Besser als Berlin

Reisen bildet – und zeigt, wie schön wir es hier in Zürich haben. Auch gastronomisch.

Sieht so eine Gastrostadt aus? Und ob!

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Zu teuer, zu unfreundlich, mal zu szenig und dann wieder zu konservativ – die Liste der Vorurteile gegen die Zürcher Gastronomie ist lang. Anderswo – Berlin wird immer wieder als Beispiel genannt – sei alles besser. Das ist, mit Verlaub, Schwachsinn. Wir sind in Zürich absolut privilegiert. Es gibt vom nostalgisch-südländischen Familienbetrieb (z.B. Pergola) mit Mittagsmenüs um die 20 Franken über die ambitionierte Quartierbeiz (Zum Alten Löwen) bis zum Sternerestaurant mit inter­nationalem Format (Ecco) eigentlich in jeder Sparte hervorragende Lokale. Dazu ganz viel Ethnoküche, ob äthiopisch (Habesha) oder japanisch (Mitsu). Jede Menge richtig gute italienische Lokale sowieso, aber auch erstklassige Bars wie Tales oder Old Crow, die europaweit bekannt sind.

Teuer sind die Restaurants in der Stadt nur, wenn man die Preise eins zu eins mit denen im Ausland vergleicht, ohne das hier wesentlich höhere Lohnniveau sowie Miet-, Waren- und Personalkosten in Betracht zu ziehen. Neidisch müssen wir höchstens auf die Wiener sein, deren Gastrokultur (alleine schon die herrlichen Suppen!) in Europa allerdings auch einzigartig ist.

Zürcher Konservativismus

Der oft bemäkelte Zürcher Konservativismus in Essensfragen ist bei Licht betrachtet gar nicht so schlecht. Er bewahrt einen vor Restaurants, die für viel Geld zwar von einer Philosophie getragene, letztlich aber substanzlose Kreationen servieren. Ich bin nicht auf Luxus-Cuts vom Rind oder edle Meeresfrüchte fixiert, aber wenn ich wie in einem Berliner Zweisternrestaurant als fünften von neun Gängen nichts weiter als ein paar Schiffchen aus halb rohen Zwiebeln mit Radieschen und einem an Gulasch erinnernden Jus vorgesetzt bekomme, fühle ich mich schon ein wenig verschaukelt. Das würde sich hier kein Lokal der gehobenen Preisklasse trauen. An den besten Adressen unser Stadt käme so etwas nicht einmal als Amuse-Bouche in die Kränze.

Darüber hinaus läuft in Zürich auch abseits der klassischen Restaurantszene eine Menge. Es gab in diesem Sommer das Wood Food am ­Letten, dazu zwei ausgezeichnete mexikanische Pop-ups (Carlito’s Güey sucht nach einer neuen Location) und immer wieder spannende Projekte in der Sobre-Mesa-Reihe von Laura Schälchli.

Und wo liegt das Zentrum der international beachteten Leaf-to-Root-Bewegung, die durch das gleichnamige Buch von Esther Kern viele Anhänger gewonnen hat? Richtig, in Zürich! Die Veganer kommen ebenfalls auf ihre Kosten: Die Marktküche oder das Elle’n’Belle sind längst etabliert, und oben im Kreis 6 bietet das Mesa jeden Mittwochabend ein veganes Menü auf Sterne­niveau an. Last, but not least planen Nenad ­Mlinarevic, der «Gault Millau»-Koch des Jahres 2016, und der Zürcher Pop-up-Pionier Valentin Diem ein gemeinsames Projekt. Wir sollten also nicht über das kulinarische Zürich meckern, ­sondern einfach mal nur dankbar sein. (Zueritipp)

Erstellt: 09.08.2017, 17:27 Uhr

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