«Gluschtig» und «rassig»: Die absurde Sprache der Gastronomie

Speisekarten, Restaurantkritiker, Gastronomen – sie alle haben ihre linguistischen Eigenarten. Eine Sammlung.

Wie würden Sie diese Läberli mit Rösti umschreiben? Bild: Reto Oeschger.

Wie würden Sie diese Läberli mit Rösti umschreiben? Bild: Reto Oeschger.

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«Rassiges Curry», «gluschtige Rösti», «feurige Pfeffersauce»: Die Sprache vieler Speisekarten bedient sich eines Vokabulars, das selbst im Jahresbericht eines Schützen- oder Kleintierzüchtervereins altertümlich erscheinen würde. Die Beizer, die derlei Unfug niederschreiben, scheinen ihre Formulierungen aber vollkommen normal zu finden, jedenfalls habe ich noch nie einen von ihnen beim Überreichen der Karte grinsen gesehen.

Frappierend ist auch, mit welcher Selbstverständlichkeit die Gäste über Wörter wie «rassig» oder «gluschtig» hinweglesen. Und über ungleich grössere Absonderlichkeiten. Als ich im Herbst ein Lokal besuchte, das mit der Formulierung «Des Weidwerks feinste Krönung» für seine Wildgerichte warb, war ich an einem Sechsertisch der Einzige, der lachen musste.

Neben der schwelgerischen gibts die radikal nüchterne und letztlich nicht minder merkwürdige Speisekartensprache. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass nur noch die drei Hauptkomponenten des Gerichts genannt werden. Brot – Bier – Banane ist so eine sprachliche Figur. Bisweilen hat man sogar den Eindruck, der Koch opfere zugunsten der Alliteration die geschmackliche Harmonie. Der Nutzwert solcher Karten tendiert gegen null. Was soll Bier – Brot – Banane denn sein? Ein Pudding, eine Suppe, ein Salat?

«Moozrella, gerauchte Lachs, Zwiblen, Capren und Orageno»

Dann lieber holprig, aber detailliert. Legendär in dieser Beziehung: Jimmy's Pizzeria (natürlich mit Apostroph vor dem s) im Kreis 6. «Moozrella, gerauchte Lachs, Zwiblen, Capren und Orageno» wurden dort als Bestandteile einer Pizza angepriesen, Studenten der benachbarten Hochschulen pilgerten herbei, um die neuste Mittagskarte zu studieren. Inzwischen hat sich alles – leider – normalisiert.

Die sprachlichen Absurditäten im Umfeld der Gastronomie beschränken sich aber natürlich nicht auf die Speisekarten. Auch Restaurantkritiken sind häufig betroffen. Es findet sich in ihnen zum Beispiel das Wort «munden», gerne in der Verwendung «Dem Gegenüber mundete die Vorspeise vorzüglich». Wer zum Teufel drückt sich so aus? Der Vorkoster an einem mittelalterlichen Gelage, wenn er dem nörgelnden König die Buchweizengrütze oder den Fasan schmackhaft machen möchte?

Auch die Bezeichnungen für Köche sind für linguistisch interessierte Beobachter ein Quell der Heiterkeit. Das Wort «Koch» allein reicht längst nicht mehr aus, um zu signalisieren, dass man es hier mit einem Profi zu tun hat. Ein «Spitzenkoch» sollte es schon sein. Je nach Publikation wird diese Bezeichnung bereits ab gehobenem Kantinenniveau vergeben, zum Beispiel, wenn einer als Experte für Fragen zu Stress, Drogen- oder Alkoholkonsum in der Topgastronomie herhalten muss.

«Starchefs», «Kultchefs» und «Superchefs»

Der «Gault Millau», der sonst dem Duktus eines Golf- oder Rotariclubmagazins verpflichtet scheint, treibt es in seinem Onlinekanal auf die Spitze: Er schreibt wahlweise von «Starchefs», «Kultchefs» oder «Superchefs». Der von der Boulevardpresse etablierten Logik folgend, dass jeder Fussballer der eine Minute in der Nationalmannschaft absolviert hat, ein «Nati-Star» sei.

Dagegen nimmt sich der Hang zu Erstsilbenbetonung, an dem man Gastronomen unfehlbar erkennen kann, vollkommen normal aus. Achten Sie mal drauf, Kellnerinnen, Köche, Hoteldirektorinnen und Portiers sagen – um nur ein Beispiel zu nennen – zuverlässig PERsonal statt PersoNAL.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.01.2018, 16:01 Uhr

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