Der grösste Koreaner der Stadt

Im Miss Miu an der Europaallee findet man ostasiatisch angehauchte Spezialitäten.

In einer heissen Stein-Bowl serviert: Bibimbap.

In einer heissen Stein-Bowl serviert: Bibimbap. Bild: Andrea Zahler

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Die Gastrogruppe von Fredy Wiesner ist auf Ethnofood spezialisiert. Ob asiatische Spezialitäten wie in der Negishi- und Nooch-Kette oder australische Speisen wie in der ­Outback-Lodge – dem Unternehmen haben es weit entfernte Länder angetan. Mit dem Papa Ceviche, das in Zürich bis auf weiteres geschlossen wurde, gehörte auch ein ­peruanisches Restaurant zum Portfolio.

Der Korea-Trend kommt nach Zürich

Nun soll Korea die Stadt erobern. Mit dem Miss Miu hat die Gruppe nicht nur eines der ersten modernen ostasiatischen Restaurants der Stadt eröffnet, sondern auch eines der grössten. Auf 430 Quadratmetern erstreckt sich ein mit Burlesque-Bildern dekoriertes Reich, das mit House-Musik beschallt wird. Das kommt an: 160 Plätze sind praktisch jeden Abend besetzt.

Die Beiz verfügt auch über eine Cocktail-Bar und einen Take-away-Bereich, wo man auf Bildschirmen das Essen vorbestellen kann. Dazu kommt ein Raum mit Tischgrill für koreanisches Barbecue und im Untergeschoss ein Boudoir, in dem man sich mit Federboas verkleiden und fotografieren kann – total instagrammable. Etwa 30 koreanische Speisen stehen auf der Karte – wie die Sushi-ähnlichen Rollen Gimbap, (ab 9.50 Fr./4 Stück.), Fried Chicken (26 Fr.) oder Nudelsuppen (ab 22.50 Fr.). Dass viele Gerichte rätselhafte Namen wie «Ding Dong Ditch» oder «Hyunday ok» haben, scheint Konzept zu sein. Genauso wie die Tatsache, dass im Miss Miu eine recht frei interpretierte Version koreanischer Küche angeboten wird.

Traditionen werden aufgebrochen

Viele Spezialitäten, die traditionell aus Rind bestehen, bekommt man auch mit Poulet; da und dort finden wir auch Japanisches wie Tonkatsu-Schnitzel. Der grosszügige Einsatz von Knoblauch und Chilipasten, auf dem die Korea-Küche basiert, fehlt fast gänzlich – genauso wie die Säure des hausgemachten Kimchi aus fermentiertem Kohl.

Gut schmeckt das Bibimbap (32.50 Fr.), eines der beliebtesten Gerichte der koreanischen Küche. Es handelt sich um eine heisse Schüssel aus Steingut, die mit allem gefüllt ist, wir gerne haben: krustig gebratener Reis, Rindfleisch, Pilze, Ei und Gemüse. Die Marinade des Fleischs ist vorzüglich; gewöhnungsdürftig ist, dass das Gericht mit Limette abgeschmeckt wird. Bestenfalls ist das thailändisch.

430 Quadratmeter Fläche und abends immer voll: Miss Miu. Bild: Andrea Zahler

Die Gochujangsauce aus fermentierter Gewürzpaste, die dazu gereicht würde, sehen wir nirgends. Das Bulgogi («Feuerfleisch», 28.50 Fr.), welches traditionell mit Rinderlende zubereitet wird, bestellen wir in der Poulet-Version. Dazu kommt Reis und eine ­kraftlose Soja-Marinade ohne die sonst obligaten Birnen. Zum Schluss essen wir Coupes mit ­Patbingsu (ab 12.50 Fr.), einem in Korea populären Milchsorbet aus geschabtem Eis. Winzige Glace-Stückchen im «Sulbing’s Wonder»-Coupe (12.50 Fr.) kühlen und kitzeln die Zunge. Endlich mal ein anderes Dessert!

Das Miss Miu ist ein zahlbares Konzeptrestaurant mit nettem Personal für schnelles, frisch zubereitetes Essen und ideal, um in die Korea-Küche einzusteigen. Eine Hausfrau aus Seoul aber, die wie die meisten Koreaner nach Familien­rezepten kocht und klare Vorstellungen davon hat, wie etwas zubereitet wird, würde hier wohl nicht glücklich werden.

Miss Miu
Europaallee 48
8004 Zürich
Tel. 044 260 55 22
www.miss-miu.ch

Preise
Vorspeisen 6.50–12.50 Franken,
Hauptspeisen 22–34.50 Franken

Öffnungszeiten
Mo–Do 10–23 Uhr, Fr / Sa 10–24 Uhr, So 10–23 Uhr (durchgehend Küche).
Reservation am Abend empfohlen

Erstellt: 06.11.2019, 16:36 Uhr

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