Das Einmann-Bollwerk gegen den Kapitalismus

Erfolgreicher als Michael Moore war keiner. Mit «Fahrenheit 11 / 9 »ist er nun zurück. Wie gut ist der Dokfilmer heute noch?

Ironisch, zugespitzt und provokant: Das ist Michael Moore in seinem neusten Dokumentarfilm.

Ironisch, zugespitzt und provokant: Das ist Michael Moore in seinem neusten Dokumentarfilm.

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Er ist zurück mit dem Dokumentarfilm «Fahrenheit 11 / 9»: Michael Moore, der streitbare US-amerikanische Regisseur, hatte einst als Anwalt des kleinen Mannes begonnen. In «Roger & Me» (1989) versuchte er, den General-Motors-CEO Roger Smith zu einer Stellungnahme wegen Personalabbaus zu zwingen. Bei «Bowling for Columbine» (2002) nahm er das Highschoolmassaker in Littleton zum Anlass, um die US-Waffenkultur zu geisseln. Der Film gewann den Oscar für die besten Dokumentarfilm, und Moore nutzte seinen Triumph, um auf der Bühne den damaligen US-Präsidenten anzugreifen («Shame on you, Mr. Bush»). In «Fahrenheit 9 / 11» (2004) beleuchtete der Regisseur die Entwicklungen nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center.

Diese Filme prägten Moores Karriere. Wie er komplexe Sachverhalte vereinfacht und ironisch zuspitzt, wie er die Mächtigen provoziert und veräppelt, das machte ihn unvergleichlich. Moore wurde zur Markenfigur in eigener Sache, ein Einmann-Bollwerk gegen kapitalistische Auswüchse, was sich an den Kinokassen in schwindelerregenden Ergebnissen niederschlug. «Fahrenheit 9 / 11» ist mit einem Einspielergebnis von 222 Millionen Dollar der welt­weit erfolgreichste Dokumentarfilm.

«How the f**k did this happen, and how the f**k do we get out?», fragt Michael Moor im Film Fahrenheit 11 / 9. Video: YouTube/AscotElite

Doch Moore benötigte in den letzten Jahren immer längere Schaffenspausen, seine Filme spielten immer weniger ein. Heute scheint er nicht mehr zu wissen, was er eigentlich erzählen will. In «Fahrenheit 11 / 9» - der Titel ist eine Anspielung an seinen erfolgreichsten Film - will er Ursachenforschung in Sachen Trump betreiben. Aber man hat nicht das Gefühl, in einem Kinofilm zu sitzen. Sondern vor einem Fernseher, wo ein dicker alter Mann nervös zwischen den Kanälen hin und her zappt.

«Fahrenheit 11/9» läuft in diversen Kinos.
Siehe «Filme nach Alphabet».

(Züritipp)

Erstellt: 10.10.2018, 14:46 Uhr

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