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Schwimmendes Chalet auf dem See

Ein altes Transportschiff fährt derzeit als Fondue-Restaurant auf dem Zürichsee. Die Atmosphäre ist überraschend intim.

Claudia Schmid
Wer nicht in Stimmung kommt, ist selber schuld: Anstossen im gut beheizten Chalet-Schiff.
Wer nicht in Stimmung kommt, ist selber schuld: Anstossen im gut beheizten Chalet-Schiff.
Reto Oeschger

«Aye, aye Matrosen, alles, was ihr mitbringen müsst, ist gute Laune», schreibt der Seekapitän per SMS nach der Anmeldung für das Fondueschiff «Chalet ufem See». Wir sind da erst mal skeptisch. Auferlegte Feelgood­stimmung, das kommt selten gut. Und so denken wir an ein grosses Partyboot mit grölenden, verladenen Leuten.

Unsere Angst vor Halligalli ist, das spüren wir kurz nachdem wir an Bord gegangen sind und Kapitän Dani und Matrose Toni kennen lernen, unbegründet. Die Ufnau ist ein Transportschiff der Kibag mit Sitzplätze für gut ­70 Leute und einem Aussenbereich, auf dem man frische Luft schnappen und in den Sternenhimmel schauen kann. An diesem Abend sind 20 Personen da. Die Stimmung ist, der noch immer montierten Weihnachtsdeko sei Dank, festlich. Rot-weisse Vorhänge und etwas zu voll aufgedrehte Heizungen sorgen für Chalet-Stimmung.

Wie in einer Raumkapsel

Noch bevor wir uns setzen können, bekommen wir einen Glühwein in die Hand gedrückt. Die Ufnau legt pünktlich beim Bellevue ab und hält Kurs Richtung Halbinsel Au. Während der über dreistündigen Tour ist es so windstill, dass wir bald vergessen, dass wir unterwegs sind. Die Lämpchen der Stadt verschwinden, wir verlieren die Orientierung. Es ist wie in einer Raumkapsel.

Noch ist das Fondue nicht aufgetischt, denn ­davor gibts einige Vorspeisen: eine riesige Trockenfleischplatte, eine Suppe und einen Salat. Die Salatsauce wird in einer Glasflasche serviert, die bis zum Hals mit einem hausgemachten French Dressing gefüllt ist. Das Dressing mit viel Knoblauch, Bouillon, Oliven- und Sonnenblumenöl erinnert uns an die Kindheit und ist so gut, dass wir noch mehr Salat bestellen. Auch das Tomatensüppchen, das Koch und Gastgeber Alexander Jakob vor den Augen der Gäste zubereitet, weist eine angenehme Süsse auf.

Mehrere Hundert Kilo Käse aus Vals

Der zweite Gastgeber des Pop-ups, Moderator Maximilian Baumann, ist an diesem Abend nicht anwesend. Ihm ist der Hauptgang des Abends zu verdanken: Das Fondue, eine Mischung aus verschiedenen Valser Bergkäsesorten, kommt aus der Sennerei in Vals. Baumann, dessen Familie im Bergdorf ein Ferienhaus hat und das Fondue seit Jahren schätzt, hat dafür eine Transportlogistik aufgezogen, zumal die Sennerei nicht darauf ausgerichtet ist, mehrere Hundert Kilo Käse nach Zürich zu transportieren. Alle zwei Wochen findet nun in Chur eine Fondue-Übergabe statt, damit Baumann nicht jedes Mal für Nachschub nach Vals reisen muss.

Schwimmende Leuchtoase: das Chalet ufm See. Bild: Reto Oeschger
Schwimmende Leuchtoase: das Chalet ufm See. Bild: Reto Oeschger

Tatsächlich ist das Bündner Fondue eine Entdeckung: eher mild, aber sehr ausgewogen. Von den sechs Schweizer Weissweinen, die man dazu bestellen kann, ist der ­süffige Mathier Mathier (8 Fr./Glas) aus einer grenzüberschreitenden Cuvée (Schweizer Chasselas, französische ­Viognier-Trauben) der ideale Partner.

Das Valser Fondue gibt es nicht nur in «reiner» Form; auf Wunsch bereitet es Alexander Jakob auch mit Steinpilzen oder Trüffelöl zu. ­So bestellen die meisten Gäste als kostenloses ­Supplement eine zweite, gepimpte Portion.

Meditativer Zustand mit gesunder Distanz zur Stadt

Wir nehmen die Asia-Version mit Chili, Ingwer, Zitronengras und Curry. Vielleicht haben wir schon zu viel Käse im Bauch – die leicht scharfe Zugabe mit den exotischen Gewürzen ist jedenfalls ziemlich gewöhnungsbedürftig. Umso mehr sind wir erstaunt, dass wir nach anderthalb Caquelons und diversen Vorspeisen das Dessert, ein rahmiges Panna cotta mit Mango-Pulpe, mögen.

Vielleicht liegt es daran, dass wir an diesem Abend besonders langsam gegessen haben: Der meditative Zustand mit gesunder Distanz zur Stadt, in den man auf diesem Chalet-Schiff versetzt wird, ist jedenfalls ­erholsamer als ein herkömmlicher Restaurantbesuch.

Abfahrt jeweils Mi bis Sa um 19 Uhr und am So um 18 Uhr am See beim Theatersteg am Bellevue (zwischen Opernhaus und Sechseläutenplatz) 80 Franken pro Person (inkl. Glühwein, Vorspeisen, Dessert und Supplement) Reservation: www.chaletufemsee.ch Bis 1.2.

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