In der Hochburg der Männlichkeit speisen

Das Casa Aurelio bleibt seiner Linie auch unter neuer Führung treu. Das Essen schmeckt, ist aber nicht günstig.

Die Tradition des Lokals führt sich fort: Juan Carmody führt die Institution seit einem Jahr.

Die Tradition des Lokals führt sich fort: Juan Carmody führt die Institution seit einem Jahr.

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El Macho, auf Spanisch das Männchen, der Ziegenbock oder der Kerl. Umgangssprachlich jene Sorte Mann, die gerne männliche Attribute zur Schau trägt. Soll heissen: Dieser Mann fährt mit präsentablem Karren vor, isst viel Fleisch, raucht Zigarren.

In Zürich kann, wer will, diese Spezies im Nobelspanier Casa Aurelio quasi in ihrem natürlichen Habitat beobachten. Das zeigen beim Ankommen schon die zahlreichen Audi und Porsche, die der Valet Service gekonnt versorgt hat.

Gelebte Klischees

Der neue Chef, Juan Carmody, der das Lokal seit einem Jahr führt, bestätigt, was man vom Lokal im Kreis 5 schon immer dachte: hauptsächlich Männergruppen, bisweilen Kundschaft aus dem halbseidenen Geschäft, daneben Zürcher Bauunternehmer.

Vereinzelt ist das Männchen auch im Verbund mit einzelnen Weibchen zu sehen. Dazu kommen Gäste aus den Zürcher Luxushotels, deren Concierges das Casa Aurelio empfehlen, wenn der Kundschaft nach luxuriösem Milieucharme zumute ist. Das Klischee, es lebt hier.

Im Innern des Lokals zeigt sich das, was man von anderen Spaniern im Quartier, etwa dem Pergola, bereits kennt. Hier wie da dominiert eine altmodische, aber gemütliche Einfachheit, in der man sich gerne einnistet. Schwere Vorhänge allenthalben, Wandgemälde mit spanischen Motiven.

Die Bedienung ist männlich, trägt weisses Hemd und schwarze Hose. Auch das Essen ist hier wie dort ähnlich. Viel Fleisch, viel Butter. «Es ist ein einfaches Restaurant», sagt der Betreiber der Casa Aurelio.

Das Ambiente hat seinen Preis

Einfach, aber auch sehr gut, so viel vorweg. Das beginnt bei der Tortilla, die als Gruss aus der Küche gereicht wird. Ein spanisches Kurzgedicht aus Ei und Peperoni. Die Salate (ab 12 Fr.) sind klassisch zusammengestellt und schmecken ausgezeichnet. Die Hauptspeisen, einmal Lammkoteletts mit Safranreis und einmal Seeteufel mit Gemüse, sind geschmacklich stimmig und auf den Punkt gegart. Es fragt sich nur, ob sie mit 38 beziehungsweise 49 Franken – ohne Beilage – nicht etwas gar teuer sind.

Diese Preise haben ihren Grund. Und der weist weit über die Speisen auf dem Teller hinaus. Hier bezahlt der Gast auch für eine spezielle, etwas verruchte Sorte Prestige. Wer will, kann hier zwar seine Rolle als dominantes Männchen in einem passenden Umfeld spielen. Leuten allerdings, denen diese Art von Männlichkeit nichts bedeutet, bleibt auch ein Teil des Casa-­Aurelio-Charmes fremd – die Preise rechnen sich nicht.

Zur Bedienung muss leider noch gesagt werden: In unserem Fall war sie nicht so freundlich, wie man das vielleicht erwarten würde, sondern bewegte sich irgendwo zwischen Interessenlosigkeit und Speditivität. Die Frage, woher der Thunfisch stamme, der den spanischen Salat (20 Franken) garniert, konnte der Mann im weissen Hemd erst nicht beantworten und vergass sie dann wieder. Auf Nettigkeiten reagierte er mit Schweigen. Aber so macht man das wohl unter Männchen.

Casa Aurelio
Langstr. 209
8004 Zürich
Tel. 044 272 77 44
casaaurelio.ch

Öffnungszeiten
Montag bis Samstag
11.30–24 Uhr (durchgehend warme Küche)

Preise
Vorspeisen 23–60 Franken,
Hauptspeisen 35–60 Franken

Erstellt: 19.06.2019, 16:35 Uhr

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