Neuer Fleischtempel im Niederdorf

Wie man argentinisches Rind perfekt zubereitet, weiss die Crew von «Simon's Steakhouse» beim Hirschenplatz. Allerdings ist die Hingabe nicht für alles so gross.

Fleisch steht in Simon's Steakhouse im Mittelpunkt, alles andere ist Beilage.

Fleisch steht in Simon's Steakhouse im Mittelpunkt, alles andere ist Beilage. Bild: Urs Jaudas

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Soll man einer Küche edle Fleischstücke anvertrauen, die offensichtlich nicht weiss, wie man Brot anröstet? Die Frage stellt sich angesichts des Salats mit Croûtons, der uns im Simon’s Steakhouse serviert wird. Das neue Lokal am Zürcher Hir­schenplatz ist an einem Samstagabend gut besucht.

Dem Namen gemäss stehen Fleischgerichte im Zentrum. Um im Bauch genug Platz für das 600 Gramm schwere Lomo de Argentino zu haben, beschränken wir uns auf einen «Steakhouse-Salat» (15 Fr.). Auf dem Teller liegen nun wie erwartet neben grünem Salat auch zwei gebratene Tranchen Speck, Cherrytomaten, etwas gar unreife Avocado. Nur was als Croûtons angekündigt wurde, erweist sich als Weissbrotwürfel, die offensichtlich nicht geröstet worden und noch komplett weich sind.

Perfekt gebräunt und saftig

Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Wie die Küchenmannschaft mit dem Fleisch umgeht, ist tadellos. Unser edles Stück vom argentinischen Black-Angus-Rind kommt wie gewollt «medium» auf den Tisch. Es ist aussen perfekt gebräunt, innen noch wunderbar saftig und geschmacklich hervorragend. Auch die Saucen – Chimichurri, Pfeffersauce, Béarnaise – sind gut (135 Fr. mit drei Beilagen).

Perfekte Bräune: Steak bei Simon's Steakhouse. Bild: Urs Jaudas

Wären nur die Beilagen ein wenig liebevoller geraten: Die grillierten Champignons sind weder mariniert noch sonst wie sinnvoll gewürzt worden. Den Pommes frites hätte etwas mehr Salz gutgetan. Der gedünstete Spinat ist korrekt, ja, aber auch er hätte etwas mehr Hingabe verdient. Einen zusätzlichen Schuss Olivenöl? Ein paar Tropfen Rahm? Mehr Knoblauch? Egal, die Küche müsste halt einfach zeigen, dass auch die Produkte, die das Fleisch begleiten, wichtig sind.

Die Steak-Rechnung

Noch ein Wort zur Rechnerei: Wie leider in vielen Steakhäusern sind zahlreiche Preise auf der Karte pro 100 Gramm notiert; oft gekennzeichnet mit dem Vermerk «mindestens 400 Gramm». Wieso ist es eigentlich nicht möglich, einfach den Betrag hinzuschreiben, den man am Ende bezahlt? Und die Fleischstücke dann entsprechend zuzuschneiden? Eventuell mit einem Hinweis, dass manche «Cut’s» halt nur für zwei Personen erhältlich sind? Samt Beilagen und Saucen ist man als Gast am Addieren und Multiplizieren. Den Gästen am Nebentisch ists bald zu blöd: Sie bestellen viermal einfach den Hausburger für 28 Franken.

Niederdorfstr.13
8001 Zürich
Tel. 044 260 56 46
Mo–So 11 bis 24 Uhr
www.simonsteakhouse.ch

(Züritipp)

Erstellt: 24.09.2018, 15:23 Uhr

Weitere Fleischtempel

Butcher’s Table
Gregory Knie, früher Vegi-Fan, serviert am Hegibachplatz jetzt Fleischstücke. Zirkusreif, wie hier der Wodkashot mit einem Markbeinknochen getrunken wird.
Neumünsterstr. 34 / Tel. 044 577 56 88

Rolli’s Steakhouse
Eher kurios eingerichtet, doch dieses Lokal in Oerlikon gilt seit Jahren als Geheimtipp bei Steakfans.
Schaffhauserstr. 352 / Tel. 044 311 28 80

Smith and de Luma
Neben sorgfältig gelagertem Fleisch spielt hier in der Binz auch der Wein eine Hauptrolle.
Grubenstr. 27 / Tel. 043 333 04 53

Artikel zum Thema

Diese Zürcher Japaner servieren mehr als rohen Fisch

Infografik Ramen, Gyoza, Tempura: Wo kommen Kenner auf ihre Kosten? Und was steckt hinter dem Aufschwung der Japan-Küche 2.0? Der Report mit Guide. Mehr...

Ein Koch wie aus einer anderen Zeit

Der gebürtige Nordfranzose Ludovic Pitrel sorgt im Gourmetrestaurant des Hotels Florhof für französischen Charme und eine marktfrische, elaborierte Küche. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...