Tanz gegen das Trauma

In «Les chatouilles» wird ein Mädchen missbraucht. Sie verarbeitet die Tragödie in einem eindrücklichen Tanz.

«Les chatouilles»: Glückliche Momente sind selten für die kleine Odette.

«Les chatouilles»: Glückliche Momente sind selten für die kleine Odette.

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Die kleine Odette (Cyrille Mairesse), benannt nach dem weissen Schwan in Tschaikowskys Ballett, ist eine leidenschaftliche Tanzschülerin – und sie hat ein grässliches Geheimnis: Sie wird immer wieder vom besten Freund ihrer Eltern missbraucht. Selbst als das Mädchen an einer renommierten Pariser Ballettschule studieren darf, geht der Horror weiter.

Der vermeintlich charmante Miguié (Pierre Deladonchamps) schafft es immer wieder, Odette Gewalt anzutun, ohne dass ihre Eltern etwas davon merken. Oder merken wollen. Jahre später reibt sich Odette (Andréa Bescond) zwischen mittelmässigen Engagements, kurzen Affären und Drogenexzessen auf.

Basiert auf einer wahren Geschichte: der Film «Les chatouilles». Video: YouTube/Praesens - Film

Mithilfe ihrer ungebändigten tänzerischen Energie sowie einer Psycho­therapie macht sie sich auf den langen Weg der Traumabewältigung. In «Les chatouilles» verarbeitet Andréa Bescond zusammen mit ihrem Ehemann und Co-Regisseur Eric Métayer ihre eigene Kindheitsgeschichte in der Form eines fiktionalisierten Dramas.

Bescond spielt die erwachsene Odette als Tänzerin, die ihren Körper als Austragungsort extremer Gefühle zeigt, ohne dass es jemals voyeuristisch wird. Vielmehr entsteht im Ausdruck tiefster Verletzung die gewaltige Kraft einer Frau, die leben und glücklich sein will.

Die expressiven und packenden Tanzszenen unterbrechen die Handlung, die über weite Strecken geradezu nüchtern wirkt – und gerade dieser Anschein von Nüchternheit vermag zu berühren. Insbesondere die Reaktion von Odettes Mutter (Mado Le Nadant), als ihre Tochter sie am Ende doch noch mit der Wahrheit konfrontiert, lässt einen erschüttert zurück.

Kosmos / Movie

(Züritipp)

Erstellt: 13.03.2019, 13:22 Uhr

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