Hure oder Heilige?

In dieser Verfilmung des Schauerromans «My Cousin Rachel» verdreht eine Frau den Männern den Kopf – und lehrt sie zugleich das Fürchten.

Möglich, dass der junge Mann (Sam Claflin) sich in eine Mörderin (Rachel Weisz) verliebt hat.

Möglich, dass der junge Mann (Sam Claflin) sich in eine Mörderin (Rachel Weisz) verliebt hat.

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Hat sie es getan? Hat sie ihn umgebracht? Der Verdacht wird früh geäussert und hängt wie ein Schatten über allen weiteren Szenen. Dabei ist Rachel (Rachel Weisz) eine grossartige Frau: hübsch, mit einer einnehmenden Persönlichkeit. Intelligent und unkompliziert. Ein Mensch, den man gerne um sich hat. Vielleicht etwas zu stark freiheitsliebend für das 19. Jahrhundert. Aber macht nicht gerade das Rachels Reiz aus? Oder macht sie gerade das zur Mörderin?

Nach dem Tod seiner Eltern wächst Philip (Sam Claflin) bei seinem eigenbrötlerischen Cousin Ambrose in einem reinen Männerhaushalt auf. Als dieser krank wird, raten ihm die Ärzte, ins südliche Klima zu ziehen. In der Ferne heiratet Ambrose überraschend seine verwitwete Cousine Rachel. In seinen Briefen an Philip beschreibt er sie zunächst als «die Quelle all meines Glücks», aber kurze Zeit später verdächtigt er sie als Verursacherin seines schlechten Gesundheitszustandes. Als Ambrose stirbt, ist für Philip die Sache klar. Aber dann zieht Rachel zu Philip nach England. Konfrontiert mit ihrer einnehmenden Persönlichkeit, ist Philip nun überzeugt, dass Ambrose sich geirrt hat. Solch ein göttliches Wesen kann keine Mörderin sein. Doch dann wird Philip selbst krank.

Nie nimmt die Geschichte, nach dem gleichnamigen Roman von Daphne du Maurier («Rebecca»), die Perspektive der Frau ein. Man sieht Rachel stets durch die Augen der Männer, fast so, als würde sie nur in deren Vorstellung existieren. Ist sie eine Heilige, die ihren kranken Mann bis zum Tode aufopferungsvoll gepflegt hat, oder eine Hure, die ihn vergiftet hat, um mit ihrem Liebhaber an sein Geld zu kommen?

In der englischen Schauerliteratur sind die Frauen so unergründlich wie die Natur und auch genauso schlecht zu bändigen. In wunderschönen Bildern fängt Regisseur Roger Michell («Notting Hill») Frau und Landschaften ein. Rachel Weisz gibt dafür eine ihrer besten Darbietungen, nimmt das Publikum für sich ein und lässt es gleichzeitig zweifeln. Aber wichtig ist die Antwort auf die schwelende Frage ohnehin nicht. Denn Reiz und Erotik der Rachel liegen genau in der Ungewissheit.

In diversen Kinos.

Erstellt: 10.09.2017, 10:02 Uhr

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