Was die Figur des Jokers so reizvoll macht

Er stiehlt Batman regelmässig die Show und bekommt jetzt einen eigenen Film. Die vier Gesichter des Jokers.

Der neue Bösewicht: Joker, gespielt von Joaquin Phoenix.

Der neue Bösewicht: Joker, gespielt von Joaquin Phoenix.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Weisses Gesicht, grüne Haare, rote Lippen und unberechenbarer Blutdurst: So kennt man den Joker aus Comics, Romanen und Serien, vor allem aber aus Kinofilmen: «Batman» (1989) machte den Anfang, es folgten «The Dark Knight» (2008), «Suicide Squad» (2016) und nun also «Joker». Woher aber rührt die Faszination für diese Figur? Und wie hat sie sich im Lauf der letzten dreissig Jahre verändert?

Joaquin Phoenix in «Joker» (2019)

Im aktuellen Film erzählt Regisseur Todd Phillips von den Ursprüngen des Batman-Widersachers: Arthur Fleck hat noch wenig von seinen typischen Attributen – ausser seinem unkon­trollierbaren Lachen, das angeblich einer Krankheit entspringt. So, wie Joaquin Phoenix diesen gequälten Underdog spielt, zweifelt man jedoch an allem, was er sagt und tut.

Das Setting indes wirkt real. Man kann mühe­los in diese Siebzigerjahre-Welt eintauchen, wo die Fernsehgeräte klein und der Zigarettenkonsum gross sind. Kein Superhelden-Schnickschnack weit und breit. Gotham City ist ein schmuddeliger Ort, wo Menschen hausen, die vom Leben überfordert oder hinterhältig oder beides sind.

Jack Nicholson in «Batman» (1989)

Dieser Realitätsanspruch unterscheidet «Joker» grundlegend von den drei vorangehenden Verfilmungen – am deutlichsten von «Suicide Squad», wo die von Jared Leto verkörperte Figur als Edelpunk in einer Armada von überkan­didelten Übeltätern regelrecht unterging. Jack Nicholson hatte es da ungleich einfacher: Als Starbösewicht konnte er durch Tim Burtons «Batman» stolzieren, wie es ihm beliebte.

Jared Leto in «Suicide Squad» (2016)

Mit solider Überheblichkeit im Gesicht – Letzteres wurde durch einen Sturz ins Chemikalienbad entstellt – gab dieser Joker seinem Ennui einen distinguierten Ausdruck. Michael Keaton alias Batman hatte dagegen einen schweren Stand.

Heath Ledger in «The Dark Knight» (2008)

Ähnlich war das auch in «The Dark Knight», als es Christian Bale als Batman mit der raffiniertesten aller Joker-Figuren in der Verkörperung durch Heath Ledger zu tun bekam. Als Zuschau­er ist man geradezu paralysiert von diesem Schmierfarbengesicht, das keine Logik in seinem nihilistischen Tun kennt. Der Joker bestimmt, was gilt. Er vereint Überheblichkeit und Understatement in einer Person. Oder wie er es gegenüber Batman ausdrückt: «Schau, ich bin kein Monster. Ich bin einfach meiner Zeit voraus.»

Erstellt: 09.10.2019, 17:13 Uhr

Joker

Von Todd Phillips, USA?/?Ka 2019, 121 Min.

Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) wohnt mit seiner Mutter in einem schäbigen Apartment und möchte Komödiant werden. Dabei kommt ihm jedoch sein zwanghaftes Lachen in die Quere. Nachdem er verprügelt wird und ihn ein Talkshowmoderator (Robert De Niro) als lächerlichen Wurm vorführt, schlägt Fleck als Joker zurück. Regisseur Todd Phillips («Hangover») lässt allen Superhelden-Ballast aus den Batman-Filmen weg und inszeniert sein Werk als Hommage an den frühen Martin Scorsese: Wir sehen einen mit Depressionen kämpfenden Helden, der eher zufällig zur Galionsfigur der Ungeliebten und Unverstandenen avanciert. Wie der ausgemergelte Joaquin Phoenix diesen
Joker spielt, ist von nachhallender Kraft. (zas)

In diversen Kinos

Artikel zum Thema

Ein Held für eine komplett verrückte Zeit

Kritik «Joker» über den Comic-Bösewicht löst eine heftige Debatte aus. Stiftet der Film zu Gewalt an? Mehr...

Der Taxi Driver unter den Superhelden

Düster und brillant: In «Joker» macht Joaquin Phoenix den Comicschurken zum schillernden Charakter. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...