprache. Am schönsten ist der Pavillon, der von mehreren Wasserbecken umgeben ist und auf dessen Dach eine riesige goldene Kugel liegt; eine Installation der Zürcher Künstlerin Ana Roldan. Mehr Ruhe, um Kunst zu betrachten, als hier hatte ich bisher nie. Ich traf auf dem Friedhof jedenfalls keine einzige Menschenseele. (cs)


Nie war Relaxen schöner

Es sieht ja so easy aus. Da nimmt der Mensch den Luftsack aus Nylon in die Hand, befüllt ihn mit Luft, und schon nimmt das Ding Volumen an, es ist die reinste Magie. Dann den Sack zusammendrücken, den Ring schliessen, und fertig ist das Luft-Sofa. Hurra, wir haben gerade die Natur zu unserer Chillout-Zone gemacht! Nie war Relaxen schöner. Null pumpen, wie einst die Luftmatratze, aber voll der Lifestyle von heute, sozusagen ein Fatboy light für unterwegs. Das war jetzt die Werbung. In Wirklichkeit hat mich das Luft-Sofa verschluckt. Und auch sonst zum Affen gemacht. Denn ich brachte Luft in das Luft-Sofa etwa so rein, wie die Schildbürger Licht im Eimer sammelten, nämlich mit viel Aufwand, aber wenig Effekt. Vielleicht lag das am Wind, den es gerade nicht gab, vielleicht auch an mir. Jedenfalls mussten meine ­Bemühungen sehr lustig ausgesehen haben. Die ­Menschen schauten sehr interessiert zu, wie ich das Ding am Strand wie einen Windsack hinter mir her zog. Irgendwann füllte sich der Sack dann doch. Triumph. Ich legte mich hinein. Das Luft-Sofa legte sich über mich. Dann war die Luft draussen. (bu)

Luft-Sofa, diverse Hersteller, ab ca. 40 Franken. Für die Zukunft aber vielleicht doch besser Air Lounge; die Zürcher wissen, wie Outdoor-Sofa geht.


Man muss Eier haben

So, fertig Ostern. Der Schoggivorrat reicht bei den meisten von uns noch für einige Wochen, und das ist auch gut so, aber was machen wir bloss mit den Eiern? Und vor allem: Wie lange? Schliesslich gibts wenig Unschöneres, als wenn man sich ein Spiegelei braten will, und dann flutscht da aus der aufgeschlagenen Schale etwas Stinkendes, Verdorbenes in die spratzelnde Butter.

Deshalb mit nicht mehr ganz frischen Eiern immer erst den Wasserglastest machen, sprich: Ein grosses Glas mit Wasser füllen, das Ei vorsichtig reingleiten lassen. Sinkt es? Ab in die Pfanne damit. Schwimmt es obenauf? Dann ist schon zu viel Wasser durch die Schale verdunstet und hat das Eigelb entsprechend zu viel Luft aufgenommen. Finger weg davon! Wer indes nicht mehr weiss, welche Eier im Kühlschrank gekocht sind und welche roh, lässt die Dinger einfach kurz auf dem Küchentresen rotieren, wie beim Flaschenspiel.

Gekochte drehen sich schnell, rohe viel träger, weil ihr flüssiges Inneres hin- und herschwappt. Aus Letzteren lässt sich, wenn man keine Eier mehr essen mag, übrigens im Nu ein Post-Ostern-Eierlikörchen zaubern. Alles, was dazu gebraucht wird, ist Zucker, Vanille, weisser Rum und ein anständiger Mixer. Passt prima zu Schoggihasen! (psz)


Wenn die Balkonpflanzen nicht wollen

Ein Wasabi-Topf kostet ca. 10 Franken.

Der Bonsai-Brombeerstrauch: tot. Der Rosmarin: tot. Der Bambus dito. Nicht viele Sachen auf dem Balkon haben den Winter überlebt. Dabei war es gar nicht so kalt. Am Klima kann es also nicht liegen. Vielleicht aber am Ort. So oder so: Etwas Neues muss her, schliesslich wollen wir es um uns blühend haben.

Das sind jedenfalls unsere privaten Urban-Gardening-Träume, und sie heissen: Rosen wie im Parc de Bagatelle zu Paris! Und dazu das ganze Gemüse aus seinem Küchengarten! Die Realität sah bisher ein bisschen anders aus. Nicht einmal die Feuerbohnen wollten auf dem Balkon blühen. Sie wuchsen einfach wie blöd in den Baum hinein. Der Baum im Innenhof ist überhaupt das Problem für den Traum von Rosen, Feuerbohnen und Co., denn er nimmt das ganze Licht. Was machen? Wir kamen letztes Jahr auf den Wasabi (im Bild).

Die Pflanze aus Japan, auch Wassermeerrettich genannt, liebt Schatten und Nässe. Ideale Voraussetzungen also. Und wirklich: Der Wasabi ist bei uns heimisch geworden. Er hat den Winter ohne Probleme überstanden. Und blüht gerade auf. Grosse Balkonpoesie verströmt die Pflanze natürlich nicht. Aber sie feiert jetzt gerade ein bisschen Auferstehung. (bu)


Mit den Kopfhörern im Kino

Wie und ob die App funktioniert: Kinoredaktor Gregor Schenker erklärt.

Leider kommt es in unseren Kinos immer häufiger vor, dass ein Film nur noch in der deutschen Synchronfassung läuft. Für Cinephile ist das ein Ärgernis. Da erscheint die App Soundfi als geniale Lösung: Man lädt sich die Tonspur in der Originalsprache auf das Handy und hört sie über die mit­gebrachten Kopfhörer. Entwickelt wurde die App in den USA. Sie verspricht eine speziell abgemischte Tonspur, die einem den Eindruck gibt, mittendrin zu sein, und dazu Umgebungsgeräusche wie das Popcornschmatzen des Sitznachbarn übertönt. Gedacht ist sie auch für Menschen, die keine der Sprachen sprechen, die im jeweiligen Kino angeboten werden. Ich testete Soundfi beim Stephen-King-Remake «Pet Sematary». Tatsächlich war das Hörerlebnis eindrücklich, allerdings ging das Gemeinschaftsgefühl verloren. Ein Horrorfilm macht nur halb so viel Spass, wenn man die Schreie der anderen Besucher nicht mitbekommt. Vor allem störte mich jedoch, dass ich zwar die englische Tonspur runtergeladen hatte, aber dennoch die deutschen Dialoge hörte, die im Saal liefen. Trotz Noise-Cancelling-Kopfhörer. Also doch keine Ideallösung für Cinephile.

www.soundfi.me
«Pet Sematary» mit Soundfi-Option: Abaton, Arena Sihlcity


«Glauben Sie, was in der Zeitung steht?»

Die Frau sass auf einer Bank am Bellevue. Zwei Stunden sitze sie bereits hier, und sie sei erstaunt, mit wie vielen Menschen sie schon ins Gespräch gekommen sei, sagt sie. Neben ihr aufgestellt waren beschriftete Tafeln. Im Studiengang Sozialpädagogik sei ihr aufgefallen, dass die Studenten keine Fragen mehr stellen würden. Ist das ein Generationending? Werden generell weniger Fragen gestellt? Darum sammle sie hier Fragen. Um rauszukriegen, ob wir überhaupt noch etwas wissen wollen. Ein Blick auf die Notizen, die bereits von Passanten auf die Tafeln geschrieben wurden, lässt tief in irdische und globale Sorgen blicken. Hier eine Auswahl: «Glauben Sie, was in der Zeitung steht?» – «Wie kann die Gesellschaft berufstätigen Eltern mehr Möglichkeiten geben?» – «Where is a shop where I can get a SIM-Card?» – «Warum passiert mir, gerade mir ein Ärztefehler?» – «Werden wir uns jemals sicher fühlen?» Das sind gute Fragen. Na ja, mal abgesehen von der Frage nach dem SIM-Karten-Shop. Aber sonst: Top-Denkanstösse! Ich hätte dann auch noch gern eine gestellt. Und da merkte ich, dass ich momentan gar keine habe. Ausser eine. Eine wichtige. Aber die fiel mir zu spät ein. Ich hätte für diesen Text nach dem Namen der Frau fragen sollen. (nia)


Die nervigste Warteschlange Zürichs

Bereits die Tür macht es einem nicht leicht. Schwer und gross ist sie. Wer also in die trendy Bäckerei am Helvetiaplatz reinwill, braucht zuerst einmal Kraft – und danach Selbstvertrauen. Denn unmittelbar dahinter drängelt sich meist ein Grüppchen hungriger Wartender, das den Neuankömmling mit stummer Antipathie anglotzt. Im Bereich zwischen Tür und Theke ist nämlich nicht viel Platz. Und jeder Neue zwingt die Gruppe, sich neu zu formieren. Ein Geschiebe, ein Geraschel ist das. Worte werden keine ausgetauscht. Selbst jene, die zuvor stoisch auf ihr iPhone gestarrt haben, müssen nun kurz aufschauen und Blickkontakt herstellen. Das sorgt besonders in der Früh, wenn alle müde und gestresst sind, für eine Atmosphäre, die man so auch schon mal in einem überfüllten, von Flugannullierungen geprägten Terminal erlebt hat. Während im Flughafen aber immerhin alle das Gleiche wollen, wollen im John Baker alle etwas anderes. Denn die auf wenigen Quadratmetern zusammengepferchte Zweckgemeinschaft hat ganz individuelle Wünsche. Chai Latte ohne Latte. Brötchen ohne Mehl. Und so weiter. Ich dagegen will nur ein einzelnes Früchtebrötchen. Es ist schlicht grossartig. Dafür lohnt sich diese Pein. (cix)


Überall häts Bärlauch dra

Jeden Frühling dasselbe: Bärlauch an und in allem, so weit das Supermarktregal reicht. Bärlauch im Hüttenkäse, in der Bratwurst, im Schnittsalat, manchmal, ich schwörs, läuft mir bei dem Anblick Peach Webers modifiziertes Pilzli-Lied nach («überall häts Bärlauch dra, Bärlauch dra, Bärlauch dra...»). Bestellt man beim Italiener nichts ahnend Spaghetti al pesto, kanns passieren, dass einem ungefragt die Bärlauchvariante serviert wird. Was soll das? Mag ja sein, dass Köche und Co. ihren Produkten den Winter austreiben wollen, indem sie das Grünzeug reinmischen. Bei mir aber kommt eher Frühlingsstimmung auf, wenn ich mich beim Lunch-Spaziergang an Primeli und Krokussen erfreuen kann, ohne dabei in ein Bärlauch-verseuchtes Sandwich zu beissen. Zumal das Kraut null geschmacklichen Mehrwert bringt: Ist nicht scharf, hat kaum Würze (schon gar nicht in den homöopathischen Dosen, in denen es meist daherkommt), und wenn es nach etwas riecht, dann nach Marketingstrategie. Die optische Aufpeppung der Speisen durch die grünen Sprenkel: geschenkt. Da macht der gute alte Schnittlauch einen besseren Job – und das ohne viel Tamtam. Sorry, Bärlauch, du bist entlarvt: als kulinarischer Wichtigtuer und geschmacklicher Rohrkrepierer. (psz)

Erstellt: 06.10.2019, 11:43 Uhr

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