Italianità plus

Pizza und Pasta werden in Zürich vielerorts angeboten. Die Detailliebe macht das neue Ristorante im Kreis 4 mit dem Namen eines südkalabrischen Dorfes besonders.

Enrico Pochiero (l.) und Francesco Nardi in ihrem kleinen mediterranen Paradies.

Enrico Pochiero (l.) und Francesco Nardi in ihrem kleinen mediterranen Paradies.

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Schon beim Aperitivo merkt der Gast, dass das Chianalea ein wenig anders tickt als herkömmliche italienische Restaurants: Statt des üblichen Proseccos kommt ein unfiltrierter, unstabilisierter Chardonnay ins Glas, den die Betreiber des Lokals selber aus dem Piemont importieren. Der Wein schmeckt ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber frisch. Er schlägt mit gerade mal 4 Franken zu Buche – und passt perfekt zum Antipasti-Teller (16.50 Fr.), auf dem zwei Sorten Käse, mehrere Wurstwaren und in Öl eingelegtes Gemüse liegen. Die Brötchen dazu kommen frisch aus dem Ofen.

Francesco Nardi und Enrico Pochiero haben das 24-plätzige Ristorante Mitte April eröffnet. Nardi kümmert sich um die Buchhaltung und hilft als Servicekraft aus; Pochiero ist gelernter Koch und steht am Herd. Der Name Chianalea ist einem südkalabrischen Fischerdorf entlehnt, wo die beiden Gastgeber ihre familiären Wurzeln haben. «Alle Häuser dort sind aus Holz oder aus Stein», sagt Francesco Nardi, «diese beiden Materialien prägen darum das Interieur unseres Ristorante.»

Selbstredend ist auch die Speisekarte kalabrisch beeinflusst. Es lohnt sich etwa, einen Teller Fileja zu bestellen – liebevoll handgedrehte Pasta, die ohne Eier zubereitet und mit verschiedenen Saucen (ab 22.50 Fr.) angeboten wird. Tatsächlich schmeckt die Version mit Hackfleischbällchen so, als hätte sie die Nonna persönlich zubereitet. Beim anonymen Testbesuch überzeugte ein Teller mit grünem Spargel, Orangenfilets und gehobeltem Fenchel (12.50 Fr.) nicht minder. Die Details machen diese Vorspeise aus: Die Fencheltranchen sind mit Schnittlauch, die Orangen mit fein geschnittener Minze und die Spargeln mit Rucola verfeinert. Jedes Kräutlein hat hier seinen Platz.

Beim Hauptgang kommt Rosmarin zum Zuge: Das Gewürz liegt auf einem saftigen, perfekt auf den Punkt gebratenen Bistecca di Manzo (36.50 Fr.), das von saisonalem Gemüse und Bratkartoffeln begleitet wird. Noch ein Teller, der eindrücklich zeigt, dass es im Chianalea nicht um Chichi geht, sondern um ehrliche Kost. Der piemontesische Barbera dazu ist wie der eingangs erwähnte Chardonnay ein ungeschönter Charakterwein, den die Wirte ebenfalls selber in die Schweiz einführen (4.50 Fr. / dl).

Wer kein Fleisch oder Pasta mag, kann auf Pizza ausweichen. «In einem italienischen Ristorante gehört der Teigfladen einfach dazu», sagt Nardi, «auch wenn wir lang überlegt haben, ob wir Pizza auf die Karte nehmen sollen.» Empfehlenswert ist die Kreation Mimmo (19.50 Fr.), die mit Nduja belegt ist. Es handelt sich um eine streichfähige Schweinswurst, die wie spanischer Chorizo mit viel pikantem Chili gewürzt ist. Da kann man sich das scharfe Olivenöl schenken, das von der sympathischen Servicekraft ungefragt an den Tisch gebracht wird.

Die Desserts von Kochkünstler Pochiero sollte man keinesfalls auslassen. Ein Semifreddo della Casa mit gehackten Pistazien (8.50 Fr.) beweist endgültig, dass italienische Küche das Zeug hat, den Geniesser glücklich zu machen. Und das Essen macht im Chianalea sogar noch ein wenig glücklicher als mancherorts. (Zueritipp)

Erstellt: 13.06.2013, 12:58 Uhr

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