Ein Herz für Pasta und für Kinder

Hausgemachte Teigwaren und ein Lollipop für die Kleinen: Ohne die Osteria da Biagio wäre das Zentrum Hönggs wohl aufgeschmissen.

Ein Gericht, das auf der Karte steht: Spaghetti mit Miesmuscheln.

Ein Gericht, das auf der Karte steht: Spaghetti mit Miesmuscheln. Bild: Urs Jaudas

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Quartierlokale sind die letzten Inseln der unaufgeregten Gastronomie. Sie sind nicht hip eingerichtet, fehlen in den bekannten Gastroführern und befinden sich ausserhalb des Zentrums. Dass an solchen Orten ein besonderer Geist herrscht, zeigt unsere neue Serie. Angeregt von Lesern, die uns regelmässig per Mail ihre liebsten Quartierperlen schicken, stellen wir monatlich eine vor. Diesmal reisen wir nach Höngg. In der gastronomisch unterversorgten Gegend gilt die Osteria da Biagio als wichtigster Treffpunkt.

Der Ort: Der 13er führt dank Haltestelle Zwielplatz fast vors Haus. Im Sommer kann man hier auf einer grossen Terrasse sitzen. Abgesehen von ein paar Schwarzweissfotografien mit italienischen Motiven – etwa den Schauspielern Alberto Sordi und Marcello Mastroianni beim Spaghetti­essen –, ist das Lokal mit Steinboden nüchtern und ohne Nischen eingerichtet, sodass wir uns zu Beginn etwas ausgestellt fühlen.

Das Publikum: Ob ältere Herrschaften, Höngger Zünfter, Paare, Familien oder junge Erwachsene – mangels Konkurrenz trifft sich in der Osteria das ganze Quartier. Viele Gäste kennen sich beim Vornamen. Was weiter auffällt: Die Höngger essen schnell und gehen zeitig heim: Zwischen 19 und 20 Uhr brummt das Lokal – nach 21 Uhr ist es beinahe wieder leer.

Gemischtes Publikum: Zünfter sowie Familien aus dem Quartier gehören zu den Gästen. Bild: Urs Jaudas

Die Gastgeber: Seit drei Jahren wirten Biagio und Anna Martella hier. Das Paar hat das ehemalige Restaurant Limmatberg nach langem Kriechgang zur Blüte gebracht. Kellner Carlos, Teil des ausschliesslich männlichen und aufmerksamen Serviceteams, erinnert mit seiner runden Plexiglasbrille und den weissen Haaren an Andy Warhol und ist ein ausgeprägter Spassvogel. Er zweifelt daran, ob wir schon 16 seien, und meint, dass wir keinen Alkohol trinken dürften. Den Rotwein präsentiert er als Traubensaft.

Das Essen: Für die hausgemachte Pasta von Anna Martella werden wir bald wieder nach Höngg reisen. Wir können uns nicht erinnern, wann wir das letzte Mal in Zürich so feine Taglierini al Tartufo (32.50 Fr.) gegessen haben. Die Teigwaren schmecken uns jedenfalls noch besser als die knusprigen Pizzas aus dem Holzofen (ab 17 Fr.). Etwas zu zitronig und zu wenig sämig ist die Sauce der Scaloppine al Limone (30.50 Fr.). Auf der Getränkekarte finden sich viele Stadtweine. Eine Entdeckung: der Höngger Gamaret von Daniel und Zarina Wegmann (7.50/Glas).

Muscheln gibt es auch ohne Pasta: Italienische «Cozze». Bild: Urs Jaudas

Das gibts nur hier: Carlos spielt mit unseren Knirpsen nach dem Essen mitten im Restaurant Verstecken und schenkt ihnen beim Verabschieden noch einen Lollipop.

Osteria da Biagio
Limmatalstr. 228, 8049 Zürich
Tel. 044 341 00 76
www.osteriadabiagio.ch

Öffnungszeiten
Mo–Fr 11.30–14 und 18–24 Uhr Sa 18–24 Uhr

Preise
Vorspeisen 20.50–35.50 Franken
Hauptspeisen 17–54.50 Franken (auch halbe Portionen möglich)

Welche Quartierbeiz besuchen Sie am liebsten? Schicken Sie uns Ihren Vorschlag: gastro@zueritipp.ch

Erstellt: 13.01.2019, 09:41 Uhr

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