Heute gibts Asterix & Obelix als Vorspeise!

Man braucht sich nicht zu bewegen, um einen Bärenhunger zu bekommen. Auch Lesen und Filme schauen hilft. Ein Wegweiser zum Appetit.

Er braucht keine Tricks: Der gallische Vielfrass Obelix hat immer Hunger.

Er braucht keine Tricks: Der gallische Vielfrass Obelix hat immer Hunger.

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Es gibt Menschen, die nur deshalb Bergwanderungen unternehmen, weil sie danach mit gewaltigem Appetit essen können. Das ist natürlich ein sehr vernünftiger Ansatz, aber es geht auch anders: mit Büchern oder Filmen, in denen Essen eine gewichtige Rolle spielt. Zumindest bei mir funktioniert dieser Trick bestens – und zwar schon seit Kindertagen. Sah ich in den Asterix-Comics, dass Obelix Wildschweine verschlang, stieg schlagartig auch meine Lust, in die Keule eines solchen Viehs zu beissen. Assen Terence Hill und Bud Spencer in einem Italo-Western Bohnen, wünschte ich mir, meinen Löffel in ihre Näpfe halten zu dürfen.

In der gehobenen Literatur schätzte ich stets jene Autoren am meisten, in deren Werken die Protagonisten häufig in der Küche stehen: den Japaner Haruki Murakami zum Beispiel oder den Ukrainer Andrej Kurkow. Und dann gibts noch jene Filme, die einen beim Zuschauen richtig fertigmachen. Filme, bei denen man am liebsten durch den Bildschirm oder die Leinwand springen würde, um sich die abgebildeten Köstlichkeiten einzuverleiben.

«Babettes Fest» gewann 1987 sogar einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Eine französische Köchin verwendet im Meisterwerk des dänischen Regisseurs Gabriel Axel einen Lottogewinn, um ein grandioses Festmahl für die Bewohner eines sittenstrengen, genussfeindlichen Dorfs im Dänemark des ausklingenden 19. Jahrhunderts auszurichten und diese so zu bekehren. Wie Babette das Menü – unter anderem Blinis mit Kaviar und Wachteln im Sarkophag mit Foie gras und Trüffelsauce – zubereitet, kann keinen fühlenden und erst recht keinen genussfreudigen Menschen kaltlassen.

Seither wird im Kino zunehmend gekocht und gespachtelt: mal animiert wie in der zauberhaften Produktion «Ratatouille» (2007), mal real wie in «Eat Drink Man Woman» (1994), wo Regisseur Ang Lee Familien- und Liebesgeschichten kunstvoll mit einer Hommage an die Küche Taiwans verwebt. «Eat Drink Man Woman» ist nun einer von acht sogenannten Foodie-Filmen, die bis 24. September im Rahmen des Bloom-Festivals auf der Hardturm-Stadionbrache zu sehen sein werden. Ein Festival als Appetitanreger also!

Zur Vorführung gelangt dort auch der Food-Film aller Food-Filme, «L’aile ou la cuisse» (zu Deutsch: Brust oder Keule) mit Louis de Funès. Dieser gibt auf grandiose Weise den Restaurantkritiker Charles Duchemin, der in den abenteuerlichsten Verkleidungen Restaurants in ganz Frankreich testet und sich schliesslich seinem grossen Widersacher Jacques Tricatel (Julien Guiomar) zum Duell vor den TV-Kameras stellen muss. Statt mehr Infos zum Film gibts hier einen Befehl: unbedingt anschauen!

Kombiniert werden die Bloom-Foodie-Filme mit ganz viel Essen, findet doch auf der Hardturmbrache gleichzeitig das Street Food Festival mit über hundert wechselnden Anbietern statt. Vielleicht ist es der Rücksicht auf die Standbetreiber geschuldet, dass der Klassiker «La grande bouffe» (Das grosse Fressen) nicht gezeigt wird. Sensiblen Besuchern könnte die Lust auf Pulled Pork und tibetische Teigtaschen vergehen, wenn sich die vier von Marcello Mastroianni, Ugo Tognazzi, Michel Piccoli und Philippe Noiret verkörperten Freunde zu Tode zu fressen versuchen. Dann schon lieber «Como agua para chocolate», der poetische Film aus Mexiko, in dem die Hauptfigur Tita ihre Gefühle nur durch das Kochen ausdrücken kann.

www.bloomkino.ch (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.09.2017, 15:28 Uhr

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