«Heute leben wir offener»

Vier Fragen an die Zürcher LGBTQ-Aktivistin Gianna Ferrari, die sich besonders für die aromantische und asexuelle Community einsetzt.

Gianna Ferrari, die Initiatorin des Milchballs.

Gianna Ferrari, die Initiatorin des Milchballs.

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Bis jetzt hat die Milchjugend vor allem Partys gefeiert. Einen Ball gab es bis jetzt noch nie, oder?
Ja, der Milchball unterscheidet sich von den bisherigen queeren Veranstaltungen. Es läuft andere Musik, es gibt einen Dresscode und ein Programm: Mona Gamie führt durch den Abend, es treten aber auch andere Drag Queens und Drag Kings auf. Neben diesen Shows gibt es eine Fotoecke. Auch werden wir Fotografien von den «Kreis»-Bällen aufhängen, an denen unser Milchball angelehnt ist.

«Der Kreis» war ein etabliertes Schwulenheft, welches in den 40er- bis 60er-Jahren Bälle organisierte. Wie sind Sie zu diesen Bildern gekommen?
Wir haben Röbi Rapp und Ernst Ostertag besucht, deren Liebesgeschichte auch der Schweizer Film «Der Kreis» erzählt. Sie sind heute über 80 Jahre alt und bezeichnen sich selbst als die Urväter der queeren Szene. Wir haben mit ihnen geplaudert, und sie haben uns von den Bällen erzählt und die Fotografien gezeigt. Diese gibt es auch online.

Erinnert noch mehr an die vergangenen Bälle?
An den früheren Bällen sind auch immer «Kreis»- Mitglieder aufgetreten, haben gesungen und performt. Ausserdem fanden die Bälle auch im Theater Neumarkt statt. Die Leitung freute sich übrigens ziemlich, dass wir die Tradition wieder aufleben lassen wollen. Es gibt auch Unterschiede – zum Glück.

Welche?
Die «Kreis»-Bälle richteten sich nur an homosexuelle Männer, wir laden die gesamte LGBTQ-Community ein. Ausserdem mussten die Anlässe früher geheim gehalten werden, und die Männer benutzten Decknamen. Sie zogen sich auch erst im Theater um, weil sie nicht in Frauenkleidern durch die Stadt laufen durften. Heute können wir offener leben, Werbung machen und den Anlass auf den sozialen Medien pushen.

Sa, 21 Uhr, Neumarkt
Neumarkt 5
www.theaterneumarkt.ch
Eintritt 10 / 15 Franken
Die «Der Kreis»-Bilder gibt es auf www.schwulengeschichte.ch
(Zueritipp)

Erstellt: 09.12.2017, 02:36 Uhr

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