30-Franken-Sushi für 9.90

Mit der App Too Good to Go kann man übrig gebliebene Lebensmittel in Restaurants und Take-aways retten. Ein Erfahrungsbericht.

Das Essen ist bereit: Übergabe im Simply Soup.

Das Essen ist bereit: Übergabe im Simply Soup.

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Donnerstag, 7.11.

Ab sofort bin ich Mitglied im Lebensmittel-Rettungsclub Too Good to Go. Die in Dänemark entwickelte App wird dank einer Tochtergesellschaft in Zürich auch hierzulande immer beliebter. Sie ist ein Beitrag gegen Food-Waste und ein Freipass zu günstigem Essen. Man lädt dafür die App aufs Handy, hinterlegt Zahlungsdaten, gibt den aktuellen Standort ein und sieht sofort, wo und wann in nächster Nähe Essen übrig ist. Das kann in Restaurants, aber auch in Hotels, Take-aways oder Lebensmittelmärkten sein.

Meist lässt sich das Essen nur innerhalb von 30 Minuten zu Randzeiten holen, also nach 14 oder 21 Uhr, was mir aber passt, da ich gerne spät esse. Ich entscheide mich für den Suppenladen Simply Soup nahe der Redaktion. Um 14 Uhr werde ich von einer netten Asiatin empfangen, die meine Bestellung prüft und mir ein Überraschungs­päckli aushändigt. Was man bei Too Good to Go bekommt, weiss man in der Regel nicht – kommt darauf an, was übrig bleibt.

Auch das ist für mich als neugierige Alles-Esserin ein Pluspunkt. Zu Hause finde ich in der Papiertüte Suppe, Salat und Birchermüesli. Die drei Sachen haben 9 Franken 90 gekostet – allein der Salat hätte einen Wert von 13 Franken. Ich stelle alles kühl und esse die Sachen am Abend, so muss ich nicht kochen – praktisch! Besonders gut schmeckt mir die Hirsesuppe, die mich an die Kindheit erinnert.

Die Beute: Suppe, Salat, Birchermüesli.

Freitag, 8.11.

Ich bin schon jetzt Too-Good-to-Go-süchtig. Ständig checke ich mein Handy, um zu schauen, wo ich was abholen könnte. Schnäppchenfieber nennt man das. Schliesslich ist kaum eine Portion teurer als 10 Franken. Mein Freund nervt sich, weil ich ständig von der App schwärme («die beste Erfindung seit dem Velo!»). Ich erweitere den Suchradius auf ganz Zürich und stosse auf Adressen, von denen ich noch nie gehört habe. Orientcatering am Weinbergfussweg? Kannte ich nicht.

Auffällig ist auch, wie viele Sushi-Lokale ihre Reste loswerden wollen. Offenbar ist es dort besonders schwierig, die Menge abzuschätzen. Weil ich abends eine Reise vor mir und Lust auf einen Snack habe, hole ich um 16.45 Uhr in der Cafébar Just Coffee übriges Gebäck. Ein Paar findet sich mit mir ein, um Reste zu holen. Weil nur noch wenig da ist, dürfen wir unser Fresspaket selber zusammenstellen. Das Paar will die letzte Linzertorte, ich die Spinatwähe. Deal. Dass man nicht nur Essen rettet, sondern auch mit fremden Leuten ins Gespräch kommt, beglückt mich. Um 22 Uhr hole ich Sushi im Wert von 30 Franken für 9 Stutz 90 bei Negishi.

Essen auf Abruf: Ausgabe im Just Coffee.

Sonntag, 10.11.

Sonntag ist Brunchtag, deshalb gönne ich mir ein Frühstück von einem Hotelbuffet. Im Fünfsternhotel Atlantis ist eine Portion übrig, die ich bereits am Samstag reserviert habe. Weil das Atlantis nicht um die Ecke liegt, fahre ich mit dem Auto Richtung Triemli. Shame on me – etwas gegen Food-Waste machen und dann Auto fahren ist natürlich übel. Dafür verzichte ich auf eine Tasche, um das Frühstück mitzunehmen. Diese Essensportion für 9 Franken 90 macht mir besonders Freude und enthält Brötchen, frisch marinierten Lachs, Porridge oder Oliven. Die Portion reicht locker für zwei Personen; abends verputzen wir den Käse zu Gschwellti.

Für jede Tageszeit: Brunch aus dem Hotel Atlantis.

Montag, 11.11.

Ich habe etwas zugenommen, weil ich als Lebensmittelretterin natürlich alles andere als Food-Waste generieren will. Zu Hause häufen sich Resten von den Resten. Weil es jetzt auch nicht mehr drauf ankommt, hole ich um 14 Uhr in der Lasagneria eine Portion Vegi-Lasagne (7.90 Fr.). Ich wärme sie abends auf, sie schmeckt mir nicht. Vielleicht ist es an der Zeit, wieder mal selber zu kochen. Das stete Abholen von Resten hat mir so klar wie noch nie vor ­Augen geführt, in welchem Überfluss wir leben und welcher Irrsinn das ist. Allein dafür lohnt es sich, ab und zu die App zu gebrauchen.

Das letzte Testessen: Lasagne.

www.toogoodtogo.ch

Erstellt: 14.11.2019, 18:28 Uhr

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