Original orthodox

In der jüdisch-orthodoxen Gemeinde in Brooklyn kämpft ein chassidischer Jude um seinen Sohn.

Gegen die Regeln: Menashe will seinen Sohn allein aufziehen.

Gegen die Regeln: Menashe will seinen Sohn allein aufziehen.

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In Borough Park im Südwesten Brooklyns lässt man den Bart nicht stehen, weil das gerade hip ist. Sondern man hält Traditionen hoch, die auf das 18. Jahrhundert zurückgehen: Der Bezirk ist das ­Zuhause der grössten jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft ausserhalb Israels, der Chassiden, die es besonders genau nehmen mit der Thora. Und abgesehen von den Bärten beherzigen die Orthodoxen zum Beispiel die Regel, dass in jeden Haushalt ein Mann und eine Frau gehörten, ein Kind beide Elternteile brauche.

Und hierin liegt das Problem von Menashe (Menashe Lustig). Er ist ein Shlimazel; das ist der jiddische Ausdruck für einen, der im Schlamassel sitzt: Seine Frau ist verstorben, weshalb das Sorgerecht für den Sohn neu verhandelt wird. Der Zehnjährige (Ruben Niborski) soll beim Schwager (Yoel Wiesshaus) deponiert werden, bis Menashe sich wieder vermählt hat. Aber Menashe muckt auf.

Der Witwer trägt keinen hohen Hut wie die andern in der Gemeinde, die Schläfenlocken hat er hinter die Ohren gezwirbelt, selbst der Bart scheint sich zu verweigern und sieht etwas ausgedünnt aus. Nein, Menashe mag nicht so recht dazugehören. Und er hält nichts von der Idee, jetzt auf Partnersuche zu gehen, er trauert noch. Also quengelt er so lange beim Rebbe, bis dieser weich wird. Menashe, der nicht nur ein Shlimazel ist, sondern auch ein Schussel, bekommt eine Woche Zeit, sich zu beweisen: Kann er alleine für seinen Sohn sorgen?

Regisseur Joshua Z. Weinstein drehte vorher Dokumentarfilme über ferne Völker auf den Philippinen, fürs Spielfilmdebüt hat er sich in die Parallelwelt in New York begeben. «Menashe» ist schon deshalb ein erstaunlicher Film, weil es ihn eigentlich nicht geben dürfte. Chassidischen Juden sind weltliche Vergnügen wie Kino oder Fernsehen untersagt, vom Mitmachen in einem Film nicht zu reden. Aber Weinstein, jüdisch-säkular, ist es gelungen, an Originalschauplätzen zu drehen und Originalorthodoxe für die meisten Parts zu gewinnen, allen voran Menashe Lustig, der Laie in der Titelrolle. Es ist Lustigs Lebens­geschichte, die dem Film als Vorlage diente. Weinstein machte aus der Aussenseiterstory kein Moralstück, er urteilt nicht über die Orthodoxen, er ist kein Oberchochem, kein Besserwisser. Mit Anflügen von Situationskomik und mit grossem Einfühlungsvermögen erzählt er nicht von Exoten, sondern von einem Vater und seinem Sohn, schlicht und ergreifend.

Kosmos (Zueritipp)

Erstellt: 18.10.2017, 13:15 Uhr

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