Fensterputzmittel? So trinkt man Wodka richtig

Wolfgang Mayer, oberster Barkeeper im Hotel Widder, verrät, wie er die Spirituose am liebsten zubereitet.

Wolfgang Mayer kombiniert Wodka mit Salbei und Himbeeren. Foto: Dominique Meienberg

Wolfgang Mayer kombiniert Wodka mit Salbei und Himbeeren. Foto: Dominique Meienberg

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Wodka schmeckt unverdünnt wie Fensterputzmittel – so lautet ein gängiges Vorurteil gegen die Spirituose, die einst unangefochtene Nummer 1 im Zürcher Nachtleben war. Wolfgang Mayer, seit 1. April Supervisor von Widder-Bar und Widder-Garage, aber sagt: «Es lohnt sich durchaus, Wodka auch einmal pur zu trinken. Die geschmackliche Bandbreite ist beträchtlich. Je nachdem, woraus ein Wodka gebrannt wurde, hat er einen ganz anderen Charakter.» Die schauerliche Putzmittelassoziation stelle sich nur ein, wenn die Spirituose von minderer Qualität sei.

Und was macht einen guten Wodka aus? «Wie oft er destilliert wurde, spielt keine so grosse Rolle, das hat viel mit Marketing zu tun», erklärt Mayer. «Vielmehr kommt es auf tadellose Grundprodukte und das Können des Brennmeisters an. Es ist wie beim Wein: Aus schlechten Trauben wird niemals ein Grand Cru.»

Am gebräuchlichsten sind Wodkas auf Kartoffel- oder Getreidebasis, es gibt aber auch Sorten, die aus geeisten Trauben gewonnen werden. «Diese schmecken dann entsprechend fruchtiger. Es wird auch bei dieser Spirituose mehr und mehr experimentiert, mit spannenden Ergebnissen», sagt der Experte.


Wolfgang Mayers Rezepte

Sage Summit
5cl Wodka, 2,5 cl frischer Zitronensaft, 2cl Zuckersirup, Himbeer-Salbei-Espuma Für die Espuma: 1 kg Himbeerpüree, 15 Salbeiblätter, 5cl Zuckersirup, 5cl Eiweiss

Clubland
3 cl Wodka, 3cl weisser Portwein, 2 Dash Angostura, Zitronenzeste


Ein weiterer Trend sind Spezialabfüllungen, bei denen das Korn jeweils von einem einzigen Betrieb kommt, weshalb das Terroir deutlich herauszuschmecken ist. Der zu Beginn dieses Jahres lancierte Belvedere Smogory Forest etwa hat Noten von Salzcaramel, Honig und weissem Pfeffer, sein vollmundiger Bruder, der Lake Bartek, erinnert an schwarzen Pfeffer, gebrannte Nüsse und Rahm.

Dezenter Eigengeschmack

Der vielleicht sanfteste Wodka kommt aus Japan: Er heisst Coffey Vodka, wird von der Firma Nikka in den traditionellen Apparaturen für Whisky ganz langsam destilliert und schliesslich mit weisser Birkenkohle gefiltert. Mais und gemälzte Gerste sind die Grundzutaten.

Anders als Gin oder Rum besitzt Wodka einen sehr dezenten Eigen­geschmack und passt deshalb zu eigentlich allem – zu Kräutern ebenso wie zu Früchten. Wolfgang Mayers Favoriten: der im Martiniglas servierte Clubland mit weissem Portwein, ­Angostura und Zitronenzeste sowie der klassische Wodka Martini. Als fruchtige Alternative empfiehlt der mehrfach ausgezeichnete Bartender den Sage Summit, bei dem eine hausgemachte Himbeer-Salbei-Espuma der Clou ist.

Widder-Garage, Augustinerhof 1, 8001 Zürich Mi–Do 18–24 Uhr, Fr–Sa 18–2 Uhr (Zueritipp)

Erstellt: 20.04.2018, 15:55 Uhr

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