Sie kämpften um die Elektrizität

«The Current War» erzählt vom Stromkrieg im 19. Jahrhundert – damals stellten Thomas Edison und sein Konkurrent George Westinghouse die Weichen für die Moderne.

Die Rivalen ebnen den Weg für eine moderne Zukunft: George Westinghouse (Michael Shannon, l.) trifft hier Thomas Edison (Benedict Cumberbatch).

Die Rivalen ebnen den Weg für eine moderne Zukunft: George Westinghouse (Michael Shannon, l.) trifft hier Thomas Edison (Benedict Cumberbatch).

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Das Pferd ist mit einem Generator verkabelt. Thomas Edison (Benedict ­Cumberbatch) legt einen Schalter um – und das Tier sackt tot zusammen. Mit dieser Demonstration will er den Anwesenden ­beweisen, dass das Wechselstromsystem seines Konkurrenten George Westinghouse (Michael Shannon) tödlich ist. Edison empfiehlt eine Variante, die viel sicherer sei: sein eigenes Gleichstromsystem.

Einer der Zuschauer, Southwick Brown (Tom Fisher), hat freilich seine eigene Perspektive auf die Vorführung: «Das Pferd starb so friedlich.» Er ist Mitglied der amerikanischen Kommission für die Todesstrafe, und er wird später die Entwicklung des elektrischen Stuhls in die Wege leiten. Als humane Art der Hinrichtung.

Antrieb der neuen Welt: Wer liefert den Strom? Video: YouTube/Movieclips Trailers

Diese Episode ist eines der Highlights des sogenannten Stromkriegs, der in den 1880ern und 1890ern wütete. Damals wurde es möglich, ganze Landstriche mit Elektrizität zu versorgen; Edison und Westing­house kämpften nun verbissen um diesen neuen Strommarkt. An der Auseinander­setzung war nicht zuletzt der serbisch-kroatische Immigrant Nikola Tesla (Nicholas Hoult) beteiligt, der zunächst für Edison arbeitete, später aber zu Westinghouse wechselte und ihm zum Durchbruch verhalf. Edisons System war tatsächlich sicherer, aber auch ineffizient und teuer. Und daran liegt es am Ende, dass aus unseren Steckdosen bis heute Wechsel­strom kommt.

Regisseur Alfonso Gomez-Rejon («Me and Earl and the Dying Girl») inszeniert diesen historischen Streit in einem atem­beraubenden Tempo, dazu liefert ihm der südkoreanische Kameramann Chung-hoon Chung («Oldboy») fantastische Bilder. Sehr dynamisch und voller Energie ist das. Die Aufregung des Wettbewerbs, die Begeisterung für ein neues Zeitalter – das alles überträgt sich auf den Kinosaal.

So verzeiht man auch gern, dass ­Gomez-Rejon die Vorgänge teils stark vereinfacht darstellt – Southwick Brown zum Beispiel gab es gar nicht, die Figur vereint zwei ganz verschiedene historische Persönlichkeiten in sich. Dass Edison heimlich bei der Entwicklung des elektrischen Stuhls half, um Westinghouse zu diskreditieren, ist allerdings verbürgt.

In diversen Kinos

Erstellt: 08.01.2020, 16:11 Uhr

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