Kampf unter Raubtieren

Der Westschweizer Regisseur Robin Erard setzt in seinem Spielfilmdebüt «Fauves» auf Symbolkraft und erzählerische Wucht.

Alle kämpfen auf ihre Art: Oskar (Zacharie Chasseriaud) mit seiner Freundin (Isaline Prévost).

Alle kämpfen auf ihre Art: Oskar (Zacharie Chasseriaud) mit seiner Freundin (Isaline Prévost).

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Zwischen dem 18-jährigen Oskar (Zacharie Chasseriaud) und seinem Pflege­vater Elvis (Jonathan Zaccaï) herrscht Krieg. Der Sportpädagoge mit Ambitionen auf die ausgeschriebene Schulleitung ­dominiert sein Umfeld mit Disziplin und flotten Sprüchen. Der Junior dagegen, der in einer Uhrmacherlehre in La Chaux-de-Fonds versauert, träumt von einer Wild­hüter-Ausbildung in Zimbabwe, wo seine Eltern lebten.

Die Ausgangslage von «Fauves» verspricht Drastisches, und tatsächlich macht sich der jugendliche Held eines unbeabsichtigten Totschlags schuldig und ignoriert deshalb bald seine neue Freundin (Isaline Prévost). Solche Brutalität liegt in der Natur der Geschichte. Wenn sogar die hochschwangere Gattin (Bérénice Baôo) Elvis unablässig zusammenstaucht, hat man es – gemäss Filmtitel – mit Raubtieren zu tun, die alle auf ihre Art kämpfen, was nicht ohne Blutvergiessen geht.

Mag sein, dass die Plausibilität bei solch archaischem Kräftemessen arg strapaziert wird, insbesondere was die vielen zufälligen Rencontres der Figuren betrifft. Handkehrum lässt sich festhalten, dass der Westschweizer Regisseur Robin Erard in seinem Spielfilmdebüt konsequent auf Symbolkraft und erzählerische Wucht setzt. Das sieht man schon in der Auftaktszene, als der ­Bogenschütze Oskar erst dann motiviert ist, als sich Elvis persönlich vor die Zielscheibe stellt.

Video: Vimeo/Outside the Box

Eine markante Bildsprache und einen schmissigen Soundtrack bekommen wir obendrein, denn Robin Erard macht Kino, wie man es in der Schweiz zu selten sieht: leidenschaftlich, temporeich, im besten Sinne manipulativ und mit einem Das-muss-man-gesehen-haben-Argument: Wie sich dieser Elvis windet, wie er intrigiert und sich danebenbenimmt, ist von erlesener Boshaftigkeit.

Da schaut man dem belgischen Darsteller Jonathan Zaccaï gerne zu. Als Bösewicht verdient er zudem ein unerbittliches Finale – und bekommt es auch. Allerdings: Elvis’ nächste Umgebung ist nicht viel besser, was Gefälligkeiten, Mauscheleien und sonstige beruflich-familiäre Verstrickungen betrifft. Und das zeigt dieser Film ganz ungeschminkt.

16:10 Uhr, 20:50 Uhr
Riffraff
Langstrasse / Neugasse
www.riffraff.ch

(Züritipp)

Erstellt: 11.07.2018, 12:55 Uhr

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