Wo sich Zürich wie Ferien anfühlt

Was machen Touristen eigentlich in unserer Stadt? Wir haben elf Orte – vom Zeltplatz bis zur Fonduestube – besucht.

Wir sind abgetaucht: der Hotelpool des Hotel Atlantis.

Wir sind abgetaucht: der Hotelpool des Hotel Atlantis.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Grossmünster

187 Stufen sinds auf den Karlsturm (Eintritt 5 Fr.), erst steinerne, ganz schön abgeripschelte, dann hölzerne. Es knarrt zünftig unter den Füssen; teils klaffen zwischen den uralten Brettern Ritzen, die mir als beschränkt Schwindelfreie Angstschweiss aus den Poren treiben. Item, Zähne zusammenbeissen und ab nach oben, auf die kleine Plattform: Züri aus 50 Meter Höhe ist noch schöner als Züri sowieso. Funfact? Dass man unser Stadtgeräusch Nummer 1 selbst hier oben noch hört: die Baustellen! (psz)

www.grossmuenster.ch


Hotelpool

Allein planschen mit Blick auf den Waldrand, ein ­Lama-Gehege und den Uetliberg? Im Pool des Luxushotels Atlantis beim Triemli, der nicht nur viel Platz zum Schwimmen bietet, sondern auch mit Massagedüsen ausgestattet ist, geht das. Für 64 Franken kann man sich wochentags von 11 bis 16 Uhr einmieten und bekommt erst noch einen «Light Lunch». Ausgestattet mit Pantoffeln, Bademantel und einer Kokosmilch direkt aus der Nuss, fühlen wir uns bei flirrender Hitze wie internationale Jetsetter. (cs)

Hotel Atlantis, Döltschiweg 234
www.atlantisbygiardino.ch


Tuk-Tuk-Tour

Eine Tour mit dem offenen Kleintaxi (1 Std. ab 39 Fr.) ist die beste Art, die Stadt kennen zu lernen. Wir sind schneller als zu Fuss, aber auch mobiler als mit dem Bus. Nur an eins müssen wir uns gewöhnen: Egal, ob wir nun durchs Dörfli oder über den Bürkliplatz düsen, überall machen die Leute grosse Augen. Unser Tuk-Tuk ist nämlich auch noch knallrot. Ein kleines Mädchen auf dem Münsterhof ist total aus dem Häuschen, erst recht, als es ein paar Meter mit­fahren darf. (ggs)

www.tuktuk.ch
(Start ab HB oder nach Absprache)


Zeltplatz

Ob an der Adria oder am Zürichsee: Das Gefühl von Ferien stellt sich sofort ein, egal, wo man vor einem Zelt sitzt. Besonders schön ist es vor den grosszügigen «Glamping»-Safarizelten auf dem Camping in Wollishofen. Nach einer Nacht im komfortablen Doppelbett inklusive Champagner (150 Fr./2 Pers.) könnten Stadt und Alltag weiter weg kaum sein. Unbedingt Badehose einpacken, der morgendliche Sprung in den See ist besser als jede Luxus-Regendusche und jedes Spa. (aho)

Fischer's Fritz Camping, Seestr. 559
www.fischers-fritz.ch


Limmatschiff

Mitfahren können 51 Personen. Die Plätze auf den Schiffen sind begehrt, und darum: früh an der Anlegestelle beim Landesmuseum sein. An heissen Tagen empfiehlt es sich ausserdem, ­etwas zu trinken mitzu­nehmen. Auf der einstündigen Fahrt gehts unter Brücken hindurch. Mächtig wirkt das Grossmünster, verträumt die Altstadt. Das gemächliche Tempo, die Aussicht, das Schaukeln. Ein deutscher Tourist meint: «So stellt man sich die Schweiz vor.» (nia)

www.zsg.ch


Polybahn

Wo war gleich der Eingang? Sogar als Stadtbewohnerin kann man schon mal vergessen, wos zu dieser Standseilbahn geht. Hat man die roten Schwingtüren am Central erst wiedergefunden und ein ZVV-Ticket gelöst, steht der wenige Minuten dauernden Nostalgiefahrt zur Polyterrasse nichts mehr im Weg. Am schönsten ist es vorne, draussen, wo einem der Wind um die Nase weht und die Aussicht am besten ist. Ach Zürich, denkt sich die Reisende, hübsch bist du. Nicht immer, aber hier, jetzt. (ish)

www.polybahn-zürich.ch
So und allgemeine Feiertage kein Betrieb


Afternoon-Tea

Die Orte, an denen man in Zürich so richtig zur Ruhe kommt, sind rar. Wir finden diese beim Afternoon-Tea im Baur au Lac. Wenn «Monsieur», als er es sich im Sessel bequem gemacht hat, nach seiner Tee-Präferenz gefragt wird, entweicht der Stress augen­blicklich. Die nächsten zwei Stunden zerrinnen gaaanz langsam. Und das ist gut so. Wir geniessen sie im ruhigen Zwiegespräch, mit den leckersten Tees à discrétion und einer Etagere mit süssen und salzigen Köstlichkeiten, die nie auszugehen scheinen (69 Franken / Person, 82 Franken mit Cham­­pagner). (ebi)

Baur au Lac, Talstr. 1, www.bauraulac.ch
Reservierung 48 Stunden im Voraus


Prime Tower

Kratzt es uns, dass der Roche Tower in Basel höher ist? Nicht die Pille (also die Bohne)! Denn touristisch ist das Ding wertlos – da sind nur Büros drin. Unser Grösster aber, der Prime Tower, der hat das «Clouds». Im Klartext: eine Panorama-Aussichtsebene mit Bar, Bistro oder Smoker’s Lounge. All das Top of the City, auf über 120 Meter Höhe! Und wenn der Touri dann da oben hockt, an der Stange nippt, Nüssli knabbert und die Schäfchenwolken betrachtet, denkt er: «Züri ischs Geilschte, Mann!» (thw)

Hardstr. 201
www.primetower.ch


Bauschänzli

«Das sind sicher alles Stammgäste», flüstert meine Begleitung. Doch sind die allesamt entspannten Familien, Hunde und Touristen wirklich regelmässig auf der Insel? Ich war jedenfalls noch nie auf dem Bauschänzli. Eigentlich schade. Ein hübscher Ort für das Feierabendbier: Der Postkarten-Ausblick entzückt auch dann, wenn man ihn von seinem Arbeitsweg gewohnt ist. (evh)

Stadthausquai 2
www.bauschaenzli.com


Fonduebeiz

Wie ein Fondue bei 35 Grad schmeckt, wissen nur Touristen. Schliesslich essen im Sommer nur sie die Spezialität. Höchste Zeit also, selbst im Topf zu rühren. Dafür setzen wir uns vor die Swiss Chuchi im Niederdorf. Unsere Nachbarn verdrücken gleichzeitig ein Fondue chinoise und ein Käsefondue. Euch muss ich ja nichts erklären, sagt der Kellner, als er merkt, dass wir Locals sind. Das Fondue ist gut, aber sicher besser, wenn man es aus der Kälte kommend geniesst. (moi)

Swiss Chuchi im Hotel Adler, Rosengasse 10
www.hotel-adler.ch


Chinagarten

Im Teich glitzern Koi-Fische, Widenbuseli schweben sanft auf den Rasen, aufeinanderprallende Bambusrohre spielen die Musik, zwei Freundinnen unterhalten sich vertraulich im Schatten des Rundpavillons – mitten auf der Insel der Unsterblichen, mitten im Zürcher Seefeld und gleichzeitig wie mitten in einem fremden Land. Ein Kung Po – Reis, Cashewnüsse, Ananas, Zwiebeln, Peperoni – bringt Asien auf die Zunge. Das ist die billigste Chinareise, die es für schlappe 4 Franken gibt; das Kung Po kostet 13.50. (rar)

Bellerivestr. 144
www.chinagarten-zuerich.ch


Uetliberg

Meine Freundin und ich haben einen Couchsurfer aus Ungarn bei uns, kurzerhand nehmen wir ihn mit auf den Uetliberg. Dort steigen wir auf den Aussichtsturm neben dem Uto Kulm. Die fünf Franken Eintritt spendier ich unserm Gast, er ist eh schon entsetzt wegen der Preise in der Schweiz. Der Rundumblick übers Land ist dafür auch spektakulär, einiger Regenwolken zum Trotz. Und der Höhenflug geht anschliessend weiter, als wir den Planetenweg abgehen und Erinnerungsfotos mit Venus, Saturn und Co. machen. (ggs)

Aussichtsturm: Täglich 8--24 Uhr.

Erstellt: 26.07.2019, 15:30 Uhr

Artikel zum Thema

Zürich ist in den Ferien, wenn ...

Wer derzeit mit offenen Augen durch die City radelt, findet da und dort Indizien dafür, dass unsere Stadt definitiv im Urlaubsmodus angekommen ist. Mehr...

Der Weg zum perfekten Sommerbuch

Endlich Zeit zum Lesen! Aber was? Mit unserem Online-Bücher-Tool gelangt man mit wenigen Klicks zur passenden Lektüre. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...