Futtern wie Zwingli

Wie schmeckte das Essen in der Reformationszeit? Antworten liefert diese Veranstaltung auf dem Münsterplatz.

Fisch war neben Dinkel das Hauptnahrungsmittel im Zürich des 16. Jahrhunderts.

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Die Geschichtswissenschaft fördert immer wieder unbequeme Wahrheiten zutage. Etwa die, dass es kaum ein Lebensmittel gibt, das in Zürich eine längere Tradition besitzt als der Ziger, dieser elendiglich stinkende Geselle aus dem Glarnerland. Der Käse war schon lange vor der Lockerung der Fastenregeln durch Papst ­Innozenz VIII. im Jahr 1486 bekannt in der Stadt?– und gewann danach stetig an Popularität.

Am Reformationsmarkt auf dem Münsterplatz gibt es darum neben diversen anderen ­Spezialitäten aus der Epoche zwischen 1517 und 1550 auch Zigerhörnli zu essen. Sollten Sie es mit dem Ziger aus nachvollziehbaren Gründen nicht so haben, könnten Gerichte wie Hackbölle an Honigsauce oder Zartes Huhn und Chornspyss von Landwirt Werner Thommen etwas für Sie sein. Oder aber die Refor­ma­torenwurst von Patrick Marxer (Das Pure). Das Wurstessen, zu welchem der Buchdrucker Christoph Froschauer 1522 auch Huldrych Zwingli einlud, gilt schliesslich als Sinnbild der Zürcher Reformation.

Mit Tomaten wenig am Hut

Da die Reformation kurz auf die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492 folgte, fanden in dieser Zeit auch Produkte aus der Neuen Welt Eingang in die hiesige Kulinarik. Zum Beispiel die Tomate, die der Botaniker Conrad Gessner als «Liebesapfel» oder «Apfel aus der anderen Welt» bezeichnete – und 1546 mit den Worten «fast geruchlos und nicht unangenehm zu essen» beschrieb. Gessner habe auch mit Leidenschaft seine Feigenbäume gepflegt, berichtet Dominik Flammer, Autor des inzwischen drei Bände umfassenden Werks «Das kulinarische Erbe der Alpen» und Initiator der gastronomischen Zeitreise ins Alte Zürich.

Das gemeine Volk hatte im 16. Jahrhundert mit Tomaten naturgemäss noch wenig am Hut. Es ernährte sich zu einem grossen Teil von Dinkel, der hauptsächlich zu Brot oder Brei verarbeitet wurde, und von Fisch. Neben den bis heute populären Forellen, Saiblingen, Egli, Hechten und Felchen waren auf den Märkten auch Brachsmen oder Schwalen populär. Die zu Unrecht unterschätzten Weissfische können die Besucher des Reformationsmarktes als eine Art Burger mit Zwiebel-Confi kosten. Zum Dessert gibts die Biber von Claudio und Silvan Leibacher, die zurzeit der ?Reformation den Namen Bymenzelten trugen.

Freitag und Samstag, Münsterplatz.

Erstellt: 17.06.2017, 09:12 Uhr

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