Teig als Besteck und Teller

Wer eine kleine Kulturreise machen will, der besuche das äthiopisch-eritreische Restaurant Habesha im Kreis 3.

Habtemariam Tsehaye serviert seine Gerichte in Körben.

Habtemariam Tsehaye serviert seine Gerichte in Körben.

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Von aussen sieht das Lokal nicht nach Restaurant aus. Ein Wirtshausschild fehlt. Vorhänge verdecken den Einblick ins ehemalige Ladenlokal. Doch eine Schrift aus weissen Klebebuchstaben verkündet: «Habesha Restaurant».

Habesha ist der Oberbegriff für Menschen aus Äthiopien und Eritrea. Habtemariam Tsehaye ist einer von ihnen; vor einem halben Jahr hat er das Lokal übernommen. Im einen der beiden Innenräume sind Landsleute mit dem Billardspiel beschäftigt, im anderen wird gegessen.

Wir nehmen Platz auf weissen Monoblockstühlen aus Plastik, die herbeigeschafft werden, weil das Holzmobiliar schon besetzt ist. Ein gemaltes Wandbild, auf dem das Innere eines Hauses mit zwei dunkelhäutigen Frauen zu sehen ist, ziert den einfachen Raum.

Auf der mit braunem Kunstleder eingefassten Menükarte steht «Pizzeria Boccalino». Auf unsere Frage hin erklärt Tsehaye, den Umschlag habe der Wirt des Vorgängerlokals aufgetrieben. Marathon hiess dieses – auch dieser Name steht in der Karte. Manches hier scheint zufällig zu sein – aber gerade auch dadurch hat das Restaurant das, was viele vergeblich suchen: Authentizität. Tsehaye kocht, wie er uns später zeigt, in einer Miniküche auf zwei Herdplatten.

Morgens richtet er die indischen Currys ähnlichen Speisen an, die vor dem Servieren in der Mikrowelle wieder erhitzt werden. Wir bestellen eine gemischte Platte, «ein wenig von allem» genannt, sozusagen das Menu de dégustation (30 Fr. pro Person). Bald wird eine Art Hütte aufgetragen: ein Korb mit farbigem, kegelförmigem Deckel. Darin finden sich rote, grüne, braune, orange und weisse Häufchen. Sie liegen auf Teigfladen, die eine poröse, schwammartige Oberfläche aufweisen. Zusätzlich servierte Fladen zerreist man in Stücke, um damit in die Häufchen zu greifen, wie uns erklärt wird.

Jawohl, man isst mit den Fingern (auf Wunsch gäbe es auch Besteck). Injera heissen die für Äthiopien und Eritrea typischen Fladen. Tsehaye bereitet sie selbst zu, mit Hefe, Wasser und zwei für uns aussergewöhnlichen Sorten Mehl: Milo, eine Hirsenart, und Teff, ein altes Getreide, das lange nur in Äthiopien gepflanzt wurde. Der Teig lässt man gären, dann backt Tsehaye die Fladen in der Bratpfanne, Stück für Stück. Was man damit aufnimmt, schmeckt prima: Die Lamm- und Rindfleischeintöpfe sind so würzig wie die gemahlenen Erbsen und die gehackten Linsen. Am besten gefällt die dicke, rote Sauce in der Mitte: eingekochte Tomaten, mit Berbere pikant gewürzt. Und am Schluss isst man den getränkten Teig darunter, sozusagen den Teller auf. (Zueritipp)

Erstellt: 07.11.2012, 14:45 Uhr

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