Weshalb Pubs die besseren Bars sind

Pubs gibts in Zürich seit bald 50 Jahren. Ein Plädoyer für die unterschätzten Bars – und welches die besten sind.

Nicht alle, aber unsere liebsten Pubs in Zürich im Überblick.


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Es ist ein gewöhnlicher Mittwoch, und das Kennedy’s Pub bei der Europaallee ist kurz nach 17 Uhr bis auf den letzten Platz besetzt. Studenten von der nahen Pädagogischen Hochschule gönnen sich ein irisches Smith­wicks-Bier oder ein Pulled-Pork-Burger. Auf den Bildschirmen läuft ein Premier-League-Spiel, doch ein Grossteil der Besucher unterhält sich – nicht auf Englisch, sondern auf Deutsch.

«Die meisten unserer Gäste sind Schweizer», sagt Bart Trayers, der seit 2012 mit seiner Frau Melanie das Kennedy’s führt und gleich eins unserer Vorurteile über Pubs zerschlägt: dass da nur Expats hingehen. «Alleine von Auswärtigen könnten Pubs in Zürich nicht leben. Locals sind ebenso wichtig», sagt der gebürtige Ire aus Galway. Auch unser zweites Vorurteil, dass sich in Pubs die Leute volllaufen lassen, kann Bart Trayers nicht bestätigen. Die meisten Zürcher Gäste, sagt er, würden im Kennedy’s zwei, drei Pints trinken, etwas essen und dann am nahen Bahnhof die S-Bahn nach Hause nehmen.

1/6 Lieblingspubs: Kennedy'sEin beliebtes Pub bei der Europaallee mit speziellen Preisen für Studenten (das Mittagsmenü kostet 19 Fr.). Geführt vom Iren Bart Trayers und seiner deutschen Frau Melanie, vermittelt es, wie auch das vom Paar geführte Green Room am Limmatplatz, authentisch das irische Pub-Gefühl. Jeweils montags gibt es einen Quizabend.
Freischützgasse 14, www.kennedys.ch

Die Trayers haben sich wie viele ihrer Freunde in einem Pub in Hamburg kennen gelernt. Sie führten früher das Pub Shamrock in Wollishofen und sind wichtige Player in der noch immer wachsenden Zürcher Pub-Szene. So hat das Paar im Herbst am Limmatplatz mit The Green Room ein weiteres Pub eröffnet.

Schon am Nachmittag gut gefüllt: Das Kennedy's. Bild: Urs Jaudas

Allerdings sind sie als unabhängige Gastronomen eher die Ausnahme: Die meisten Zürcher Pubs sind Teil grösserer Gruppen. Das Oliver Twist etwa, mit bald 50 Jahren das älteste in Zürich, gehört zur Gastrag, die die Mister-Wong- oder Papa-Joe's-Restaurants betreibt; das Paddy Reilly’s zur gleichnamigen Schweizer Kette, die auch Pubs in Basel und Freiburg betreibt.

2/6 Lieblingspubs: The Lion PubDas geschmackvoll eingerichtete Pub ist unter der Woche vor allem ein After-Work-Treff; am Wochenende kommen Familien. Neben Bier, gibt es hier auch ausgewählte Spirituosen; die Desserts wie Lemon Tarte von der britisch geprägten Speisekarte stammen von der Brasserie Lipp.
Oetenbachgasse 6, www.thelion.ch

The Lion Pub beim Rennweg ist Teil der Candrian-Gruppe. Dieses entstand wie viele ältere Pubs in den Siebzigerjahren. Damals gehörten viele Liegenschaften grossen Brauereien und wurden zur Vermarktung von Biersorten genutzt. So gehörte das Gebäude, in dem sich The Lion Pub befindet, einst der Löwenbräu.

Führen auch den Green Room am Limmatplatz: Melanie und Bart Trayers. Bild: Urs Jaudas

Das gute Dutzend britischer, irischer und schottischer Kneipen, das sich in der ganzen Stadt verteilt, unterscheidet sich durch Details: Das Lion ist mit vielen goldenen Einrichtungselementen auffallend elegant und zieht am Weekend auch Familien an, im Green Room im Palais X-tra-Gebäude steht Livemusik im Vordergrund. Das Oliver Twist im Niederdorf wiederum wird gerne von jüngeren Gästen und Touristen frequentiert.

3/6 Lieblingspubs: Paddy Reilly'sDie Innenstadtlage und die vielen nahen Banken machen das riesige Paddy Reilly’s zu einem beliebten Treffpunkt für Businessleute, Touristen und Expats. Sonntags wird Braten mit Beans und Yorkshire-Pudding (29.50 Fr.) serviert, am Montag Pasta für 9 Franken.
Talstr. 82, www.paddys.ch/zurich

Ansonsten folgen die Lokale dem bewährten Mix aus Bier, Musik (Rock, Indie und Folk), Sportübertragungen, Barfood, Events wie Quizabende sowie durchgehenden Essens- und Öffnungszeiten. «Ich sage immer: Pubs sind Franchise-Unternehmen, ohne solche zu sein. Es gibt sie fast überall, und das Prinzip ist immer das gleiche», sagt Bart Trayers.

In Ländern mit heissem Sommer (und da zählt Trayers die Schweiz dazu) seien zudem Aussenplätze oder ein Biergarten unverzichtbar. «Sonst kommen im Juni keine Gäste.» Sowieso misst der Pubbetreiber der Einrichtung, die im Kennedy’s und im The Green Room aus antiken Möbeln und irischen Dekostücken besteht, eine wichtige Rolle zu. Das Licht ist oft gedimmt; es gibt Nischen und Rückzugsorte. Pubs sind wie Höhlen, in denen man Ort und Zeit vergisst.

4/6 Lieblingspubs: Oliver TwistTeil der Mr.-Pickwick-Kette, gilt dieses Pub als ältestes der Stadt. Das Publikum ist eher jünger; es gibt Platz zum Dartspielen. Die Food-Portionen sind riesig; nebst Bier gibt es auch Whisky und Gin.
Rindermarkt 6, www.pickwick.ch

Allerdings nütze die beste Einrichtung nichts, wenn das Personal nichts tauge, sagt Bart Trayers. Stärker als in anderen Gastronomiebetrieben seien in Pubs die stets Englisch sprechenden Bartender und Serviceangestellten der soziale Kitt. «Alle sind willkommen. Vom CEO eines multinationalen Unternehmens bis zur Kassiererin behandeln wir jeden Gast gleich», sagt Trayers.

Es geht ums Zusammensein – und ums Bier trinken. Bild: Urs Jaudas

Seine Angestellten kennen Stammgäste beim Vornamen, und nicht selten bleibt Zeit für einen Chat, wobei die Pub-Regel «no religion, no politics» gilt. «Die Leute sollen sich bei uns unterhalten und Spass haben.»

5/6 Lieblingspubs: Bonnie PrinceDas einzige schottische Pub der Stadt serviert schottische Qualitätsbiere und verfügt über eine auffallend kleine, intime Location mit roter Tapete.
Zähringerstr. 38, Tel. 044 252 70 66

«Craic» («Vergnügen») nennen die Irländer diesen ganz bestimmten Groove in Pubs, und bei dem alle so sein dürfen, wie sie wollen. «Es gibt keinen Druck, cool zu sein», sagt Trayers. Die entspannte Atmosphäre, verstärkt durch Quizabende oder Konzerte, sorgt dafür, dass selbst im flirtfeindlichen Zürich fremde Leute miteinander ins Gespräch kommen.

Teil jedes Pubs: Spiele wie Dart (hier im Oliver Twist). Bild: Urs Jaudas

Die unaufgeregten Pubs, deren einziges Ziel es ist, den Leuten eine gute Zeit zu bescheren, sind damit in vielerlei Hinsicht eine Antithese zur Zürcher Gastronomie, die bisweilen nicht nur auf Expats kalt wirken kann. Denn selbst wenn man in Zürich ein Restaurant regelmässig aufsucht, darf man nicht davon ausgehen, dass einen die Kellner wiedererkennen und nach dem Befinden fragen.

Die währschaften Pubs sind auch eine Antithese zu all den fancy Orten mit den ewig gleichen Pflanzen, Wänden in Pastelltönen und Reservationspflicht, sowie zum Zürcher Food-Angebot, das zunehmend aus «healthy dishes» zum Teilen besteht, bei denen man nach drei Stunden wieder Hunger hat.

6/6 Lieblingspubs:
Shamrock Irish Pub
Das Shamrock ist eine familiäre, kinderfreundliche Quartierbeiz in Wollishofen mit grossem Garten. Zweimal monatlich, jeweils am Donnerstag, gibt es traditionelle irische Livemusik.
Studackerstr.1, www.shamrockirishpub-zurich.com

In den Pubs scheint jeder Ernährungstrend stehen geblieben zu sein: Hier bekommt man nach wie vor Riesenportionen Fisch und Chips, mit Käse überbackende Tacos, Currys und sonntags Sunday Roast (Braten). Natürlich ist das keine Sterneküche, und sie ist auch nicht immer «instagrammable». Aber manchmal hat man einfach Lust auf etwas, das weder besonders ausgefallen noch gesund ist.

Nicht selten ist es auch Glück genug, statt mit der Begrüssung «Ihr habt euren Platz dann nur zwei Stunden» mit einem «Hey, how are you?» empfangen zu werden. Alleine dafür lohnt sich der Besuch in einem Pub.

(Erstellt: 10.04.2019, 14:33 Uhr)

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