Gestörte Frau

Ein Lyriker (Javier Bardem) lädt wildfremde Leute ins Haus – das entsetzt seine Gemahlin (Jennifer Lawrence) und hat katastrophale Folgen.

Die Innenarchitektin (Jennifer Lawrence) will doch bloss ihr Haus renovieren.

Die Innenarchitektin (Jennifer Lawrence) will doch bloss ihr Haus renovieren.

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«Mein Schreibtisch ist für alle gedeckt», wählte Ernst Jandl einst als ­Motto für einen seiner Gedichtbände. Das scheint der von Javier Bardem dargestellte namenlose Lyriker in «Mother!» allzu wörtlich genommen zu haben: Als ihn die Inspiration verlässt, heisst er wildfremde Leute willkommen im Haus, das seine ebenfalls namenlose Frau (Jennifer Lawrence) doch erst am Renovieren ist.

Es ist nämlich vor kurzem abgebrannt, und das Einzige, was der Lyriker retten konnte, war eine Art Kristall, der geheimnisvolle Kräfte zu besitzen scheint: Platziert man ihn richtig, beginnt er zu leuchten, und um ihn herum blüht neues Leben aus den Ruinen.

Als erster Gast trifft ein Namenloser (Ed Harris) ein, der raucht und hustet, dass Gott erbarm. Merkwürdigerweise scheint sich der Lyriker viel mehr für diesen Unbekannten zu interessieren als für seine eigene Frau. Doch damit nicht genug: Es klingelt schon wieder, und eine von Michelle Pfeiffer verkörperte ebenfalls namenlose Dame stellt sich als Gattin des Rauchers heraus, empfiehlt der Hausherrin, Kinder zu gebären, und macht es sich so lange in dem Haus gemütlich, bis auch ihre beiden Söhne eintreffen, die wegen Vaters Testament in einen solchen Streit geraten, dass einer der beiden zu Tode kommt. Aber ist er überhaupt ein Mensch? Denn sein Blut frisst sich nicht nur durch den Bretterboden, sondern weicht auch noch den Zement einer Kellerwand so auf, dass diese wegbröckelt.

Willkommen in der Welt von Drehbuchautor und Regisseur Darren Aronofsky. Schon in seinem Erstling «Pi» (1998) ging es um nicht weniger als einen Schlüssel zur Erklärung des Universums, und in seinem bisher letzten Werk, «Noah» (2014), rauschte die Sintflut. Aronofsky mag es gern rätselhaft, und jetzt schon kann man sich vorstellen, wie Details von «Mother!» in Internetforen erörtert werden: Was hat es mit den gebärmütterlichen Visionen auf sich, welche die Hausbesitzerin hat, sowie sie die Augen schliesst? Und warum sieht das vom Blut in die Bretter gefressene Loch aus wie eine Vulva? Aronofsky gehört zu den Künstlern, die ihre Wasser trüben, damit sie tief scheinen. Und weil sich schliessende Kreise immer bedeutungsschwanger wirken, lautet das erste wie das letzte Wort von «Mother!»: «Baby». (Zueritipp)

Erstellt: 14.09.2017, 10:53 Uhr

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