Der grosse Glacetest

Jahr für Jahr gibt es in Zürich mehr Gelaterias – wir haben die neusten getestet.

Süsses für Zürichs Schleckmäuler: Die Gelateria-Tipps im Video.
Video: Ryan Neukomm/Wibbitz

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Lange ging in Sachen Gelati wenig in Zürich. Zwar gibt es Pioniere wie Sorbetto oder Amore Mio, die seit Jahren selber Eis herstellen; und auch Confiserien wie Stoller, Vollenweider oder Caredda verkaufen schon länger eigene Glaces. Gelaterien aber, Orte also, wo man nur Gefrorenes kaufen kann, gabs kaum. Das hat sich in den letzten zwei, drei Jahren geändert. Seit uns die Berner der Gelateria di Berna gezeigt haben, wie das Anstehen geht, explodieren die Eisläden förmlich. Wir haben die neusten getestet.

Die LustigeHimu & Höll
Kornhausbrücke 4
www.himuundhoell.ch

Viel Holz und Glace aus Biomilch: Himu & Höll.

So sind die Glaces: Wir probieren Vanille, die eher nach Milch als nach dem Gewürz schmeckt. Die Biomilch sämtlicher Glaces stammt vom Hof der Familie Badertscher aus der Oberaargauer Gemeinde Madiswil. Himu & Höll verkauft nämlich ausschliesslich Sorten des Oltner Glaceherstellers Kalte Lust.

So sind die Sorten: Abgesehen von jener aus Turicum-Gin oder Whisky ist das Angebot recht klassisch. Einige Sorten wie Haselnuss oder Pistazie gibt es auch vegan.

Einge Sorten gibt es auch vegan.

So wird man bedient: Wir sind beim Test an einem Regentag alleine; die Bedienung ist nett und zurückhaltend.

So ist das Lokal: Auf dem Boden ist ein Himmel-und-Hölle-Spiel aufgezeichnet, auf der Galerie des mit Holz ausgekleideten Raumes gibt es viele Sitzplätze. Überall gibt es lustige Sprüche zu entdecken; auf dem Werbeschild draussen steht «Leck mich doch», und es gibt Postkarten mit den zehn Geboten der Gelateria. Eines davon lautet: «Du sollst dich regelmässig zu uns bewegen.»

So viel kostet der kleine Becher: 3.50 Fr. (1 grosse Kugel)


Die FarbigeHasta Ice Cream
Zwingliplatz 3
www.hasta.ch

Sommerfeeling beim Grossmünster: Hasta Ice Cream.

So sind die Glaces: Dass sämtliche Zutaten frisch sind und nicht aus Basismischungen oder Konzentraten stammen, schmeckt man sofort. Wir probieren eine schwarze Sesam-Glace, die leicht salzig und recht einzigartig schmeckt.

So sind die Sorten: Exklusiv! Mit Chai Latte, Ingwer oder Kulfi, einer indisch inspirierten Kreation aus Kardamom, Mandeln und Pistazien, stossen wir gleich auf drei neue Sorten.

Hier werden nur frische Zutaten verwendet.

So wird man bedient: Der junge Mann mit Französischakzent gibt ausführlich Auskunft über den Namen der Gelateria mit dem bunten Logo: Hasta steht für Heladeria Argentina-Suiza Totalmente Artisanal. Der Gründer aus dem Wallis hat länger in Argentinien gelebt und dort begonnen, Eis herzustellen.

So ist das Lokal: Die neu eröffnete Gelateria befindet sich an Top-Lage gleich beim Grossmünster. Gelb gestrichene Wände sorgen für Sommerfeeling, und für jede Glacesorte hängt eine Beschreibung an der Wand. Drinnen hats Tische, draussen ein Bänkli.

So viel kostet der kleine Becher: 4 Fr. (1 grosse Kugel)


Die InnovativeGelateria di Berna
Weststr. 196
www.gelateriadiberna.ch

Der Berner Import: Gelateria di Berna.

So sind die Glaces: Am Brupbacherplatz gibts auffallend schnell schmelzende Sorten aus frischen Zutaten mit mittelfester Konsistenz. Sämtliche Milchglaces enthalten Biomilch.

So sind die Sorten: Ob Salbei-Himbeer, Matcha-Bergamotte, Alpenminze-Schoggi oder Panna cotta – die Berner stehen für die grösste Auswahl an ungewöhnlichen Sorten und ständig wechselnden Aromakombinationen. Über 20 Sorten sind im Angebot.

Ungewöhnliche Sorten: Salbei-Himbeer und Schokoladen-Sorbet

So wird man bedient: Die stadtbekannte Warteschlange hält sich an diesem warmen Mittwoch um 15 Uhr in Grenzen – wir warten nur vier Minuten. Leider ist das kleine Becherchen, das uns die junge Frau mit zwei Riesenkugeln füllt, viel zu klein. Die Glace schmilzt sofort, quillt über und versaut unsere Hände.

So ist das Lokal: 2010 in Bern von fünf Quereinsteigern gegründet, sorgt die Gelateria nicht nur in der Hauptstadt, sondern seit letztem Sommer auch in Zürich für rekordmässige Schlangen. Hinter der Theke des Lokals mit Blumentapete schliesst direkt ein «Glacelaboratorio» an. Sitzplätze sind nicht vorhanden; die Kunden setzen sich draussen auf die öffentlichen Bänkli. Fun Fact: Neben Glaces werden auch Stifte aus einer aufgelösten Sammlung verkauft.

So viel kostet der kleine Becher: 3.50 Fr. (2 Kugeln)


Die ExklusiveEisvogel
Ottostr. 5
www.zentrale.ch

Aussen unscheinbar, innen die vielleicht beste Glace der Stadt: Eisvogel.

So sind die Glaces: Nicht wenige sagen, dass Tine Gia­ccobo (vormals Restaurant Alpenrose) in ihrer «Zentrale für Gutes» die beste Glace der Stadt mache. Es ist in der Tat erstaunlich, wie sie die maximale Geschmackspower einer Frucht oder Schoggi in eine Kugel Gefrorenes packen kann.

So sind die Sorten: Auf die Besucher wartet eine stets wechselnde Auswahl aus sechs cremigen Sorten. Bei unserem Besuch gabs Stadthonig, Himbeer-Erdbeer oder Nektarine.

Mit Biskuit: Beereneis.

So wird man bedient: Eine nette Begrüssung muss man sich als Novize bei der Chefin zuerst verdienen; auf Stammkunden wartet dafür ein extralanges Schwätzchen. So ist das Lokal: Das Ecklokal ohne Sitzplätze bei der Josefwiese ist mit Vintageobjekten ausgestattet.

So viel kostet der kleine Becher: 3.50 Fr. (1 grosse Kugel)


Die SchöneGelateria Tellhof
Tellstr. 20
www.gelati-tellhof.ch

Die schönste Gelateria Zürichs: Gelateria Tellhof.

So sind die Glaces: Hier werden die Gelati des Italieners Paolo Palumbo verkauft. Zürcher kennen die Amore-Mio-Produkte aus Oberhasli auch vom «Gelati am See»-Glacewagen. In der Konsistenz mittelmässig cremig, überzeugen die Glaces mit authentischem Geschmack.

So sind die Sorten: Aus dem Angebot (ca. 20 Sorten) stechen Highlights hervor, etwa schwarzer und weisser Sesam. Aussergewöhnlich gut sind die Sorbets. Unser Favorit: Blutorange. Es gibt sogar Spaghetti-Eis und mit Glace gefüllte Brioches.

Mässig cremig, aber authentischer Geschmack: die Glaces von Tellhof.

So wird man bedient: Überaus herzlich – und für jeden Gast gibts zusätzlich zur Kugel ein «Probiererli», auf Wunsch auch Toppings. Kinder erhalten ein Deko-Plastiktierli.

So ist das Lokal: Der Tellhof ist die schönste Gelateria Zürichs. Im Innern stehen Holztische und Stühle; Bücherregale und Pflanzen sorgen für Wohnzimmeratmosphäre. Sogar ein Kindertisch, Spielzeuge und ein Wasserhahn, der mitten im Raum eingebaut ist, um sich die Hände zu waschen, sind vorhanden.

So viel kostet der kleinste Becher: 3 Fr. (1 Kugel)


Die AuthentischeRosso Arancio
Stauffacherstr. 37
www.rosso-arancio.ch

Wie in Italien ganztags geöffnet: Rosso Arancio.

So sind die Glaces: Was ihre Konsistenz angeht, sind die Glaces der neusten Gelateria der Stadt kaum zu schlagen: Sie sind extrem luftig und cremig – genau so, wie wir das aus Italien kennen. Hergestellt werden sie von Jimmy Begaj vor den Augen der Gäste: An der Theke werden sie in kleinen Kübeln gemischt und gefroren.

So sind die Sorten: Besonders gut sind Klassiker wie Pistazie oder Erdbeere, daneben gibt es täglich wechselnde Sorten, etwa Sellerie – eine Entdeckung.

Zu empfehlen: Der Klassiker Erdbeere.

So wird man bedient: Beim Besuch am Nachmittag ist niemand da. Wir dürfen in Ruhe 5 der über 20 Sorten degustieren. Das Kind wird freudig begrüsst und bekommt eine Kugel zum Spezialpreis von 2 Franken.

So ist das Lokal: Eher klein, mit einer Sitzecke am Fenster. Wie in Italien ist die Gelateria im Sommer ganztags geöffnet, weil der kühlende Snack dort zur Haupternährung zählt.

So viel kostet der kleine Becher: 3.50 Fr. (1-2 Kugeln)


Die HektischeDieci
Niederdorfstrasse 40
diecigelato.ch

Hier gibt es neben Glaces auch Pasta: Dieci.

So sind die Glaces: Wie Leonardo gehören die Glaces der italienischen Dieci-Kette zu den ersten Gelati Artigianali, die vor 20 Jahren Zürich erobert haben. Hergestellt werden sie in Rapperswil-Jona. Eher süss und in der Konsistenz nicht allzu luftig, haben uns die Glaces nicht vom Hocker gehauen.

So sind die Sorten: Die Vielfalt ist gross, die Innovation weniger: 24 Sorten mit bekannten Geschmäckern wie Melone, Joghurt oder Waldfrüchten stehen bereit.

Der kleinste Becher ist zu klein für zwei Sorten, deshalb mussten wir auf einen grösseren ausweichen.

So wird man bedient: Zur Mittagszeit hat man es als Glacefan nicht einfach: Neben der Glacetheke wird auch Pasta verkauft; die Stimmung ist hektisch. Man muss sich ein paar Minuten gedulden, bis alle Kunden bedient sind, die Pasta wollen. Auch nicht angenehm ist, dass beim Warten die Hitze der Küche nach aussen dringt. Das kleinste Becherli ist so winzig, dass auf keinen Fall eine zweite Portion drin Platz hat; wir müssen auf die nächste Grösse für 5 Franken ausweichen.

So ist das Lokal: Vor dem Hotel Alexander, wo sich die Gelateria befindet, hat es ein paar Sitzplätze.

So viel kostet der kleine Becher: 3.50 Fr. (1 Kugel)


Die PionierinSorbetto
Neptunstrasse 49

Die Filiale in Wipkingen ist mittlerweile geschlossen.

So sind die Glaces: Seit über 20 Jahren macht Heinz Entzeroth Glace, das wenn möglich aus biologischen und regionalen Zutaten besteht. Entzeroth versteht sein Handwerk – sein Produkt schmeckt seit Jahren konstant gut, wie die vielen Abnehmer von Globus bis zum Welschland-Laden wissen. Die Schoggi-Variante mag für einige etwas gar kompakt und schwer sein.

So sind die Sorten: Die acht Sorbets und neun Milchglaces, darunter Zitronen-Limette und Sauerrahm, sind mittlerweile Stadtklassiker. Nur kurz erhältlich: Holunderblütensorbet.

Gibt es seit über 20 Jahren: die Glaces von Sorbetto.

So wird man bedient: Die Berner Konkurrenz machts vor und bedient den Zürcher auch spätabends. All’italiana. Sorbetto beharrt hingegen auf strikte Büroöffnungszeiten. Die Filiale in Wipkingen ist mittlerweile geschlossen worden.

So ist das Lokal: Das Lokal in Wipkingen mit hübscher Holzterrasse sieht nach Sommer aus und lädt ein, länger zu bleiben. Innen hats eine gemütliche Sitzecke. Der Kafi ist vorzüglich.

So viel kostet der kleine Becher: 3.80 Fr. pro Kugel.


Die KlassischeLeonardo
Einkaufszentrum Sihlcity, Kalanderplatz 1
Einkaufszentrum Glatt, Neue Winterthurerstr. 99

Wers klassisch mag, ist hier richtig: Leonardo.

So sind die Glaces: Leonardo Perizzato war einer der ersten Italiener, der vor knapp 20 Jahren auf handwerklich hergestellte Glaces im italienischen Stil setzte – zu dieser Zeit dominierte noch Mövenpick. Mittlerweile gibt es seine Gelati auch vor dem Globus Bellevue und in unzähligen Restaurants. Die Sorbets schmecken angenehm natürlich; die Himbeerglace, die wir testen, «chrost» authentisch dank der vielen Himbeerkerne. Die Schoggi ist eher fest und nicht allzu luftig.

Neben den Milchglacesorten gibt es auch fruchtige Varianten.

So sind die Sorten: Bei den spezielleren Sorten setzt Leonardo vor allem auf Milchglacesorten auf Guetsli-Basis, etwa Oreo und Cookies. Auch Ovomaltine gibt es.

So wird man bedient: Von zwei freundlichen Italienerinnen.

So ist das Lokal: Eine Kaffeebar inklusive Tee- und Weinkarte lädt im leider etwas dunklen, weil fensterlosen Raum zum Sitzen ein; es laufen Italohits, und man blickt auf die Sihlcity-Shopper. Bereits um 9 Uhr geöffnet, kann man sich wie im Rosso Arancio schon zum Frühstück eine Glace gönnen.

So viel kostet der kleine Becher: 3.50 Fr.

Erstellt: 14.08.2019, 16:55 Uhr

So haben wir getestet

Für den Test kamen auschliesslich klassische Gelaterie mit Produktionsstandort in der Region Zürich auf die Liste. Cafés und Confiserien wie Caredda, Hasta, Vollenweider oder Sprüngli, die ebenfalls Glace produzieren, wurden nicht berücksichtigt. Wenn immer möglich (wenn die Sorte vorrätig war), haben wir eine Kugel Erdbeer und Schoggi, sowie eine Spezialsorte degustiert.

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