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Boltig-Lebkuchen: Knapp überlebt

Das Kultgebäck aus dem Simmental gewann einst eine Goldmedaille – und musste trotzdem gerettet werden.

Gut pur oder mit Anke oder Nidle: Boltig-Lebkuchen.

Gut pur oder mit Anke oder Nidle: Boltig-Lebkuchen. Bild: Beat Mathys

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Es regnet auf der Fahrt durchs Simmental, es ist trist, so wie es nur trist sein kann in den ersten Tagen des Novembers. Und Boltigen ist ein Durchfahrdorf, schnell hat man es verpasst. Gut, steht in der einzigen Kurve eine Tafel, sie verweist auf den Laden der Familie Kammer. «Boltig-Lebkuchen» steht darauf geschrieben.

Für Einheimische und Heimweh-Simmentaler ist das Gebäck aber sowieso ein Begriff. Fast ein Kultgebäck. Das um ein Haar nicht überlebt hätte, obwohl es Anfang der 1970er-Jahre eine Goldmedaille bekommen hat. So erzählt man sich das an der Bar im kleinen Verkaufslokal.

Ja, obwohl das ganze Tal sich im Herbst jeweils auf die Lebkuchen stürzt, würde es ihn nicht mehr geben, hätten sich nicht Emanuel und Monika Kammer vor vier Jahren seiner angenommen. Obgleich die beiden gar keine Bäcker waren. Doch ihnen war wichtig, dass die Tradition weiterlebt. So backen sie im Geschäft der Eltern Kammer, die es 45 Jahre lang führten, teilzeitig Fyrabebrot und Lebkuchen. Letzteren hat ein gewisser Herr Abbühl vor ungefähr 100 Jahren zum ersten Mal in Boltigen gebacken.

Er schmeckt pur, «mit Anke oder mit Nidle» – oder mit Milch.

Das Rezept ist immer noch dasselbe und ist im Kopf von Emanuel Kammer abgespeichert. Er tippt sich an die Schläfen und schaut bedeutungsvoll, während er durch die Backstube führt. Vielleicht kennen noch ein ehemaliger Lehrling und natürlich sein Vater und sein Bruder die Zutaten, sonst niemand. Es ist einer der besten Lebkuchen weit und breit, vielleicht ist er einen Tick feuchter als andere, etwas ausgewogener, was die Mischung angeht. Erhältlich ist er von Oktober bis März.

Er schmeckt «pur, mit Anke oder mit Nidle», wie vom Stammkunden zu erfahren ist – oder wenn man ihn «in die Milch tunkt» (sagt Emanuel Kammer). Senf auf den Lebkuchen streichen würde hier niemand, obwohl das so auf der Website steht. Früher assen ihn Holzfäller zum Znüni. Heute kauft man ihn, wenn man will, für sechs statt für fünf Franken, dann spenden Kammers dem einheimischen Ski-Nachwuchstalent Franjo von Allmen einen Franken.

Auf dem Rückweg dann wachsen dicke Regenbogen aus den glitzernden Wiesen des Simmentals. Das Wetter reisst auf. Auf dem Beifahrersitz liegt ein Stapel Boltig-Lebkuchen.

Erstellt: 16.11.2019, 12:56 Uhr

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