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Blut und Popcorn – geht das?

Im Restaurant Rechberg wird Kultur mit Kulinarik gepaart. Ein kritisches Verdauungsgespräch zur Maloney-Lesung.

Michael Schacht (l.) und Heinz Margot führen durch den Maloney-Abend im Rechberg.
Michael Schacht (l.) und Heinz Margot führen durch den Maloney-Abend im Rechberg.

Isabel Hemmel: Das Kunstblut auf dem Tischtuch, musste das sein? Jemand, der kein Blut sehen kann, fällt da schon vor der Vorspeise in Ohnmacht.

Claudia Schmid: Das hat mich jetzt nicht gestört. Mich hat eher überrascht, dass das Menü kaum einen Bezug zu den zwei Krimis hatte, die gele­sen ­wurden. Immerhin gabs am Schluss Whisky für alle – Maloney ist ja leidenschaftlicher Whiskytrinker, das rauchige Rindsfilet könnte auf seine rauchige Stimme anspielen.

IH: Ich bin also froh, dass es nicht ­Randensuppe mit Blutwurst gab, nur weil Maloney in zwei Mordfällen ermitteln musste. ­Lieber weniger forciertes Entertainment als gute Unterhaltung und vor allem gutes Essen.

CS: Das Essen hier ist wirklich ausgezeichnet. Carlos Navarra, der junge Chefkoch des Rechberg, ist einer der interessantesten Köche der Stadt, finde ich. Der kocht nur mit Schweizer Produkten, die es 1837, im Baujahr des Rechberg-Gebäudes, schon gab. Broccoli oder Peperoni etwa kommen hier nicht auf den Tisch.

IH: Dafür eine wunderbare Sauce béarn­aise zum Rindsfilet im Hauptgang. Die beste, die ich je hatte. Da hätte ich mich reinlegen können.

Dazwischen gibt es zu Essen, zum Beispiel ein Rindsfilet mit Randenreduktion.
Dazwischen gibt es zu Essen, zum Beispiel ein Rindsfilet mit Randenreduktion.

CS: Ich hätte in der Sauce sogar geschlafen, wenn ich gekonnt hätte: Ich bin relativ schnell müde geworden. Die Sinne ­werden schon arg strapaziert – wegen des feinen ­Essens, aber auch wegen des Livehörspiels. Mehr als zweimal eine ­halbe Stunde Lesung hätte ich nicht ­ausgehalten, zumal ich nicht gerne drei Stunden am Tisch ­sitze. Manchmal habe ich mich dabei ertappt, wie ich ­abgeschweift bin und mich mehr auf die Popcorn konzentriert habe, die es als Zwischengang gab.

IH: Das ist ja nicht weiter schlimm. Ganz ehrlich, die Fälle sind sowieso von ­jeher reichlich absurd. Wenn man da nicht alles mitkriegt, ist das nicht so schlimm. Aber den Gästen hat es ja offenbar sehr gut gefallen.

CS: Erstaunlich, wie aufmerksam sie ­alle ­waren. Vor allem die zwei Söhne in ­Anzug, die offensichtlich ihre Mutter ausgeführt ­haben. Ich glaube, solche Abende machen sich ­viele als Geschenk.

IH: Ein gutes Dinner und unaufgeregte Unterhaltung – das ist doch perfekt. Gut auch, dass Entertainment und Essen voneinander getrennt waren. Ich mags nicht, wenn sich das durchmischt und einem dann verkleidete Schauspieler das Essen ­servieren. In der Dinnershow des Casino­theaters funktioniert das auch sehr gut. Da haben die ­Darbietungen und das Essen Niveau.

CS: Ich finde, man spürte hier sehr stark den Teamgeist. Weil eben keine Schauspieler, sondern alle vier Pächter selber serviert haben. Sogar Carlos Navarra. Der Crew ist es extrem wichtig, dass der Rechberg auch ein Kulturort ist. Die veranstalten auch Jazzkonzerte, an denen sie ein zur Musik passendes Menü servieren.

IH: Jazz ist ja nicht so meins, aber ich habe wirklich selten so gut gegessen wie im Rechberg. Einzig das Dessert hat mich enttäuscht. Es war zu süss und zu trocken.

CS: Und mir ist klar geworden, dass ich mir so schnell keinen «Maloney» mehr anhören werde. Die Krimis sind echt immer gleich aufgebaut. Lieber versuche ich dich ­davon zu ­überzeugen, mit mir das nächste Mal an ein Jazzkonzert zu gehen.

Chorgasse 20 8001 Zürich Nächstes Maloney-Krimi-Dinner: 29.4. (Anmeldung und weitere Kulturevents auf der Website)www.rechberg1837.com

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