Den Zigarrenfälschern auf der Spur

Peter Burri liebt kubanische Zigarren – und hasst deren Fälschungen. Seine Expertise stellt er in den Dienst aller Aficionados.

Echt oder gefälscht – das ist bei Zigarren leider immer öfter die Frage. Bild: iStock.

Echt oder gefälscht – das ist bei Zigarren leider immer öfter die Frage. Bild: iStock.

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Für den ungeübten Betrachter ist eine Zigarre einfach eine Zigarre, zusammengerollte Tabakblätter mit einer dekorativen Banderole. Diesen Fakt machen sich Fälscher zunutze. Und das nicht zu knapp. Peter Burri, passionierter Zigarrenraucher und Betreiber des Instagram-Accounts Cigar_Review_Pro, schätzt, dass von gewissen Sorten fast alle hierzulande kursierenden Exemplare gefälscht sind.

Das Fälschen ist ein überaus lukratives Geschäft. Der Listenpreis für eine einzelne Cohiba Behike 56, die als Rolls-Royce unter den Zigarren gilt, beträgt stolze 63.80 Franken. Zudem sind diese Preziosen eigentlich fast nicht zu bekommen, was die Bereitschaft der Enthusiasten steigert, beim Kauf ein Risiko einzugehen.

Fotos mit dem Super-Zoom

Früher agierten die Missetäter noch einigermassen plump, heute achten sie meist auch auf Details wie die Sicherheitshologramme. Viele Fälschungen lassen sich deshalb vor dem Rauchen nur mittels peinlich genauer Überprüfung der Banderolen erkennen. Burri fotografiert diese jeweils mit dem Super-Zoom und vergrössert die Bilder danach auf dem Computer. Beispiele dieser Arbeit werden in Kürze auf seiner Website zu sehen sein.

Ironischerweise unterlaufen Fälschern, die sonst extrem genau arbeiten, bisweilen anfängerhafte Fehler. Etwa bei der Anordnung der Zigarren in der Box. Die dunkelste Zigarre muss immer ganz links in der Schachtel liegen, je weiter nach rechts es geht, desto heller werden die Deckblätter.

«Sicherheit bieten die offiziellen Händler, die ihre Zigarren über Intertabak beziehen», sagt Peter Burri, der auch schon beim Rauchen der vermeintlichen Schätze Fälschungen entdeckt hat. Bei offiziellen Händlern sind allerdings nicht alle Raritäten zu haben.

Burri, der selber nebenbei Zigarren vertreibt, gibt für die von ihm ausgelieferte Ware eine hundertprozentige Echtheitsgarantie ab. «Hasta la verdad siempre» lautet sein vom kubanischen Revolutionsslogan «Hasta la victoria siempre» abgewandelter Wahlspruch. Er verzichtet darum derzeit darauf, mit Cohiba Behikes oder den meisten Editiones Limitadas anderer Marken zu handeln.

«Viele Männer rauchen Zigarren ja nicht des Genusses wegen»

Zum Glück besteht der Alltag des Experten nicht nur aus dem Suchen nach Fälschungen, sondern vor allem auch aus dem Geniessen. Burris Geheimtipp ist die Montecristo Petit Edmundo, mit einem 52er-Ringmass für ihre Länge ein aussergewöhnlich dicker Kerl. «Sie beschert einem vom ersten Zug an ein unheimlich intensives Aroma, wird aber von den meisten Zigarrenrauchern verkannt, weil sie nicht so spektakulär aussieht wie andere Produkte. Viele Männer rauchen Zigarren ja nicht des Genusses wegen, sondern um in Bars als tolle Hechte aufzufallen.»

Einsteigern rät der Profi allerdings nicht zu Petit Edmundos oder den von ihm persönlich ebenfalls sehr geschätzten Ramon Allones Gigantes, sondern zu sanfteren Zigarren wie jenen der Marke Quai d’Orsay. «Beim Wein würden diese etwa einem leichten Bordeaux entsprechen.»

Cremeschnitten als Begleitung? Aber sicher!

Viel hängt bei Zigarren von der richtigen Lagerung ab. Ideal ist laut Burri nicht unbedingt ein Humidor, sondern ein Weinkeller mit rund 18 Grad Temperatur und einer Luftfeuchtigkeit um 70 Prozent, in welchem die Zigarren in der Originalkiste gelagert werden. «Bei einem Humidor besteht die Gefahr, dass er nicht richtig gewartet wird. Dann sind die oben gelagerten Zigarren furztrocken und die unteren wie nasse Waschlappen. Im Weinkeller sind die Bedingungen stabiler.»

Wer sich über Zigarren so viele Gedanken macht wie Peter Burri, kommt bisweilen natürlich auch auf etwas seltsame Ideen. «Ich suche zum Beispiel immer wieder nach Speisen und Getränken, die zu meinen Rauchwaren passen», sagt er. «Als Perfect Match hat sich die Kombination von Ramon Allones Gigantes und Cremeschnitten herauskristallisiert, als besondere Scheusslichkeit Blutorangensaft zur Zigarre.»

www.cigar-review-pro.ch (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.04.2018, 15:22 Uhr

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