Irrsinn auf der Station

Ein normaler Krimi? Nicht so beim Film «Au Poste!» des Regisseurs Quentin Dupieux.

Offensichtlich weg­re­tu­schie­rt: Das Auge des keineswegs vertrauenerweckenden Beamten.

Offensichtlich weg­re­tu­schie­rt: Das Auge des keineswegs vertrauenerweckenden Beamten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach einem absurden Prolog um einen nur mit einer roten Unterhose bekleideten Dirigenten wiegt uns «Au poste!» zunächst in falscher Sicherheit: ein alt­modisches, verschlafen anmutendes Polizeibüro, gefilmt in warmen Farben. Der zerknautschte Polizist Buron (Benoît Poelvoorde) verhört spätabends, kurz vor Dienstschluss, den des Mordes verdächtigten, aber seine Unschuld beteuernden Fugain (Grégoire Ludig). Es ist wie in einem Fernsehkrimi der 70er.

Die erste grössere Irritation schleicht sich ein, als sich ein anderer Polizist, der im Hintergrund vor der Schreibmaschine sitzt, zur Kamera umdreht: Er hat nur ein Auge, das zweite ist ihm offensichtlich mit digitaler Tricktechnik entfernt worden. Als Buron bald ­darauf ausgerechnet diesen auch sonst keineswegs vertrauen­erweckenden Kollegen bittet, in seiner Abwesenheit Fugain zu bewachen, ahnt der Mordverdächtigte, dass er eine lange Nacht vor sich hat.

Inszenatorischer Minimalismus: «Au Poste!» lebt von abstrusen Wendungen. Video: Youtube/Praesens-Film

Der neue Film von Quentin Dupieux («Rubber») zieht seine Kraft einerseits aus dem famosen Spiel seiner Hauptdarsteller und andererseits aus dem inszenatorischen Minimalismus. Die Geschichte wird immer durchgeknallter und erkundet spätestens dann, wenn Erzählgegenwart und Rückblenden sich in paradoxer Weise vermischen, surrealistische Gefilde; selbst die abstrusesten Wendungen leiten sich jedoch direkt aus der Verhörsituation ab.

Allein schon die Frage, wo man im Polizeirevier spätnachts noch etwas zu essen herbekommt, ist Anlass für eine ganze Reihe umwerfender Pointen. «Au poste!» ist ein kleines Meisterstück der subversiven Komödie: Gerade die vermeintliche Vertrautheit von Schauplatz und Erzählung sorgt dafür, dass man sich auf der Polizeistation in keinem Moment sicher fühlen kann.

Riffraff
Langstrasse/Neugasse
www.riffraff.ch
16.50 Uhr, 19 Uhr, 21.10 Uhr, Fr / Sa 23.10 Uhr

(Züritipp)

Erstellt: 11.08.2018, 15:52 Uhr

Artikel zum Thema

Böser Krüppel

Gus Van Sant verfilmt die Autobiografie von John Callahan als zerfahrene Pseudo-Doku. Erst in der zweiten Hälfte entwickelt «Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot» Emotionen. Mehr...

Vorzeigefigur des German Mumblecore

Der Regisseur Jackob Lass liebt das Improvisieren. Aber geht das, wenn er einen Roman verfilmt? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Blogs

Von Kopf bis Fuss «Ciao, Bella»

Welttheater Mit Dosentomaten in den Brexit

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Segeln hart am Wind: Die Teilnehmer der Skûtsjesilen - Meisterschaften im niederländischen Friesland schenken sich nichts. (15. August 2018)
(Bild: Siese Veenstra/EPA) Mehr...