Die Rolle des Zeugen

I Am Not Your Negro erzählt vom afroamerikanischen Autor James Baldwin. Dieser analysierte die Rolle der Schwarzen in Amerika.

Solchen Plakaten setzte der Schriftsteller James Baldwin eigene Worte entgegen.

Solchen Plakaten setzte der Schriftsteller James Baldwin eigene Worte entgegen.

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Ein afroamerikanisches Mädchen wird angespuckt auf dem Weg in eine weisse Schule. Dieses Foto hing 1957 an allen Zeitungsständen in Paris und veranlasste Autor James Baldwin (1921–1987) zur Rückkehr in die USA. «Jeder leistete seinen Beitrag, und das wollte ich auch tun», schrieb er. In den Südstaaten begleitete er deshalb Bürgerrechtsaktivisten und entdeckt dabei seine Rolle: «Als Zeuge musste ich mich so frei wie möglich bewegen, um die Geschichte zu schreiben und an die Öffentlichkeit zu bringen.» Deshalb schloss sich der Afroamerikaner nie einer politischen Bewegung an, sondern war in Kontakt mit vielen Aktivisten: Martin Luther King, Malcolm X oder Medgar Evers.

Über diese drei wollte Baldwin ein Buch schreiben, das aufgrund seines Todes leider ein Fragment blieb. Dieses nahm der haitianische Regisseur Raoul Peck als Ausgangspunkt seines Dokumentarfilms. «Ich wusste, ich wollte niemand anderen zu Wort kommen lassen als Baldwin. Niemand, der ihn interpretiert. Ich wollte in seinem Kopf sein», erzählt Peck. Deshalb bat er Samuel L. Jackson darum, Baldwins Texte vorzulesen, wo der Autor mithilfe von Archivmaterial nicht gleich selbst spricht. Dabei konzentriert sich Peck auf Baldwins Texte über die Rolle der Schwarzen und ignoriert leider dessen Schaffen über Homosexualität.

«Die Geschichte der Schwarzen in Amerika ist die Geschichte von Amerika, und es ist keine schöne Geschichte», schrieb Baldwin. Peck unterlegt das mit Grossaufnahmen von gelynchten Menschen. Zur Visualisierung von Baldwins Worten benutzt er aber auch Stereotype aus Comics, Werbungen und Filmausschnitte: die dicke schwarze Mammy, die über einen Kühlschrank staunt, oder den distinguierten, älteren schwarzen Diener, der seinem Herrn einen Drink reicht. Und Peck zeigt Sidney Poitier, der sich am Schluss von «The Defiant Ones» (1958) für seinen weissen Mitgefangenen aufopfert. «Dem weissen Publikum sollte damit vermittelt werden, dass die Schwarzen ihnen trotz aller Verbrechen nicht böse waren», analysiert Filmfan Baldwin.

Er ist eine wichtige, manchmal schon fast vergessene amerikanische Stimme, einer, der genau beobachtete und scharfsinnig berichtete. Raoul Pecks Entscheidung, sich vollständig auf Baldwins Worte zu verlassen, war richtig.

Arthouse Movie

Erstellt: 19.04.2017, 14:27 Uhr

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