Gemeinsam gegen den Eiswind

Wie lebt es sich in der sibirischen Tundra? Das zeigt der Film «Ága» um ein Hirtenpaar.

Sie erwartet Besuch in der Tundra: die Mutter von Ága im gleichnamigen Film.

Sie erwartet Besuch in der Tundra: die Mutter von Ága im gleichnamigen Film.

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Riesig ist diese blendende Wüste aus Eis und Licht, lächerlich klein sind die drei Gestalten, die sie mit grosser Mühe durchqueren. Es sind ein alter Rentierhirte, seine Frau und ein Schlittenhund: Sie verfolgen eine nur ihnen bekannte Spur, ihre Füsse versinken bei jedem Schritt tief im Schnee. Ein eisiger Wind bläst ihnen entgegen, aber sie verzweifeln nicht, halten zusammen, marschieren ruhig weiter und amüsieren sich sogar über das Wetter. «Beine sind wie eine Familie», meint da der Mann plötzlich, «sie brauchen einander.»

Ein einfaches und schönes Bild, auch ein zartes. Genauso ist das Leben dieses Paars, das die moderne Zivilisation bewusst ablehnt, um seine Menschlichkeit besser bewahren zu können. Mit einem Messer kürzt sie die Haare und den Bart ihres Mannes, schaut ihn am Ende verliebt-belustigt an; er baut eine Falle, um ihr den Pelz eines Schneefuchses schenken zu können. Aber eines vermissen sie beide: ihre Tochter Ága, mit der sie sich zerstritten haben und die nun weit entfernt in der Stadt wohnt. Stets kreisen ihre Gedanken um sie, die Abwesenheit ist keine blosse Leere, sondern eine durchdringende, schmerzende Präsenz.

Zwei gegen die raue Natur: «Ága». Video: YouTube/trigon-film

Dies ist der zweite Film des bulgarischen Regisseurs Milko Lazarov («Alienation») und ein wunderschöner. In schlichten, poetischen Bildern erzählt er eine Geschichte von Liebe, Schmerz und Würde. Er tut dies langsam, ohne dass es je langweilig würde; es wird wenig gesprochen, aber eine unverdorbene Stille lässt jedes Wort bedeutungsvoll erscheinen. Und in den von einem harten Leben gezeichneten Gesichtern der Protagonisten verliert man sich wie in einer magischen Landschaft.

Houdini
Badenerstr. 173
12 Uhr, 18.40 Uhr, 20.50 Uhr, Do–Di 16.50 Uhr
www.kinohoudini.ch

(Züritipp)

Erstellt: 07.11.2018, 13:59 Uhr

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