Die jüdische Sichtweise

Die jüdischen Filmtage finden zum vierten Mal statt. Wir haben drei Highlights herausgepickt: Da gehts um Feindschaften, zwei Gangster und eine Antenne

Im Film «Maktub» werden diese zwei Gangster plötzlich zu Wohltätern.

Im Film «Maktub» werden diese zwei Gangster plötzlich zu Wohltätern.

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Entspannend ist der Film nicht. Dafür ist er zu dicht. Und doch ist «A Land Without Borders» genau deswegen sehenswert. Der israelische Journalist und Filmer Nir Baram ist mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt aufgewachsen. Irgendwann, sagt er im Off-Kommentar, werde auch Horror zum Alltag. Als Baram realisiert, dass er zwar die Welt bereist hat, aber noch nie in Ostjeru­salem oder in der Westbank war, macht er sich auf dorthin. Das ist ein Katzensprung und doch eine andere Welt. Drüben, ennet der Mauer, fragt er die Menschen, welche Lösungen sie für den Konflikt sehen. Was dann kommt, erschüttert ihn in seinem bis anhin kaum hinterfragten Weltbild von der Zweistaatenlösung. Da ist der Hamas-Akti­vist, für den Frieden erst mit der Befreiung von ganz Palästina möglich ist und der Baram ins Gesicht sagt: «Du bist mein Feind!» Da sind die arabischen Kinder, die um ihn herumtanzen und «Allah ist gross!» singen. Dann ist da aber auch der jüdische Siedler, der jeden Juden hängen will, der Land an Palästinenser verkauft. Das alles ist schwere Kost. Aber solche, die in Erinnerung bleibt. Dieser Film hat den Mut, unbequeme Fragen aufzuwerfen und sie, ohne Partei zu ergreifen, stehen zu lassen.

Daneben sind die Yesh!-Filmtage aber auch leicht und bunt. In der israelischen Komödie «Maktub» etwa überleben zwei Gangster einen Anschlag in einem Restaurant. Um Gott dafür zu danken, beten sie an der Klagemauer. Und entwickeln – schwupps – eine neue Idee. Sie klauen Gebets­zettel aus den Ritzen der heiligen Mauer, um den Schreibenden ihre darauf notierten intimsten Wünsche zu erfüllen. Das ist schön politisch unkorrekt und trotz einigen Klamaukpatzern abwechslungsreich und quicklebendig.

Eine weitere Spezialität des jüdischen Films sind Tragikomödien – in diese Kategorie fällt der diesjährige Eröffnungsfilm «Antenna». Darin entdeckt ein 80-Jähriger, dass sein Nachbar eine Antenne auf dem Dach montiert hat. Und die – dessen ist sich der Alte sicher – sendet Strahlen, die ihn krankmachen, ja töten. Also muss die Antenne weg. Dem alten Mann dabei zuzusehen, wie er mit seiner Antennenobsession nicht nur den Nachbarn, sondern auch die eigene Familie zur Weissglut treibt, ist köstlich. Und am besten ists immer dann, wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt.

Do bis So Arthouse Uto/Houdini www.www.yesh.ch.tagesanzeiger.ch

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.03.2018, 15:23 Uhr

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