Zum Hauptinhalt springen

Eine Knolle, die entzweit

Der Trüffel, der gerade Hochsaison feiert, ist ein Lebensmittel, das man liebt oder hasst. Zwei Meinungen.

Wird gehobelt und sparsam verwendet: Trüffel.
Wird gehobelt und sparsam verwendet: Trüffel.
iStock

PRO

Seit ich ein Kind bin, bin ich frischem Trüffel verfallen. Meine Tante sammelte Burgundertrüffel mit ihrem Hund im Wald, danach assen wir sie mit etwas Olivenöl oder mit einem Rührei. Unvergesslich. Wenn ich derzeit in einem Restaurant den charakteristischen, kohlähnlichen und einzigartigen Geruch erschnüffle, weil insbesondere der weisse Trüffel aus Alba Hochsaison hat, ist es um mich geschehen: Ich bin wie im Rausch und muss Trüffel haben. Koste es, was es wolle. Dass der Pilz teuer ist, beeindruckt mich dabei weniger als die Mythen, die sich um ihn ranken. Die Geheimniskrämerei um exklusive Fundplätze, die mit allen Mitteln verteidigt werden, fasziniert dabei genauso wie die Tatsache, dass der Trüffel unterirdisch wächst und mit Bäumen eine Art Symbiose eingeht, um wachsen zu können. Nur Banausen verschmähen dieses wunderbare Geschöpf und diese kulinarische Krönung eines jeden Festmahls. (cs)

KONTRA

So müssen Stalker riechen. Penetrant, einengend, verstörend. Wenn der Trüffel einmal losgelassen, besetzt er mit seinem fast schon zähflüssigen Duft ganze Räume, nein: Säle. Und das über Tage. Diesem Pilz ist nicht zu entkommen. Aber lassen wir die subjektiv geprägten Worte des Hasses. Kommen wir zu den Tatsachen. Da der Stinker aus dem Boden so teuer ist, wird viel zu oft minderwertige Ware verwendet. Sommertrüffel. Oder noch schlimmer: ranziges Trüffelöl. Der unbestechliche «K-Tipp» ermittelte einst, dass gerade mal zwei von zehn Ölen halten, was sie versprechen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele Betriebe Trüffelgerichte zusätzlich mit Öl panschen. Man muss also nicht Miss Marple sein, um dem schändlichen Tun bei bezahlbaren Trüffeln auf die Schliche zu kommen. Darum gilt: Abstand halten, nicht beeindrucken lassen. Und im Notfall das Weite suchen. Sofort. Wie bei Stalkern eben. (cix)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch