Glücklich bei Giovanni

Das Niederdorf ist mit dem Lokal Zum Grobe Ernst um eine kulinarische Attraktion reicher – und um einen Gastgeber, der dafür sorgt, dass man sich wie bei guten Freunden fühlt.

Patron Giovanni serviert solche Köstlichkeiten. Auf dem Bild fehlt allerdings der Star des Abends: Das luftige Tiramisu.

Patron Giovanni serviert solche Köstlichkeiten. Auf dem Bild fehlt allerdings der Star des Abends: Das luftige Tiramisu. Bild: Thomas Burla

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Darf man nach dem Dessert ungeniert frittierte Fischlein mit ein paar Spritzern Zitrone essen? Bei Giovanni Melis im Grobe Ernst schon. Der charismatische Sarde führt sein Lokal mit grosser Leidenschaft und wachem Blick; so entgeht ihm auch nicht, dass wir nach dem letzten Löffel Tiramisu einen begehrlichen Blick Richtung Nachbartisch werfen, wo besagte Frittura di Pesce steht. «Noch einen Teller davon!», ruft Melis, und wir können bald schon die knusprig ausgebackene Köstlichkeit geniessen.

Im traditionsreichen Lokal in der Altstadt, das seit ein paar Monaten unter neuer Führung ist und nun den Beinamen «La Tavolata» trägt, gehts nicht um kulinarische Konventionen, sondern einzig um das Wohlbefinden der Gäste. Auch dann, wenn deren Wünsche ein wenig sonderbar sein mögen. Man fühlt sich mehr wie bei Freunden als in einem herkömmlichen Restaurant.

Umso mehr tut es uns leid, dass wir Melis’ Spezialität, die mit Fleisch und Meeresfrüchten gespickte sardische Tavolata (fünf verschiedene Vor- und drei Hauptspeisen für 69 Fr. pro Person), nicht bestellen können. Mein Begleiter isst seines Glaubens wegen weder das eine noch das andere. Wir folgen drum den A-la-carte-Empfehlungen des Chefs, womit wir gut fahren.

Nichts für Kalorienzähler

Zunächst gibts eine Parmigiana di melanzane (19 Fr.), den Klassiker der italienischen Gemüseküche, und eine auf der Karte als klein ausgewiesene, jedoch noch immer zünftige Portion Hummerravioli (23 Fr.). Die mit Käse überbackenen Auberginen schmecken auch dank der fruchtigen Tomatensauce ausgezeichnet, der Teig der Ravioli könnte einen Tick dünner sein, dafür macht die gehaltvolle Hummersauce mit grosszügiger ­Beigabe vom Fleisch des edlen Krustentiers viel Freude.

Weiter gehts mit Pferdefilet (42 Fr.) auf der einen und Seezunge (55 Fr.) auf der anderen Seite. Das Filet ist perfekt zubereitet – aussen ordentlich gebräunt, innen zart, mürb und saftig. Der im Ganzen servierte Fisch punktet mit schönem Biss und exakt getroffenem Garpunkt. Ob es die Parmesankruste gebraucht hätte, bezweifeln wir. Sie ist aber schnell entfernt und stört so nicht weiter. Als Beilage wird ausgezeichneter, dezent gesalzener, nur mit etwas Knoblauch und Zitrone aufgepeppter Blattspinat (7 Fr.) gereicht. Das gesunde Eisen, das er enthält, ist deutlich an den Zähnen zu spüren.

Die Dessertauswahl dürfte Kalorienzählern Sorgen bereiten: Sie deckt von Schoggikuchen bis zu Sebadas – frittierten sardischen Teig­taschen mit Frischkäsefüllung und Honig – so ziemlich alles ab, was glücklich, aber leider eben auch dick macht. Weil Giovanni Melis das Tiramisu (10 Fr.) so enthusiastisch anpreist, bestellen wir trotz fast komplett gefüllter Mägen zusammen eine Portion davon.

Wir bereuen es nicht. Die Süssspeise ist traumhaft luftig, mild und nicht so alkohollastig wie üblich. Dafür schmecken wir einen frischen Akzent heraus. Blosse Einbildung? Nein! Melis kocht im Wasser, das er für den Kaffee zum Einlegen der Biscuits verwendet, zuvor Orangenzesten ab. Müssten wir das beste Tiramisu der Stadt benennen, dieses käme ganz sicher auf die Shortlist.

Zum Grobe Ernst
Stüssihofstatt 16
8001 Zürich

Mo­–Do 11.30–14.30 Uhr und 18–23.30 Uhr
Fr 11.30–14.30 Uhr und 17.30–24 Uhr
Sa 17.30–24 Uhr

www.zumgrobeernst.com

Erstellt: 30.08.2017, 13:20 Uhr

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