Schenken oder nicht schenken...

... das ist in der Vorweihnachtszeit die Frage. Unsere Autorin hat darauf ein paar Antworten – und Ratschläge.

Ob die berüchtigten Socken hier für einmal die richtige Wahl als Weihnachtsgeschenk wären? Bild: Denis Korobov.

Ob die berüchtigten Socken hier für einmal die richtige Wahl als Weihnachtsgeschenk wären? Bild: Denis Korobov.

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Soll man überhaupt etwas schenken?
Das Merkwürdige an dieser Weihnachtssause ist ja, dass sich alle über den wahnsinnigen Stress und das total irre Gedränge in der Innenstadt und überhaupt über diesen schrecklichen Konsum beklagen, aber trotzdem mitmachen. Da muss man sich natürlich nicht wundern. Wer dagegenhalten will, soll das deshalb tun. Ungeniert. Aber ohne daraus eine Religion zu machen. Weil das hat dann auch wieder so was Anstrengendes. Man kann sich still und leise verweigern; es reicht, wenn man das der Umgebung ein einziges Mal mitteilt und dann vollkommen entspannt und fidel am Weihnachtsabend auftaucht und ein Gewinn für jede Runde ist, weil man die vergangenen vier Wochen mit Klügerem und Schönerem verbrachte als der Rest der Anwesenden. Männer machen das oft so. Mitunter sollten die Frauen sie sich als Vorbild nehmen.

Aber Schenken macht doch Freude!
Das sagt man so, ist aber völlig verkehrt gedacht. Beziehungsweise eine überaus egoistische Sichtweise. Denn: Es geht beim Schenken nicht um Sie. Es geht nicht darum, dass Sie Applaus bekommen. Oder dass Sie im Mittelpunkt stehen und bewundert werden dafür, dass Sie so unfassbar viel gebastelt und gebacken oder das Papier von Hand geschöpft und die Bändeli von Hand geknüpft haben. Es geht beim Schenken um die beschenkte Person. Und nur um die. Nehmen Sie sich zurück. Das ist eine sehr weihnächtliche Geste.

Darf man die Geschenke gleich im Geschäft einpacken lassen?
Aus Sicht der Stressverminderung: absolut. Das ist pragmatisch gedacht und das wiederum unbedingt begrüssenswert. Wer das mit der Schenkerei aber ernst nimmt, darf nicht. Weil es schäbig wirkt. Und so, wie wenn Sie in letzter Sekunde noch in ein Geschäft gerast wären und sich das Erstbeste geschnappt hätten. Was Sie vermutlich auch taten und nichts Schlimmes ist, weil es fast alle so machen. Was wiederum alles sagt.

Darf man Gutscheine schenken?
Ja, her mit den Gutscheinen! Jemand liest gerne und viele Bücher? Büchergutscheine schenken! Jemand geht oft ins Kino oder in diese spanische Modekette? Kinogutscheine und Zara-Gutscheine schenken! Jemand mag eine bestimmte Zeitschrift? Schenken Sie ein Abo! Aber keine Gutscheine für Helikopterflüge oder Dinge, die Sie für lustig halten. Die Chance, dass der Gutschein eingelöst wird, muss bei nahezu 100 Prozent liegen. Ansonsten ist er nur eines: traurig.

Darf man Schönheitsoperationsgutscheine schenken?
Sie bewegen sich damit auf ganz dünnem Eis. Denn auch wenn Sie denken, ihr damit einen Gefallen zu tun (es wird sich meist um eine Sie handeln, wir müssen uns hier gar nicht um Geschlechterausgeglichenheit bemühen, sondern der Realität ins Auge sehen), weil Sie sich nie an dieser angeblich grossen Nase störten. Der Abend wird grausam zu Ihren Ungunsten verlaufen: Sie: «Du hast immer gesagt, meine Nase sei nicht zu gross! Dabei hast du jahrelang nie mich, sondern immer nur meine Nase gesehen, wenn du mich angeschaut hast! Liebe heisst, dass man sich mit allen Mängeln gernhat! Du Macho! Ich hasse dich!» Es wird Tränen geben. Zuknallende Türen. Sie werden bis Silvester mit Wiedergutmachungsmassnahmen beschäftigt sein. Mindestens. Zudem sind Sie dann schuld, wenn das Ganze operativ irgendwie in die Hose gehen sollte.

Wenn abgemacht wird «Keine Geschenke». Muss man sich daranhalten?
Ja. Unterstehen Sie sich! Weil es einen Grund hat, dass diese Abmachung zustande kam. Weil offenbar niemand Lust auf Geschenke hat. Weil nämlich schon alle alles haben.

Nicht einmal öppis Chliises?
Nein, auch nicht öppis Chliises, weil darunter alle etwas anderes verstehen. Und die Fanatiker wittern ihre Chance, und das artet dann verlässlich aus. Zudem ist es überaus unfair denen gegenüber, die sich daranhalten. Die kommen sich dann wie Pflöcke vor, so mit leeren Händen. Und Weihnachten ist das Fest der Liebe, da lässt man andere sich nicht schlecht fühlen. Rücksicht gehört zu Weihnachten wie Kerzli.

Aber die Kinder! Denen darf man doch was schenken!
Sehen Sie, Sie sind schon total drin in diesem Weihnachtsding und total konsummässig verdorben auch. Eltern beklagen die riesige Materialschlacht. Sie jammern darüber, dass sie in den Kinderzimmern geradezu durch Berge von Zeug waten müssen und dass das ja irgendwie total dekadent sei. Sie beklagen sich, dass ihre Kinder in dieser kapitalistischen Welt aufwachsen müssen, wo gilt, dass nur wer viel hat, was ist. Sollten Sie auch in diesen Chor einstimmen, müssen Sie der Glaubwürdigkeit halber ein pädagogisches Zeichen setzen und dagegenhalten. Mit kleinen und klugen Geschenken. Bescheidenheit ist eine Tugend. Fangen Sie an Weihnachten an, die Kinder in Ihrer Umgebung diese zu lehren. Es gibt zu wenig davon.

Wenn wir schon bei den Kindern sind: Wenn diese basteln, lernen sie, anderen eine Freude zu machen. Das ist doch herzig!
Das ist schon herzig. Aber diese WC-Rollen-Konstruktionen sind trotzdem für jedes Interieur ein Handicap. Aber ganz grundsätzlich ist Selbstgemachtes von einem ganz anderen Kaliber als etwas Gekauftes. So was darf man doch guten Gewissens verschenken! Da müssen wir knallhart sein: Nur, wenn Sie das mit dem Selbermachen wirklich draufhaben. Und vergessen Sie nicht: Es geht nicht um Sie. Weihnachten als Gelegenheit für Ihren grossen Auftritt zu betrachten, wo endlich anerkannt wird, was Sie alles leisten in kreativer Hinsicht, ist nicht Sinn der Sache.

Muss man Freude heucheln, wenn man etwas ganz Grausliges auspackt?
Ja. Im Moment schon, weil alles andere die Stimmung ruiniert. Entsorgen Sie das Ding danach diskret. Allerdings: Auf diese Weise werden Sie das nächste Jahr wieder eine Schrecklichkeit ähnlichen Ausmasses bekommen, aber da müssen Sie durch. Es sei denn, Sie wollten etwas Stimmung ins Ganze reinbringen. Wobei dann aber eben für den Ausgang des Abends eher Düsteres prognostiziert werden muss.

Also besser spenden als schenken?
Sie wollen Gutes tun? Dann tun Sie auch was. Und damit ist nicht das Überweisen von Geld gemeint. Helfen Sie konkret mit, in einem Tierheim, beim Suppeschöpfen, was man halt so macht. Spenden, erst recht an Weihnachten, verströmt auch immer den Hauch von Drückebergertum. Seien Sie ehrlich: Tun Sie es nicht vor allem für Ihr gutes Gewissen? Sehen Sie. Das ist egoistisch und unterläuft den Weihnachtsgedanken. Wenn Sie es nicht so haben mit dem Ärmelhochkrempeln: Schauen Sie sehr genau nach, ob die Organisation auch was taugt. Mit dieser Recherche sollten Sie spätestens jetzt beginnen. Der Countdown läuft!

Schöner einkaufen

Wenn Sie das mit den Geschenken dieses Jahr doch wieder nicht lassen können, dann haben wir hier ein paar unserer Lieblingsläden für Sie.

Von Eva Hediger und Isabel Hemmel

DIE MACHEREI
Der kleine Laden ist das Headquarter für den schlichten Schmuck von Baiushki, ansonsten gibts junges, lokales und nachhaltiges Design. Sonntagsverkauf: 17.12. Lagerstr. 104

NORKIND
Hinter dem Laden stehen Produktdesigner, die neben Heimwaren von anderswo auch selbst Entworfenes verkaufen: Geschirr und Kerzenständer zum Beispiel. Zentralstr. 131

SOEDER
Die Leute von Soeder lassen nicht nur ihre eigene feine Naturseife nahe Zürich herstellen, sondern setzen auch sonst auf schöne und vor allem sinnvolle Produkte. Sonntagsverkauf: 17.12. Ankerstr. 124

TING
In diesem kleinen Laden ist viel drin: handverlesene nordische Designerwaren, Schlaues für Kinder, Schönes für Männer und Schmuckes für Frauen. Quellenstr. 6

DUPLIKAT
Ausgesuchte Belletristik und Bezauberndes aus Papier: zum Beispiel die Agenda von Marianne Studer, eine der beiden Duplikat-Frauen. Zentralstr. 129

TIGERFINK
Keinen grellen Plastikschrott, sondern hübsche und qualitativ hochwertige Spiel- und Babysachen gibt es in diesem Shop. Viele Klassiker sowie etliche Neuigkeiten. Kreuzstr. 36

CABINET STORE
In diesem «Compact Concept Store» wird die Ware immer wieder neu präsentiert. Diese stammt von lokalen Designern, aber auch aus Helsinki, New York oder Athen. Viaduktstr. 83 / Bogen 2

ZUHAUSE
Retromöbel, Kunstwerke, Wohnaccessoires und Küchenutensilien: Noch bis 2018 betreiben fünf Schweizer Labels diesen Pop-up-Store gemeinsam. Usteristr. 14

EINZELSTÜCK
Vintagemöbel und kleinere Sächeli aus über 40 Ländern gibt es zu kaufen – zum Beispiel Tücher aus Japan, aber auch Stofftiere vom hauseigenen Label Scout. Falkenstr. 26

HEILIGER BIMBAM
Der Weihnachtsmarkt mit jungen Designerlabels: Ganz stressfrei ist das Einkaufen dort nicht, aber es lassen sich immer wieder spezielle Geschenke finden. 15. bis 17.12. Halle 622, Therese-Giese-Str. 10
(Zueritipp)

Erstellt: 07.12.2017, 11:56 Uhr

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