«Das Zürcher Weinland wird unterschätzt»

Patrick Thalmann hat das Zürcher Weinland mit seiner Winzerei zur Metzg wieder ins Gespräch gebracht. Wenn es sein muss, zieht er für seine Weine auch die Boxhandschuhe an.

Findiger Geist: Patrick Thalmann (r.) mit Gastwinzer Hans Schwarz am Winzerbattle im Hotel Kameha Grand.

Findiger Geist: Patrick Thalmann (r.) mit Gastwinzer Hans Schwarz am Winzerbattle im Hotel Kameha Grand. Bild: Sabina Bobst

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Zwei Winzer mit Boxhandschuhen im Ring – wie kommt es zu dieser Konstellation?
Weil das herkömmliche Wine and Dine nicht mehr zieht, habe ich beschlossen, ­sogenannte Winzerbattles auszurichten. Dafür lade ich jeweils einen befreundeten Winzer ein, der wie ich zu jedem Gang des Dinners einen Wein aussucht. Die Gäste entscheiden Runde für Runde, wer die Nase vorn hat. Die letzte Austragung im Kameha Grand in Opfikon gegen den burgen­ländischen Topwinzer Hans Schwarz endete ­remis, ich gewann mit etwas Glück das Stechen.

Im Boxring?
Am Töggelikasten. Und sicherlich hatte ich bei der Weinverkostung einen kleinen Heimvorteil. Mein Respekt vor Hans Schwarz war und ist enorm. Er ist ein ganz hervorragender Winzer mit authentischen Weinen.

Sie offenbar auch. Ihre Weine haben in Fach­magazinen sehr hohe Wertungen erzielt und stehen in ausgezeichneten Lokalen auf der Karte.
Ja, das Zürcher Weinland wird oft unterschätzt. Es gibt grossartige Lagen dort. Wer weiss zum Beispiel schon, dass der Ort mit den meisten Sonnenstunden im Kanton nicht irgendwo an der Goldküste liegt, sondern im Weinland?

Warum haben Sie sich Schwarz als Gegner ausgesucht?
Weil uns eine Menge verbindet. Wir sind zwei Quereinsteiger: Hans war Metzger, ich im Fondsgeschäft. Ausserdem gehen wir beide bei unseren Weinen eigene Wege. Mit einem im Eichenfass ausgebauten Sauvignon blanc etwa.

Muss man eigenwillige Sachen machen, um sich als neue Kraft im Markt zu behaupten?
Man muss wie überall sonst gute Produkte anbieten. Aber klar, es schadet nicht, wenn man sich abhebt. Es gab im Zürcher Weinland schon vorher ausgezeichnete Weine, auch deshalb war für mich klar: Ich suche mir hier meine Nischen.

Ihr Portfolio ist inzwischen ganz schön breit, reicht vom spritzigen Secco bis zum Kirschberg, einem spontan vergorenen, unfiltrierten Pinot noir aus alten Reben, der 22 Monate in französischer Eiche reift.
Frauen mögen tendenziell lieber Schaumwein, Männer Pinots. Das kann ich als Produzent nicht ignorieren.

Wie vertreiben Sie Ihren Wein?
Primär über den Fachhandel. Dazu an unserem neuen Standort in Mar­thalen. Dort können die Kunden so einkaufen, wie ich mir das auch wünsche.

Das heisst?
Erst einmal gibts ein Glas Schaumwein oder auf Wunsch einen Kaffee an der Bar. Auch ein schönes kaltes Plättli kann man essen, ehe man sich ans Aussuchen des Weins macht. Ich würde dies Shopping mit ­persönlicher Note nennen.

Konzentriert sich das Angebot auf Ihre eigenen Weine?
Es gibt alle Weine und Jahr­gänge der Winzerei Zur Metzg. Aber auch meine Favoriten von befreundeten Winzern. Die Süssweine von Hans Schwarz etwa bieten ein fantastisches Preis-Leistungs-Verhältnis. Sein Schwarz Rot, ein reiner Zweigelt mit unheimlicher Dichte und Struktur, begeistert mich stets von Neuem.

Winzerei zur Metzg
Sa 13–17 Uhr (ab 24.2.)
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.02.2018, 15:55 Uhr

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